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Ostern | 4. April 2021

Ein „Lichtblick“ von Pfarrerin Kerstin Heinrich und Pastor Rainer Leo

Früh um 7 Uhr auf dem Zimmerplatz in Lorsbach: Das Osterfeuer bringt Licht und Wärme in die Morgendämmerung, die Ostergeschichte wird gelesen und das eben noch nackte „Weihnachtsbaum-Kreuz“ wird von den Gottesdienst-Besuchern nach und nach mit Blumen und blühenden Zweigen geschmückt.

Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.

Markus 16, 1-8a

„Auf, auf, mein Herz, mit Freuden“ (EG 112) spielen die Blechbläser. Doch bevor die Freude sich so richtig breit machen kann, sind gedanklich noch ein paar Schritte zu gehen …

Video: Rebekka Herrmann

… genau wie bei den beiden Frauen, von denen das Markusevangelium berichtet:

Sie sind trautig. In ihrer Trauer wollen sie etwas tun. Einen letzten Liebesdienst erweisen. Sie wollen Jesus salben mit wertvollen Ölen. So gehen sie zum Grab. Vielleicht auch, um selbst irgendwie begreifen zu können, was geschehen ist, und ihrer Trauer Gestalt zu geben.

„Wer wird uns den Stein vom Grabeingang wegrollen?“ So fragen sich die drei Frauen auf dem Weg zum Grab. Denn der Stein war sehr groß.

An diesem Punkt des Weges sind uns die Frauen sehr nah. Mancher von uns mag sich diese Frage auch schon öfter gestellt haben: „Wer rollt mir nur den Stein weg?“ Die Steine, die uns auf der Seele liegen, tragen unterschiedliche Namen. Der eine hat Angst um einen geliebten Menschen oder um die eigene Gesundheit. Eine andere quält die Sorge um die Zukunft. Da liegt eine Trauer, die nicht weichen will, schwer auf der Seele.

Und natürlich der Stein – die Steine – die die Pandemie auf unsere Seele gelegt hat: Wie geht es weiter? Wie entwickelt sich das Virus? Wann werde ich endlich geimpft? Bleibe ich, bleiben meine Lieben gesund? Wie geht es mit meiner beruflichen Zukunft weiter? Wann werden wir wieder unbeschwert leben können? Die Steine auf unseren Seelen haben verschiedene Namen, doch sie sind alle schwer.

Als die Frauen damals zum Grab kommen, ist der Stein weggerollt und das Grab leer. Wie sehr erschrecken sie, als sie hören: Gott hat Jesus auferweckt. Sie laufen davon mit Zittern und Entsetzen. Denn dass Gott so machtvoll eingreift, damit haben sie nicht gerechnet. Sie können es kaum glauben.

Nach der anfänglichen Starre überwinden sie ihre Angst und berichten, was sie gesehen und gehört haben. Petrus hält es nicht mehr. Er steht auf, läuft zum Grab und sieht nach. Es ist wahr: Der Stein ist weggerollt, das Grab ist leer.

Später erscheint der Auferstandene auch den Jüngern. Die Starre fällt von den Freunden und Freundinnen von Jesus ab. Sie setzen sich in Bewegung und fangen an zu verkünden, was sie jetzt glauben.

Ohne Ostern wäre alles beim Alten geblieben. Wie versteinert. Wie immer. Aber die JüngerInnen erleben: Der zu Unrecht Verurteilte wird ins Recht gesetzt! Er ist auferstanden! Er ist wahrhaftig Gottes Sohn! An ihn zu glauben verändert alles.

Ostern bringt uns in Bewegung. Ostern bringt den Stein ins Rollen. Auch bei uns? Glauben Sie, dass Ihr Stein weggerollt werden kann?

Ostern heißt aufschauen, erste Schritte tun. Ostern heißt, dass Hoffnung wachsen kann. Ostern heißt, das Licht am Horizont zu sehen, das mich aus der Dunkelheit locken will. Ostern heißt auch zu erkennen: Ich muss nicht alles alleine stemmen. Es kommt nicht nur auf mich und meine eigene Kraft an. Gott hilft mir tragen, und er hilft mir, das wegzuschieben, was mich vom Leben trennt.

So haben die Jünger Ostern erlebt. Sie erfahren, was „Auferstehung“ bedeutet: Wir sind ja gar nicht allein auf dem Weg. Jesus ist bei uns. Anders als vorher. Manchmal erkennen wir ihn gar nicht. Doch er ist da, macht uns Mut, gibt uns Kraft. Hilft uns, die Last zu tragen.

Ostern, das ist nicht nur vor 2000 Jahren passiert. Ostern, das geschieht auch heute. Immer wieder, auch in Ihrem und in meinem Leben: Immer dann, wenn ich Wege aus der Sackgasse heraus erkenne. Wenn ein Lächeln mir Mut macht. Wenn ein Freund mir aufhilft. Wenn ich Kraft und Stärke in mir spüre und weiß: Ich bin geliebt. Ich bin nicht allein. Dann verschwindet der dicke Kloß, der in meiner Kehle gesessen hat. Ich kann aufblicken und aufbrechen. Das Schwere hat keine Macht über mich. Es gehört zu mir, ja. Und auch nach Ostern gibt es Tage, da liegen Steine schwer auf meiner Seele. Aber die Hoffnung bleibt, dass sie ins Rollen kommen können. Sie bestimmen nicht mein Leben.

Ostern schickt mich mutig und zuversichtlich ins Leben, macht mir einen realistischen Blick möglich – auch auf die Steine, die mich beschweren. Ich lege einige ab in Gottes Hände. Andere kann ich dann schultern. Ich nehme sie mit durch mein Leben, sie sind mein Gepäck, aber ich muss sie nicht allein tragen. Die Liebe, die vor dem Tod und der Finsternis nicht Halt macht, hilft mir dabei. Wenn meine Kraft nicht reicht – Gott ist an meiner Seite.

Ich darf mich getragen wissen von dem Glauben, dass der Ostermorgen die Auferstehung der Liebe war, die alles trägt, die selbst den Tod überwunden hat. Möge dieser Glaube uns festen Halt geben. Auch in Trauer und Schmerz, in Missmut oder Angst oder Bedrückung. Was auch geschieht: Gott bringt den Stein ins Rollen. Ostern in meinem Leben.

Eigentlich sind ja Ostereier das Symbol für das Osterfest. Doch mit den Konfis haben wir überlegt: Ostersteine passen als Zeichen für Ostern viel besser. Und so haben die Konfis Steine bemalt. Mit Hoffnungszeichen. Zeichen der Hoffnung, dass kein Stein so schwer ist, dass Gott ihn nicht wegrollen kann.

„Der Herr ist auferstanden!“ – „Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Wir wünschen allen Lorsbacherinnen und Lorsbachern und allen anderen, die uns auf diesem Weg verbunden sind, ein frohes und gesegnetes Osterfest! Schauen Sie sich das blumengeschmückte Kreuz auf dem Zimmerplatz doch einmal „live“ an. Es ist ein tolles Zeichen der gemeinschaftlichen Hoffnung geworden.

Möge die Botschaft vom Auferstandenen uns in Schwung bringen!


