Barm-herzig | Sonntag, 6. September 2020

Ein „Lichtblick“ im Rückblick auf den heutigen Gottesdienst

„Herzlich willkommen!“ Mit dieser Geste haben wir uns heute im Gottesdienst gegenseitig begrüßt. Und das Herz war dann auch ein thematischer „roter Faden“ durch den ganzen Gottesdienst…

Evangelium aus Lukas 10, 25-37

Und siehe, da stand ein Gesetzeslehrer auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst«. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster?

Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen. Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinab zog; und als er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber.

Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte es ihn; und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme.

Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!

Lied

Von Paul Gerhardts schönem Sommer-Lied „Geh aus mein Herz“ haben wir die erste und auch die vielleicht etwas weniger bekannte dreizehnte Strophe gesungen, die im folgenden Video erklingt:

13. Hilf mir und segne meinen Geist / mit Segen, der vom Himmel fleußt / daß ich dir stetig blühe. / Gib, daß der Sommer deiner Gnad / in meiner Seele früh und spat / viel Glaubensfrüchte ziehe / viel Glaubensfrüchte ziehe.

Gedanken zum Evangelium (Predigt-Auszug)

Schauen wir etwas genauer an, was Jesus über den Samariter erzählt: Er „sah“ den beraubten, halbtoten Menschen und dieser Anblick „jammerte ihn“. Der Samariter war also zunächst einmal überhaupt bereit hinzuschauen. Er wandte seinen Blick nicht im Vorbeigehen ab, sondern er blieb stehen und setzte sich dem Anblick aus. Mehr noch: Er ließ sich von diesem Anblick berühren, vielleicht sogar erschüttern. Er litt mit. Er hatte Mitleid. Er öffnete sein Herz. Er war barmherzig.

Vielleicht können wir diese Grundhaltung einmal ganz bewusst in die kommende Woche mit hineinnehmen und bei einer Gelegenheit hinschauen, bei der wir sonst wegschauen würden. Einmal bewusst warmherzig und vielleicht sogar barmherzig reagieren, wo wir sonst die kalte Schulter zeigen würden. Einmal die Menschen aus der Lorsbacher Gemeinde vor unserem inneren Auge vorbeiziehen lassen und uns fragen: Wem kann ich in der kommenden Woche zum „Nächsten“ werden? Oder eventuell sogar einmal in irgendeinen Bereich hineinschauen, der ganz außerhalb unserer Lorsbacher Wohlfühlzone liegt. Vielleicht erleben wir ja, dass unser eigenes Herz uns mit seiner Barmherzigkeit überrascht?

Woher kann die Kraft für solch eine barmherzige Grundhaltung kommen? Das Lied, das die Grundlage für das folgende Video ist, sagt: Aus der Erkenntnis, dass wir selbst auch nur leben können, weil Gott seinerseits barmherzig mit uns umgeht. Die Jahreslosung für das kommende Jahr 2021 lautet ganz passend dazu: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Lukas 6, 36).

Gebet

Liebender Gott, der du ein Herz für uns Menschen hast:
Danke, dass du unsere Nähe suchst und du dich um uns sorgst und für uns sorgen willst.
Erbarme dich über alle, die über ihren Lebensanforderungen oder ihrer Vergangenheit verhärtet oder kalt geworden sind,
die verletzt sind,
die sich ausgebrannt fühlen,
die sich niemandem und nichts mehr öffnen können.
Wir bitten dich: Herr erbarme dich.

Liebender Gott, der du ein Herz für uns Menschen hast:
Erbarme dich über alle, die sich für andere aufopfern,
die an Leidenden nicht vorbeisehen,
die aufrecht Unrecht benennen und Lügen entlarven,
die sich nicht zurückziehen ins Private,
sondern nicht müde werden ihr Herz anderen zu schenken.
Wir bitten dich: Herr, erbarme dich!

Liebender Gott, der du ein Herz für uns Menschen hast:
Schenke Veränderung, wo das Streben nach materiellen Gütern die Liebe unterwandert,
wo diejenigen die Nase vorn haben, die zuerst nach dem eigenen Nutzen fragen,
wo auch die Fürsorge für Kranke und Bedürftige Gewinnen untergeordnet wird.
Wir bitten dich: Herr, erbarme dich!

Liebender Gott, der du ein Herz für uns Menschen hast:
Du fragst uns, was wir an unseren geringsten Brüdern getan haben.
Lass uns nicht schweigen,
sondern wachsen in deiner Liebe und dir ähnlicher werden,
um allen Menschen unabhängig von ihrer Weltanschauung, ihrer Religion,
ihrer Herkunft oder ihrer Hautfarbe mit offenem Herzen zu begegnen.
Wir bitten dich: Herr, erbarme dich!

Nachspiel


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