Karfreitag | 2. April 2021

Ein „Lichtblick“ von Pastor Rainer Leo und Pfarrerin Kerstin Heinrich

Der den Wein austeilt, muss Essig trinken.
Der die Hand nicht hebt zur Abwehr, wird geschlagen.
Der den Verlassenen sucht, wird verlassen.
Der nicht schreien macht, schreit überlaut.
Der die Wunde heilt, wird durchbohrt.
Der den Wurm rettet, wird zertreten.
Der nicht verfolgt, nicht verrät, wird ausgeliefert.
Der nicht schuld ist, der Unschuldige, wird gequält.
Der lebendig macht, wird geschlachtet.
Der die Henker begnadigt, stirbt gnadenlos.

Die Kreuzigung wird geschildert in Lukas 23, 33-49:

„Heilands-Klagen“ – Das sind ursprünglich Gesänge in der Liturgie der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche. Sie gehören seit dem frühen Mittelalter zur Feier des Leidens und Sterbens Jesu Christi am Karfreitag. In diesen Klagen beklagt Jesus das, was ihm Schmerzen bereitet – über die körperlichen Qualen der Kreuzigung hinaus. Wir haben den Text heute morgen verlesen und nach jeder Klage einen Nagel in unser diesjähriges „Weihnachtsbaum-Kreuz“ geschlagen.

Mein Volk, meine Kirche, was habe ich dir getan, womit nur habe ich dich betrübt? Antworte mir!

Das Evangelium der Befreiung habe ich dir gebracht.
Du aber legst anderen Lasten auf.

Ich habe dir Worte des ewigen Lebens gesagt.
Du aber machst Vergängliches zu deinem Gott.

Ich habe dich gesandt, den Völkern die frohe Botschaft zu verkünden, den Gefangenen Freiheit, den Trauernden Trost.
Du aber missbrauchst meinen Namen.

Die gleiche Würde aller Menschen habe ich dich gelehrt. Juden und Heiden, Sklaven und Freie, Männer und Frauen sind eins in mir.
Du aber herrscht über andere.

Die Barmherzigen habe ich seliggepriesen. Barmherzigkeit will Gott, nicht Opfer.
Du aber bist erbarmungslos gegenüber denen, die anders denken.

Ich bin Dir zum Brot des Lebens geworden.
Du aber gehst an den Hungrigen vorüber.

Ich bin zu Dir gekommen als das Licht der Welt.
Du aber verdunkelst meine Botschaft.

Am Kreuz habe ich für meine Peiniger gebetet. Ich habe dir aufgetragen, dem anderen zu vergeben.
Du aber verfolgst deine Gegner.

Ich habe mich für dich ans Kreuz schlagen lassen.
Du aber setzt Dich mit Gewalt durch.

Mein Volk, meine Kirche, was habe ich dir getan, womit nur habe ich dich betrübt? Antworte mir!


Ein Video des Karfreitags-Gottesdienstes finden Sie hier auf der Homepage der Evangelisch-methodistischen Gemeinde. Die Ansprache von Pastor Rainer Leo beginnt bei Minute 13.


Palmzweig | Sonntag, 28. März 2021

Ein „Lichtblick“ von Pfarrerin Kerstin Heinrich

„Hosianna!“ – dieses Wort hat jeder schon einmal irgendwo gehört. Aber was bedeutet es eigentlich? Der heutige „Lichtblick“ klärt auf. Und zur Einstimmung stellt der Liederpfarrer Bastian Basse den Ruf „Hosianna“ in den Kontext der Geschichte des heutigen Sonntags.

Jesus kommt nach Jerusalem zum Passahfest. Dieser besondere Mensch, der Kranke gesund machen kann und Tote wieder lebendig! Kurz vorher hat Jesus den toten Lazarus auferweckt, eine Wundertat, die viele Menschen erschüttert hat. Die sie bewegt hat – und mit Hoffnung erfüllt. Nun kommt dieser Jesus mit seinen Jüngern in die Stadt und wird von jubelnden Menschen umringt, die laut rufen: „Hosianna!“

Mit diesem Ruf wandte man sich an einen König oder an Gott: „Hilf doch!“ Und sie rufen weiter: „Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!“ Voller Begeisterung gehen sie Jesus entgegen, legen ihre Kleider zu seinen Füßen ab und winken mit Palmzweigen.

Die Hoffnungen und Sehnsüchte der Menschen waren übergroß, als sie Jesus auf dem Esel auf die Stadt zureiten sahen. Neben dem Ruf „Hosianna“, „Hilf doch!“, wird dies durch zwei besonders aussagekräftige Symbole deutlich:

Jesus zieht auf einem Esel ein. Es war jüdische Tradition, dass der König zu seiner Krönung auf einem Esel reitet. Er durfte nicht auf einem Pferd reiten, da Pferde auch als Kriegstiere galten. Der Einzug Jesu in Jerusalem auf dem Esel wurde also als Einzug eines Königs, genauer gesagt des „Königs der Könige“ gedeutet. Als Einzug des Friedefürsten.

Dazu winkten die Menschen mit Palmzweigen – ein „Siegeszeichen“. Denn Palmen waren und sind symbolisch ein Zeichen für „den Sieg des Lebens“. Mit den Palmzweigen machten die Menschen deutlich: Jesus ist der König der Könige, der die Macht hat, dem Leben zum Sieg zu verhelfen in dunkler Zeit.

Palmzweige, sie sind bis heute ein Symbol für den Sieg des Lebens über den Tod. Deshalb zieren mitunter Palmzweige die Särge und sind auf Grabsteinen zu finden. Manche Bestatter lassen Palmzweige in die Scheiben ihrer Autos eingravieren und auf dem Friedhof sind in die schwarzen Tücher der Sargwagen Palmwedel eingestickt.

Palmzweige haben diesem Sonntag am Beginn der Karwoche seinen Namen gegeben: Palmsonntag.

In Europa sind Palmprozessionen an Palmsonntag bereits seit dem 8. Jahrhundert bekannt. Mit großem Aufwand wurde Jesu Einzug in Jerusalem nachvollzogen. Später, im Mittelalter, zogen angesehene Bürger der Stadt einen lebensgroßen hölzernen Esel mit einer Christusfigur an den jubelnden Menschen vorbei. Die Menge schwenkte begeistert Palmwedel. Wo das Klima das Wachstum von Palmen nicht zuließ, also in kälteren Regionen Europas, verwendete man Buchsbaumsträuße als Ersatz. Wenn der sogenannte Palm-Esel mit dem hölzernen Jesus vorbeigezogen war, nahmen die Zuschauer die Buchsbaumwedel mit nach Hause, um sie dort aufzuhängen. Davon erhoffte man sich Segen, Gesundheit, Wohlergehen. Die Reformation hat diesen Prozessionen im evangelischen Raum ein Ende gemacht und diesem Verbot fielen auch die Palm- und Buchsbaumwedel zum Opfer. Die Reformatoren hielten nichts von Palmwedeln und Buchsbaum, weil sie den Verdacht hatten, dass die Menschen ihnen abergläubische Kräfte zuschrieben.

In der katholischen Kirche behielten die Palmzweige nach wie vor eine große Bedeutung. Nach der Messe am Palmsonntag nehmen die Gläubigen ihre geweihten Palmzweige bis heute vielerorts mit nach Hause und stecken sie etwa hinter ein Kruzifix über dem Türrahmen oder an Heiligenbildchen oder Spiegel – dies soll einen besonderen Schutz für das Haus und seine Bewohner bewirken.

Segen, Gesundheit und Wohlergehen erhofften und erhoffen sich die Menschen von Jesus, und die Palmzweige waren und sind dafür ein besonderes Zeichen.

Über die Menschenmenge, die Jesus bei seinem Einzug so begeistert empfängt, wird oft ein wenig verächtlich geredet. Die, die eben noch Hosianna gerufen hätten, würden wenige Tage später Pilatus das „Kreuzige ihn“ entgegenschreien. Wankelmütig seien sie, ihre Begeisterung nicht mehr als eine Show, der man nicht trauen kann.

Doch ich denke, dies wird den Menschen nicht gerecht. Erstens weiß man nicht, ob es wirklich dieselben waren, die sich später am Hof des Pilatus versammelten, um die Kreuzigung Jesu zu fordern. Und zweitens denke ich, dass die Sehnsucht nach Heil, nach einem besseren Leben, nach einer Veränderung der Verhältnisse bei vielen wirklich aus tiefstem Herzen kam und mit Jesus verknüpft wurde.

Manche haben sich vielleicht Hilfe für ihre persönlichen Probleme erhofft: für ihre Krankheiten, für ihre Sorge um Angehörige, für ihre finanzielle Misere. Andere dachten vielleicht eher politisch und erhofften sich von Jesus, dass er endlich Schluss macht mit der Besatzung, mit den täglichen Demütigungen, die damit einhergingen. Dass er die zynischen und korrupten Machthaber beseitigt und endlich Gerechtigkeit bringt und einen Frieden, der den Namen verdient. Wünsche, wie sie gegenwärtig auch viele Einwohner Jerusalems haben, aber nicht nur da.

Was würden Sie, was würden wir heute in das Hosianna für Gedanken und Sehnsüchte legen, wenn Jesus plötzlich erscheinen würde? Welche Hilfe würden wir erbitten, weil wir mit „dem Latein am Ende sind“, weil wir nicht wissen, wie und ob es weitergehen kann? Mit dem Leben oder mit dem Beruf, mit der Kirche, mit der Politik und natürlich mit der Pandemie, die unser Miteinander, unsere Gesellschaft und unsere Gesundheit nach wie vor bedroht?

Auch heute gibt es ja eine große Bedürftigkeit. Auch heute gibt es Ängste, Nöte, Sehnsüchte. Da unterscheiden wir uns nicht von den Menschen damals. Die Sehnsucht nach Heil und Frieden ist groß.

Bei den Hosianna-Rufen der Menschen damals blieben die Hoffnungen, die die Leute auf Jesus setzen, ihre konkreten Bitten, in der Öffentlichkeit unausgesprochen. Aber vielleicht gewährten die Leute, die ihre Obergewänder für Jesus ablegten, ihm damit schon zeichenhaft einen Blick auf das, was sonst meist verdeckt bleibt: auf ihr Herz! Und mit ihrem offenen Herz empfangen sie Jesus.

Gott mit offenem Herzen empfangen – das können wir von dem Menschen damals lernen. Ihm unsere Sehnsüchte und Träume erzählen. Wir dürfen mit ihm das Heil verknüpfen. Auch wenn er das Heil ganz anders verwirklicht, als wir uns es vorstellen und wünschen. Auch dafür steht der Palmsonntag. Jesus kommt nicht als Zauberkönig in unsere Welt. Er verhindert nicht alles Schlimme und löst nicht alle Probleme mit einem Schlag. Er kommt unscheinbar, auf einem Esel und für viele Augen bleibt er als wahrer König Israels verborgen. Sein Weg führt ihn auch nicht in einen sichtbar spektakulären Triumpf über die Mächte der Welt. Sein Weg führt ans Kreuz, wo ihn nur noch eine zynische Aufschrift als König der Juden ausweist. Aber dort erringt er den größten Triumpf. Den Sieg über den Tod.

Lassen Sie uns für den kleinen Buchsbaumzweig, den wir heute mitnehmen können, zuhause ein gutes Plätzchen finden. Die Befürchtung der Reformatoren, dass Sie und ich diesen Zweigen abergläubische Kräfte zuschreiben, teile ich nicht. Doch die Zweige können uns daran erinnern, dass wir unser Herz Gott gegenüber nicht verschließen, sondern wir ihm unser „Hosianna“, „Hilf doch“ zurufen können und wir darauf vertrauen dürfen, dass das Leben siegen wird.

Palmzweig | Gebet

Wir öffnen unsere Herzen für dich, Jesus Christus.
Und mit offenem Herzen beten wir

für die Kranken
für die, denen keine Medizin mehr helfen kann,
für die, die einsam sterben,
für die, die unter der Last dieser Tage zusammenbrechen.
Komm zu ihnen mit deiner Liebe und heile sie.

für die Menschen,
die in Krankenhäusern und Pflegeheimen arbeiten,
in Feuerwachen und Apotheken,
in Kitas und Supermärkten,
in Laboren und in Ställen,
in Ämtern und Gemeinden.
Komm zu ihnen mit deiner Freundlichkeit und behüte sie.

für die Menschen,
deren Entscheidungen über das Leben vieler bestimmen.
Wir halten dir ihre Ratlosigkeit hin.
Wir halten dir ihre Überforderung hin.
Komm zu ihnen und erbarme dich über sie.

und für die Menschen,
die in der Sorge dieser Tage in Vergessenheit geraten,
die Flüchtlinge,
die Opfer von häuslicher Gewalt,
die Verwirrten und Missbrauchten,
die Hungernden,
die Einsamen.
Komm zu ihnen und rette sie.

Amen

Palmzweig | Nachspiel

Ein vielsprachiges Nachspiel beschließt diesen „Lichtblick“. Aus verschiedensten Ländern haben sich junge und jung gebliebene Menschen für die Produktion dieses Videos zusammengetan. Der deutsche Text heißt: „Hosanna in der Höhe. Du bist König und Herr. Du regierst mit Macht. Deine Herrlichkeit ist offenbar. Hosanna in der Höhe.“ Auch wenn die Herrschaft Gottes nicht immer so aussieht, wie wir das erwarten, bleibt er trotzdem der Allmächtige.


Peitsche | Sonntag, 21. März 2021

Ein „Lichtblick“ von Pfarrerin Kerstin Heinrich

Eine Peitsche ist unsere heutige „Spur zum Kreuz“. Besser geeignet wäre eigentlich eine Geißel – aber glücklicherweise fällt es uns heute schwer, ein Exemplar dieses schrecklichen Folter-Werkzeugs aufzutreiben. Deshalb die Peitsche.

Beide Gegenstände – Peitsche und Geißel – sind in einem Passionsfenster der evangelisch-lutherischen St.-Sixti-Kirche in Northeim (Niedersachsen) zu sehen. Der dortige Kreiskantor Benjamin Dippel begleitet die Betrachtung der einzelnen Personen in dem Kirchenfenster musikalisch.

Die Geißelung Jesu ist den drei Evangelisten Matthäus, Markus und Johannes jeweils nur eine kurze Notiz wert. Bei Lukas kommt sie überhaupt nicht vor. Eine Randbemerkung also. Fast so, als dürfe und könne man zu diesem schrecklichen Vorgang eigentlich gar nichts oder zumindest nichts genaueres sagen.

Die Geißelung war damals vor der Kreuzigung üblich und wurde ohne Erbarmen durchgeführt. Das Opfer würde ja sowieso sterben. Allerdings sollten die Verurteilten noch in der Lage sein, ihr Kreuz zum Ort der Hinrichtung zu tragen. In Jesu Fall scheinen die Soldaten zu weit gegangen zu sein, denn – so berichtet es das Lukasevangelium – er war nicht mehr fähig, das schwere Holzkreuz zu tragen und brauchte die Hilfe von Simon von Kyrene.

Für die römischen Soldaten war die Geißelung berufsmäßige Routine. Gewöhnlich vollzogen sie die Geißelung zu viert. Es war eine schreckliche, schmerzvolle Strafe. Gegeißelt wurde entweder mit Ulmenstäben oder mit Ruten. Oder mit Geißeln, die aus Lederriemen geflochten und oft mit kleinen Haken, Klauen, Sternen, Knochen- und Holzstückchen besetzt waren. Dass manche Verurteilte schon bei der Geißelung starben, verwundert nicht.

Warum wurden die sowieso schon zum Tode verurteilten vorher noch so grausam bestraft?

Der Zweck der Auspeitschung war wohl ein doppelter. Erstens sollte die öffentliche Züchtigung eine abschreckende Wirkung haben. Und zweitens – das wird ja durch die anschließende Verspottung Jesu noch deutlicher – sollten die Verbrecher vor aller Augen gedemütigt werden. Es gab keine Würde und kein Erbarmen bei dem Prozess. Kein Erbarmen für diesen Jesus, der sein Leben der Barmherzigkeit gewidmet hatte, der Barmherzigkeit vorgelebt und gepredigt hatte.

Und die Menge schaute zu, wie er gequält wurde.  

Wo, frage ich mich, wo waren sie denn alle, die ihn in besseren Tagen gesehen, geehrt und geliebt hatten? Die ihm gefolgt waren? Wo waren die, denen er Gesundheit, Trost und Leben gespendet hatte? Wo war Lazarus, wo der geheilte Blinde? Wo war Zachäus, wo waren die Jünger, Petrus und Johannes. Wo waren seine Eltern, seine Geschwister und seine Freunde? Wo waren all die, die ihn noch wenige Tage zuvor mit „Hosianna“, mit Jubelrufen in der Stadt begrüßt hatten?

Keine Hand rührte sich. Keine Stimme erhob sich zum Widerspruch.

Es hatten diejenigen die Oberhand gewonnen, die das Geschehen mit Genugtuung verfolgten. Die sagten, Jesus hätte es verdient. Das sei seine gerechte Strafe. Das waren die religiösen Führer. Sie wollten Rache. Sie wollten ihn tot sehen. Sie wollten ihn dafür bestrafen, dass er in seinen Reden und mit seinem Tun behauptet hatte, er sei Gott. Es konnte in ihren Augen kein größeres Verbrechen geben. Blasphemie! Gott war Gott, der eine und einzige Gott. In ihrem Denken gab es keinen Platz für einen anderen. Sie kannten die Heilige Schrift. Sie verstanden, dass sie Gott mit ihrem ganzen Herzen, ihrer ganzen Seele und ihrem ganzen Verstand anbeten mussten. Sie wussten, was richtig war. Und dieser Mann, so waren sie überzeugt, war nicht nur falsch. Er war geradezu böse, weil er die Gleichheit mit Gott behauptete und alle Heilungen in Gottes Namen durchführte – und das manchmal auch noch am Sabbat!

Und dann waren da noch diejenigen, die dachten: Von dem geht Gefahr aus. Der gefährdet unsere Sicherheit. Der bringt ins Wanken, was wir uns aufgebaut haben. Der gefährdet unsere Macht. Der stellt unsere Welt auf den Kopf.

Außerdem waren noch die dabei, die immer da waren, wenn es öffentliche Auspeitschungen gab. Die sich ergötzten an dem Schmerz, an den Schreien, an dem Blut. Die gerne zuschauten – aus der Ferne.

Ja, viele standen in der Menge, geschützt durch die Menge und sahen der abscheulichen Bestrafung zu. Und viele von ihnen feuerten die Soldaten an. Viele hatten ein sadistisches Vergnügen. Einige hätten sich das Spektakel vielleicht auch lieber nicht angesehen. Einige bekamen vielleicht auch Zweifel. Für manche fühlte es sich vielleicht auch falsch an, dass dieser so gequält wurde. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr. Alle standen sie da: Pilatus, der römische Despot, die Soldaten, die die Befehle ausführten und die vielen, die zuschauten.

Und da war Jesus. Der verurteilte. Der gequält und gegeißelt wurde. Vor aller Augen. Was für ein Mensch. Dieser Jesus von Nazareth.

Und ich denke an die Menschen, die heute gequält werden. Die heute gegeißelt werden vor einer Menge, aus der die einen grölen, in der die anderen schweigen und in der manche vielleicht auch zweifeln. Ich denke an die, die heute ihrer Verzweiflung zu entfliehen suchen – und dann doch wieder in der Verzweiflung landen. Die heute auf Hilfe hoffen und überall auf Ablehnung stoßen.

Die Geschichte der Geißelung ist eine Geschichte über uns.

Wir kennen die Protagonisten. Wir kennen Populisten wie Pilatus. Die sich an ihre Macht klammern. Die kein Gewissen zu haben scheinen oder die sich zumindest – wenn es sich meldet – taub stellen:

Pilatus aber sprach zu ihnen: Was hat er denn Böses getan? Aber sie schrien noch viel mehr: Kreuzige ihn! Pilatus aber wollte dem Volk Genüge tun und gab ihnen Barabbas los und ließ Jesus geißeln und überantwortete ihn, dass er gekreuzigt werde.

Markus 15, 14

Wir kennen auch die übrigen Mitspieler. Leute wie die, die vor Pilatus riefen: „Kreuzige ihn“. Die ihren Sündenbock gefunden haben. Denen es so gut tut, den ganzen eigenen Frust auf ihn abladen zu können.

Wir kennen die, die bei schwierigen politischen Fragen unangemessen einfache Lösungen anbieten oder, wenn alles andere nicht hilft, die Schuld anderen in die Schuhe schieben.

Und wir kennen die, die zuschauen. Die vielleicht zweifeln. Wir kennen die, die Mitleid haben. Deren Herz blutet – aber deren Mund schweigt. Die zuschauen, wenn Unschuldige gequält werden. Die das Unrecht spüren aber meinen, nichts tun zu können. Wir kennen sie gut. Sehr gut.

Die Geißel, die Peitsche – sie sind eine Mahnung bis heute. Wo stehe ich? Welche Haltung nehme ich ein, wenn Unrecht geschieht vor meinen Augen? Wem versage ich meine Barmherzigkeit?

Peitsche | Lied

Zum Lied „Du großer Schmerzensmann“ (EG 87) hat der Liedermacher Gerhard Schöne einen eigenen Text gemacht, der die Gedanken aus dem „Lichtblick“ aufgreift und fortführt.

Peitsche | Gebet

Gerechter Gott, in Jesus wurdest Du einer von den Menschen, die gefoltert, verfolgt und gequält werden. So bitten wir Dich heute, an diesem Sonntag mit dem Namen „Judika – schaffe Recht“:

Schaffe Recht
den Menschen, die wegen ihrer politischen Überzeugung oder ihres Glaubens, wegen ihrer Herkunft oder ihres Aussehens gefoltert, gequält, verhöhnt oder ausgegrenzt werden. Du stehst ihnen in Ihrer Not bei.

Schaffe Recht
auch den Menschen, die ihnen nahe stehen und als ihre Familien oder Freunde oder Unterstützer in finanzielle Notlagen geraten oder geschmäht werden. Du bist an ihrer Seite.

Schaffe Recht
den Menschen die engagiert und unermüdlich dafür arbeiten uns zu informieren. Über das, was wir so gerne übersehen. Über das, was wir vielleicht gar nicht wissen möchten. Steh ihnen bei, dass sie diese Arbeit frei und ungehindert tun können.

Guter Gott, in Jesus wurdest Du einer von uns. Mach uns hellhörig, wo Menschen gequält, misshandelt und ausgegrenzt werden. Oder auch wo ihnen die Beschränkungen zu schwer werden, die die Pandemie uns abverlangt. Nimm die Gleichgültigkeit von uns, weil dein Sohn uns gelehrt hat, an ihrer Seite zu stehen. Gib uns dazu Mut, Fantasie und Kraft.

Amen

Peitsche | Nachspiel

Vielleicht kann uns das Trio „SacreFleur“ mit seiner Version des Liedes „Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen“ (EG 81) am Ende dieses „Lichtblicks“ noch Raum geben für weitere Gedanken – oder sogar für einen konkreten Entschluss?


Mantel und Krone | Sonntag, 14. März 2021

Ein „Lichtblick“ von Pastor Rainer Leo

Vermutlich kennen Sie den Text dieses Liedes (EG 123): „Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß. Aller Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muß.“

Heute geht es um Jesus als König. Deshalb kommen heute auch Mantel und Krone als Symbole dazu – die Krone allerdings in der bekannt-speziellen Version als Dornenkrone:

Beim Einzug in Jerusalem ist Jesus ja tatsächlich wie ein König gefeiert worden. Im weiteren Verlauf der Geschichte wendet sich das Blatt allerdings. Jesus wird mit Mantel und Dornenkrone, mit verfremdeten Symbolen des Königtums, eingekleidet, um ihn zum Gespött machen zu können. Die Soldaten machen sich einen Spaß aus dieser Maskerade:

Die Soldaten aber führten ihn hinein in den Palast, das ist ins Prätorium, und riefen die ganze Kohorte zusammen und zogen ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm auf und fingen an, ihn zu grüßen: Gegrüßet seist du, der Juden König! Und sie schlugen ihn mit einem Rohr auf das Haupt und spien ihn an und fielen auf die Knie und huldigten ihm. Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpurmantel aus und zogen ihm seine Kleider an.

Markus 15, 16-20

Die Gedanken von Pastor Rainer Leo zu diesem Text finden Sie in diesem Video (externer Link zur Website der Evangelisch-methodistischen Kirche Lorsbach).


Geldbeutel | Sonntag, 7. März 2021

Ein „Lichtblick“ von Rolf Wiedemann und Micha Häckel

Heute geht’s ums liebe Geld! Oder besser um die Liebe zum Geld? Unser Verhältnis zum Geld ist ja mitunter seltsam irrational, wie der Arzt und Unterhaltunskünstler Eckart von Hirschhausen im folgenden Ausschnitt aus einer Fernsehshow zeigt:

Die Erfindung des Geldes war und ist eine große Erleichterung für uns Menschen. Unsere heutige Gesellschaft würde mit Tauschhandel nicht funktionieren. Denken Sie an die ganzen immateriellen Werte, die wir heute mit Geld handeln können. Inzwischen handelt Geld sogar selbständig, ohne dass damit Waren verbunden sein müssen. Das birgt natürlich auch Risiken, wie wir spätestens seit den Finanzkrisen der jüngeren Vergangenheit wissen.

Geld hatte und hat seine Schattenseiten. Geld verleiht Macht. Geld kann abhängig, sogar süchtig machen, süchtig nach immer mehr. Und andererseits sagt ein Sprichwort: Geld allein macht nicht glücklich. Es kommt immer darauf an, was ich mit dem Geld mache, wozu ich es einsetze. Und welche Bedeutung ich dem Geld in meinem Leben einräume.

Zwei Episoden aus der Passionsgeschichte haben mit Geld zu tun. In der ersten Episode geht es um die Händler im Vorhof des Tempels: Geldwechsler, Taubenhändler, Verkäufer von Opfergaben wie Mehl, Wein und anderen Naturalien. Letztere mussten den Vorschriften entsprechen, mussten „rein“ sein. Die Tempelbehörden arbeiteten eng mit den Produzenten und Großhändlern zusammen. Die Opfergaben wurden aus dem ganzen Land nach Jerusalem gebracht um den Bedarf zu decken. Die Logistik war enorm aufwändig. Viele notwendige Transaktionen. Und insgesamt ein riesiges Geschäft!

Wenn Sie schon einmal in einem Land Urlaub gemacht haben, das über eine andere Währung verfügt, dann kennen Sie die Situation bei der Einreise oder am Flughafen: schnell noch Geld wechseln. So war das auch im Tempel. Es gab damals viele Zahlungsmittel, viele Münzen und Währungen, aber nur eine taugte als Zahlungsmittel für die Tempelsteuer. Also musste man wechseln. Was sollte daran schlimm sein?

Jesus regte sich furchtbar über diese Geschäfte im Vorhof des Tempels auf. Er wurde zornig. Warum? Und: Durfte er das? Der Dominikanerpater Simon Hacker sucht und findet Antworten:

Jesus erinnert mit seinem Tun also an die ursprüngliche Bedeutung des Tempels. Versucht, die Prioritäten wieder richtig zu setzen. Geschäftemacherei ist im Tempel fehl am Platz und überdeckt den eigentlichen Zweck des Hauses als Raum für die Begegnung mit Gott, als Gebetsraum. Zu Gott soll jeder kommen dürfen, ohne vorher einen Handel dafür abwickeln zu müssen. Wie wichtig Jesus das gewesen sein muss, zeigt die für ihn ungewöhnliche Aggressivität, mit der er auftritt.

Die zweite Episode spielt im Kreis der Jünger, im engsten Zirkel von Jesus. Judas verrät seinen Meister für 30 Silberlinge – oftmals dargestellt in einem Geldbeutel. (Die Geschichte ist nachzulesen in Matthäus 26, 14-16.)

30 Silberlinge waren damals nicht wirklich viel Geld. Nichts, womit man sich hätte zur Ruhe setzen können. Nichts, womit Judas seine Tat hätte rechtfertigen können. Es war der übliche Preis um einen mittelmäßig wertvollen Sklaven auszulösen. Judas fragt auch nicht nach einem bestimmten Betrag, etwa: „Gebt mir eine Million und ich verrate ihn!“ Nein, er fragt: „Was gebt ihr mir dafür?“ Er verhandelt auch nicht, um noch etwas mehr herausrauszuschlagen. Ging es ihm also wirklich ums Geld?

Judas war der Kassenwart der Jünger, wurde also als vertrauenswürdig angesehen. Und wie die anderen Jünger war vermutlich auch er ziemlich aufgebracht, als eine Frau Jesus mit teurem Öl salbte (nachzulesen ab Vers 6 im gleichen Kapitel). Das hätte man doch verkaufen können und das Geld hätte man den Armen geben können. Er musste sich zurechtweisen lassen. Er verstand nicht, worum es seinem Meister ging. Er sah nur die wirtschaftliche Unvernunft.

Beim letzten Abendmahl konfrontierte Jesus ihn mit seinem Verrat (ab Vers 24 im gleichen Kapitel). Die Bibel berichtet von keiner Reaktion der anderen Jünger, die das doch mitgekriegt haben müssen. Manchmal habe ich den Eindruck, die Jünger waren alle mit der Situation überfordert. Sie wussten nicht mehr, was ihr Herr und Meister eigentlich vorhatte, verstanden nichts mehr. Vielleicht war das auch bei Judas so. Was hat er sich bei seinem Verrat gedacht?

Manche meinen, dass er versucht hat, Jesus zum Handeln zu zwingen. Dass er ihn dazu bringen wollte, den Kampf gegen die Römer zu beginnen. Schließlich liebte ihn das Volk. Und die Hohepriester würden schon wieder zu sich kommen, nachdem die Römer zerschlagen waren und die Juden wieder die Kontrolle über ihr eigenes Schicksal hatten. Alles, was Jesus brauchte, war ein kleiner Anstoß. Er, Judas, würde den Einsatz ein wenig erhöhen – das war alles. Die Hohepriester würden die Dinge ins Rollen bringen. Sie waren für ihn leichter zu erreichen als die Römer. Sie würden die Tempelwache schicken, um Jesus zu verhaften. Und wenn Jesus sich dann wehrte, würden die Jünger mitmachen und andere würden in den Kampf hineingezogen werden und die Wache würde bald in der Unterzahl sein. Wenn dieser Kampf erst einmal im Gange war, dann würde es kein Halten mehr geben. Alle Rebellen in den verschiedenen Gruppen rund um die Stadt würden sich versammeln und die Römer würden überrumpelt werden. Und bald würde Jerusalem wieder in der Hand der Juden sein – genau wie Gott es versprochen hatte. Alles, was Jesus brauchte, war ein kleiner Stupser.

Judas verstand nicht, wozu Jesus gekommen war. Also verriet er ihn. In einem Theaterstück der niederländischen Dramatikerin Lot Vekemans, das vor einigen Jahren ins Deutsche übersetzt wurde, spielt diese Lesart auch eine Rolle. Hier ein paar Ausschnitte:

Vielleicht können wir das von Judas lernen: Dass es nicht immer richtig ist, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Weil wir meinen zu wissen, wie der Hase läuft. Weil wir glauben zu wissen, wie das Business funktioniert.

Vielleicht sollten wir stattdessen öfter mal versuchen, uns auf das Ungewöhnliche und Unkonventionelle einzulassen, das so eine große Rolle im Leben von Jesus gespielt hat – auch wenn uns das schwer fällt. Sollten versuchen, uns selbst und unsere Umgebung mit seinen Augen zu sehen, aus seiner Perspektive zu betrachten. Und vielleicht sollten wir auch unser Verhältnis zum Geld in diesem Zusammenhang immer wieder mal in Frage stellen.

Geldbeutel | Gebet

Hilf uns, Gott des Lebens.
Hilf uns in dieser Zeit
mit deiner Güte,
mit deiner Gerechtigkeit,
mit deiner Wahrheit.

Hilf denen,
die an deiner Güte zweifeln,
die fragen, wo du bleibst,
die sich vor der Zukunft fürchten,
die sich aufreiben und nur Finsternis sehen.
Hilf du und antworte ihrer Not.

Hilf denen,
die nach Gerechtigkeit schreien,
die hungern,
die sterben,
die von allen verlassen sind.
Hilf du und sorge für ein gerechtes Leben.

Hilf denen,
die um die Wahrheit ringen,
die sich der Lüge verweigern,
die dich suchen,
die dir vertrauen und Jesus nachfolgen.
Hilf du deiner Gemeinde – hier und in aller Welt.

Diese Zeit braucht Menschen, die aus deiner Güte leben.
Diese Zeit braucht Menschen, die die Gerechtigkeit lieben.
Diese Zeit braucht Menschen, die die Wahrheit bezeugen.
Mache du uns zu solchen Menschen
durch Jesus Christus, deinen Sohn
und unseren Bruder und Erlöser.
Ihm vertrauen wir uns an – heute und alle Tage.
Amen.

Wochengebet der VELKD

Geldbeutel | Segen


Waschschüssel | Sonntag, 28. Februar 2021

Ein „Lichtblick“ von Pfarrerin Kerstin Heinrich

Hände waschen bringt’s – so hören und lesen wir seit einem Jahr an allen Ecken und Enden. Und das Internet ist voll von Erklärvideos zur korrekten Hand-Hygiene.

Im heutigen Passionsgottesdienst auf dem Zimmerplatz ging es auch ums Waschen. Zuerst einmal ums Hände waschen. Nämlich in diesem Abschnitt aus der Passionsgeschichte:

Zum Fest hatte der Statthalter Pilatus die Gewohnheit, dem Volk einen Gefangenen loszugeben, welchen sie wollten. Sie hatten aber zu der Zeit einen berüchtigten Gefangenen, der hieß Jesus Barabbas. Und als sie versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Welchen wollt ihr? Wen soll ich euch losgeben, Jesus Barabbas oder Jesus, von dem gesagt wird, er sei der Christus? Aber die Hohenpriester und die Ältesten überredeten das Volk, dass sie um Barabbas bitten, Jesus aber umbringen sollten. Da antwortete nun der Statthalter und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr? Wen von den beiden soll ich euch losgeben? Sie sprachen: Barabbas! Pilatus sprach zu ihnen: Was soll ich dann machen mit Jesus, von dem gesagt wird, er sei der Christus? Sie sprachen alle: Lass ihn kreuzigen! Er aber sagte: Was hat er denn Böses getan? Sie schrien aber noch mehr: Lass ihn kreuzigen! Da aber Pilatus sah, dass er nichts ausrichtete, sondern das Getümmel immer größer wurde, nahm er Wasser und wusch sich die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen; seht ihr zu!

Matthäus 27, 15-17.20-24

Und dann ging es noch ums Füße waschen. Das kommt nämlich auch in der Passionsgeschichte vor, nachzulesen zum Beispiel im 13. Kapitel des Johannesevangeliums. Die Evangelsich-reformierte Gemeinde Osnabrück hat die entsprechende Szene vor 5 Tagen in ihrem Video-Fastenkalender aufgegriffen.

Zweimal wird also in der Passionsgeschichte gewaschen. Jesus wäscht die Füße seiner Jünger und der römische Statthalter Pontius Pilatus wäscht seine eigenen Hände. Beide Male ist eine Waschschüssel im Spiel. Und deshalb ist die Waschschüssel unsere heutige „Spur zum Kreuz“.

fotografiert während den Vorbereitungen zum Gottesdienst

Wir haben es mit zwei Waschungen zu tun, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In der ersten Geschichte hören wir von Pilatus, der hin- und hergerissen scheint. Auf der einen Seite hört er die Rufe des Volks („Kreuzige ihn!“) und die Forderungen der Hohenpriester, diesen Jesus hinzurichten. Und auf der anderen Seite meldet sich sein eigenes Herz und Gewissen mit der Überzeugung, dass dieser Jesus unschuldig ist.

Er lässt sich eine Waschschüssel bringen. Ich stelle mir vor, wie es auf einmal ganz still wird. Und dann hört man in der Totenstille das leichte Plätschern, als Pilatus seine Hände eintaucht. Und seine Worte: „Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen; seht ihr zu!“

Pilatus zieht sich aus der Affäre. Er will die Verantwortung für die Entscheidung, die er treffen wird, nicht übernehmen, will seine Schuld abwaschen.

Die Hände in Unschuld waschen. Durch alle Zeiten geschah und geschieht das. Bei uns ist es zum Sprichwort geworden. Wir erleben es immer wieder: „Ich bin unschuldig! Ich war’s nicht!“ Da wird zugeschaut, wie ein Mensch zusammengeschlagen wird in der S-Bahn. Keiner schreitet ein. Für die Folgen will niemand verantwortlich sein. „Ich hab doch nichts gemacht.“ Schüler werden gemobbt. Auch in den sozialen Medien. Nicht alle beteiligen sich. Einige schweigen nur. „Ich hab‘ doch nichts gemacht.“ Wir kennen Beispiele wie diese.

Doch kann man Zuschauer bleiben? Unbeteiligter? Wenn Unrecht geschieht? Sich aus der Verantwortung herausziehen? Seine Hände in Unschuld waschen?

Die Antwort der Bibel kann klarer nicht sein: Nein. Niemand kann sich aus der Verantwortung, aus der Schuld herausziehen, nur, weil er wegschaut. Weil er vermeintlichen Zwängen folgt. Weil er meint, er habe keine andere Wahl. Weil er meint, er könne da doch nichts tun.

An den Fall Pilatus wird sogar in unserem Glaubensbekenntnis bis heute in jedem Gottesdienst erinnert: „Gelitten unter Pontius Pilatus…“ Immer, wenn auf der Welt das Glaubensbekenntnis gebetet wird, wird erklärt: Pilatus kann sich nicht in den Zuschauerraum flüchten. Er bleibt beteiligt. Die Waschschüssel wird zu einer großen Selbstlüge. Es funktioniert nicht. Er kann sich nicht selbst von dieser Schuld lossprechen, egal, wie sehr er sich die Hände auch schrubbt. Die Schuld kann er sich nicht selbst vergeben.

Von einer ganz anderen Art von Waschung hören wir im Johannesevangelium. Vor dem Passahfest, so wird erzählt, steht Jesus vom Mahl auf, legt sein Obergewand ab, und bindet sich einen Schurz um. Er gießt Wasser in ein Becken und fängt an, den Jüngern die Füße zu waschen und sie mit dem Schurz zu trocknen.

Fußwaschungen waren damals nicht ungewöhnlich. Die Menschen trugen meist Sandalen, der Boden war staubig, die Füße auch. So wusch man sich vor dem Essen die Füße oder ließ sie sich waschen, zumal das Essen meist liegend eingenommen wurde. Die Fußwaschung war allerdings mit sozialer Rangordnung verbunden: Frauen wuschen ihren Männern die Füße, Kinder ihrem Vater, Sklaven ihren Herren, aber auch Gastgeber ihren Besuchern. Und nun Jesus seinen Jüngern.

Er wäscht Judas die Füße, der ihn später verraten wird. Er wäscht Petrus die Füße, der später leugnen wird, Jesus überhaupt nur zu kennen. Er wäscht denen die Füße, die einschlafen, statt über ihn zu wachen, als er sich zum Gebet zurückzieht. Er wäscht denen die Füße, die fliehen, als Gefahr droht.

Jesus macht mit seinem Tun deutlich: Eure Schuld wird euch nicht von mir trennen. In der Liebe seid und bleibt ihr mit mir verbunden.

Diese Waschung ist so ganz anders als die von Pilatus.

Sie zeigt: Nicht wir selbst können uns von unserer Schuld reinwaschen, sondern wir sind auf die Liebe Gottes angewiesen, von der uns nichts trennen kann – noch nicht einmal unser Versagen.

Dies wird in der Taufe besonders deutlich. Die Taufschüssel ist ja auch eine Waschschüssel. Mit der Taufe werden wir zeichenhaft „reingewaschen“. Wir bekommen zugesagt: Wir müssen uns nicht mehr verzweifelt selbst weismachen, dass wir unschuldig sind. Denn wir werden in unserem Leben immer wieder Schuld auf uns laden. Wir können aber mit unserer Schuld und unserem Versagen zu Gott kommen und um Vergebung bitten. Es ist kein billiger Trick, bei dem wir nicht die Verantwortung für unser Tun und Lassen übernehmen müssen. Die Taufe ist vielmehr eine Waschschüssel, die für die Zusage Gottes steht: Alles, was dich von mir trennt, soll untergehen, es soll abgewaschen werden.

Amen

Waschschüssel | Gebet

Barmherziger Gott, weil wir im Glauben an dich Zuspruch und Sicherheit suchen, bitten wir dich: Wecke gerade jetzt in der Fastenzeit in uns immer neu die Sehnsucht nach dir.

Liebender Gott, weil du dich uns zuwendest, müssen wir uns nicht aus der Verantwortung stehlen: Gib uns den Mut dir das zu bekennen, was uns von dir trennt.  

Guter Gott, weil wir in der Ebene des Alltags leben, mit all den Schwierigkeiten dieser Zeit, bitten wir dich: Schenke immer wieder auch Momente des Glücks und der Freude, kurze Begegnungen, die unser Herz erwärmen und von denen wir zehren können.

Lebendiger Gott, weil die Corona-Pandemie das Leben der Menschen schon ein Jahr lang weltweit beeinträchtigt, bitten wir dich: Stärke die Solidarität der Menschen in unserem Land und in Europa –
und lass uns dort hinschauen, wo ärmere Länder in Not sind und unsere Unterstützung benötigen.

Gnädiger Gott, weil wir in Sorge sind um die Kranken, die Notleidenden und Trauernden, bitten wir dich: Ermutige alle, die Hoffnung suchen. Sei spürbar an der Seite der Menschen, die am Sinn ihres Lebens zweifeln.

Waschschüssel | Nachspiel

„O happy day … when Jesus washed my sins away“. Dieser Gospel-Klassiker passt perfekt zum heutigen Waschschüssel-Thema. Und die Fassung, die die „Heritage Singers“ während ihrer Osteuropa-Tour 2010 in Prag produziert haben, macht dazu noch richtig gute Laune.


Brot und Wein | Sonntag, 21. Februar 2021

Etwas merkwürdig sieht es aus, das Holzkreuz, das da auf dem Lorsbacher Zimmerplatz steht. Unregelmäßig und mit vielen Ast-Ansätzen. In unserem kleinen Gottesdienst am heutigen Sonntag ist klar geworden, was es damit auf sich hat: es ist ein ehemaliger Weihnachtsbaum.

Foto: Micha Häckel

Ein Baum, dessen einst hoffnungsvolles Grün inzwischen komplett vertrocknet war und deshalb abgeschnitten worden ist. Ein Baum, der aber trotzdem in anderer Weise wieder zum Hoffnungszeichen wird.

„Spuren zum Kreuz“ haben wir die Reihe der Open-Air-Gottesdienste in der Passionszeit genannt. Und als erste Spur sind heute Brot und Wein auf den kleinen weißen Tisch vor dieses spezielle Kreuz gelegt worden. Rainer Leo, Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche, hat einige Gedanken dazu weitergegeben. Ein Video davon ist hier auf der Website der Evangelisch-methodistischen Kirche Lorsbach zu finden.

Und so haben wir uns heute versammelt (die weiß markierten Pflastersteine boten Orientierung für den richtigen Abstand):

Foto: Rolf Sorg

Das Kreuz ist übrigens auch die Woche über zu sehen: am Eingang zum Gemeinderaum der Evangelisch-methodistischen Kirche.

„Holz auf Jesu Schulter“ (EG 97) war eines der Lieder, die der Posaunenchor heute gespielt hat. In der ersten Strophe dieses Liedes wird der Zusammenhang zwischen Kreuz und Baum ebenfalls aufgegriffen, aber nicht als Rückblick auf den Weihnachtsbaum, sondern als Ausblick:

Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht,
ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.

Hier ist das Lied noch einmal in einer Jazz-Fassung des Trios „SacreFleur“ (Reiner Regel – Saxophon, Jan Keßler – Gitarre, Lars Hansen – Bass) zu hören.


Heil-Fasten | Sonntag, 14. Februar 2021

Ein „Lichtblick“ von Pfarrerin Kerstin Heinrich

Heute lassen wir’s mal wieder richtig krachen und engagieren uns für das Vorspiel ein ganzes Sinfonieorchester. Und zwar das „West-Eastern Divan Orchestra“. Dieses 1999 gegründete Ensemble besteht zu gleichen Teilen aus israelischen und arabischen Musikern. Es wurde unter anderem von dem Dirigenten Daniel Barenboim gegründet und setzt sich für friedliche Lösungen im Nahostkonflikt ein. Und warum ausgerechnet die Ouvertüre zur Mozart-Oper „Die Hochzeit des Figaro“? Naja, über Figaros bzw. Friseure wird ja allenthalben diskutiert in diesen Tagen…

So wie mir geht es wahrscheinlich sehr vielen Menschen in Deutschland: Beim Blick in den Spiegel stehen mir „die Haare zu Berge“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn nachdem diese nun seit gut 9 Wochen unkontrolliert und immer schwerer frisierbar vor sich hinwachsen, ist das Chaos auf dem Kopf ausgebrochen. Das ist zwar gemessen an den großen Problemen in der Welt eher ein „Problemchen“ – aber Haare sind schon ein sehr wichtiges Accessoire, das uns Gott da mitgegeben hat. Die meisten Menschen legen Wert auf eine ordentliche Frisur. Wie die Haare geschnitten sind oder eben auch nicht, sagt einiges über den Menschen und manchmal auch über seine Charaktereigenschaften aus – und über seinen Gemütszustand.

Aber nun dürfen wir uns ja schon seit Beginn des Lockdowns im Dezember die Haare nicht mehr schneiden lassen und so ist kollektives Strubbelhaar angesagt. Hätten wir 2000 Jahre früher gelebt, wäre das überhaupt kein Problem gewesen, im Gegenteil – zumindest wenn wir zum Volk Israel gehört hätten. Schon an der Haartracht sollte man im biblischen Israel erkennen, ob einer zum Volk Gottes gehört oder nicht. Im Prophetenbuch Jeremia heißt es: „Alle, die sich das Haar stutzen“, das sind die anderen, die Unbeschnittenen, die Gott heimsucht (Jeremia 9,25). Von denen sollten sich die Israeliten unterscheiden. Das biblische Buch Levitikus macht konkrete Frisurvorschriften: „Ihr sollt euer Haar am Haupt nicht rundherum abschneiden noch euren Bart stutzen.“ (Levitikus 19,27)

Allerdings ändern sich später frisurtechnisch gesehen die Ansichten. Der Apostel Paulus vertrat die Meinung, dass es für einen Mann widernatürlich und „eine Unehre ist, wenn er langes Haar trägt“ (1. Korinther 11,14).

Seitdem haben sich Meinung und Mode zu diesem Thema immer wieder geändert. Je nach Zeit waren lange Haare ein Zeichen von höherem Stand, Adel oder Heldentum oder ein Zeichen des Protestes, wovon ja auch der Ausdruck „langhaariger Bombenleger“ zeugt. Heute ist eine ordentliche Frisur jedenfalls, ob lang oder kurz, ein Kriterium fürs Wohlbefinden, und eine gepflegte Erscheinung ist den meisten sehr wichtig. Dass das professionelle Haareschneiden aufgrund der Schließung der Friseurläden unmöglich ist, bedeutet für viele einen echten Verzicht.

Wie sich überhaupt die letzten Wochen wie eine vorgezogene Fastenzeit anfühlen – obwohl diese ja offiziell erst in der nächsten Woche mit dem Aschermittwoch beginnt. Seit dem Beginn des Lockdowns „fasten“ wir: Wir verzichten auf Kontakte, auf Feste, auf Reisen, auf Kultur, auf Shopping und auf den Gang zum Frisör. Und das Fasten zeigt Wirkung: Die Zahlen der täglich gemeldeten Neuinfektionen gehen überall deutlich und spürbar zurück. Das ist eine große gesellschaftliche Leistung. Die Kraftanstrengung scheint sich zu lohnen. Die Solidarität der Jungen mit den Alten, der Gesunden mit den Kranken, der Robusten mit den Anfälligen bewirkt, dass sich für die ganze Gesellschaft ein Hoffnungsschimmer am Horizont zeigt. Darauf dürfen wir als Gesellschaft stolz sein. Die meisten Menschen tragen die Einschränkungen mit, unterstützen sie und halten sich an die Vorgaben. Ich persönlich bin froh und dankbar, in solch einer Gesellschaft leben zu dürfen. 

Und vielleicht nähern wir uns durch dieses „Fasten“ ein wenig der Bedeutung, die das Fasten im biblischen Sinne hat.

In dem Abschnitt aus dem Propheten Jesaja, der für heute als Predigttext vorgeschlagen ist, hören wir etwas über den Sinn und den Nutzen des Fastens – das ja in fast allen Religionen ein wichtiger Brauch ist. Er beginnt damit, dass Jesaja von Gott aufgefordert wird, seine Stimme laut wie eine Posaune erschallen zu lassen. Er soll nicht müde werden, den Israeliten etwas ganz Bestimmtes vorzuhalten, nämlich, dass ihr Fasten nicht dem eigentlichen Sinn des Fastens entspricht. Sie haben so gefastet, wie es Gott ganz und gar nicht gefällt. Mit einer aufrüttelnden Mahnung fordert Jesaja daher seine Mitmenschen auf, Gottes Weisungen zum Fasten zu erfüllen – sie werden zur Umkehr und zur Buße gerufen.

Wer selber nachlesen will, kann das hier tun: Jesaja 58,1-9

Falsches Fasten – das wirft Jesaja im Auftrag Gottes den Menschen vor. Falsches Fasten – das ist, wenn ich den Blick nur auf mich selbst richte. Denn „Recht“ und „Gerechtigkeit“ gehen verloren, wenn ich den Mitmenschen, und zwar den, dem es schlechter geht als mir selbst, aus den Augen verliere. Das ist falsch! „Ihr bedrückt eure Arbeiter“, ruft Jesaja. „Ihr geht euren Geschäften nach und wollt so viel Gewinn wie möglich herausschlagen – auf Kosten der Schwachen der Gesellschaft“, klagt er in Gottes Namen an. 

Und er sagt klar und deutlich, was nötig ist: „Lasst los, die ihr mit Unrecht gebunden habt!“, „Gebt frei, die ihr bedrückt“, „Reißt jedes Joch weg!“

Er stellt ihnen positiv vor Augen, was Gott will: „Brich dem Hungrigen dein Brot!“, „Gib Armen und Obdachlosen eine Zuflucht!“, „Gib denen, die nichts haben, das Lebensnotwendige: Kleidung, Unterkunft, auch Zuwendung und Achtsamkeit!“ Das Lied EG 420 handelt genau davon:

Darauf soll Fasten zielen: Etwas von sich abgeben, um es den anderen, die weniger haben oder vermögen, zukommen zu lassen. Denn nur dann, wenn ich den Mitmenschen in meinen Blick nehme, kann ich mich durch Fasten Gott nähern.

Auf etwas verzichten, um einem anderen aus seiner Not zu helfen oder zu verhindern, dass er in große Not kommt, das ist Fasten, wie Gott es liebt. Es geht hier nicht ausschließlich um Almosen oder Spenden, es geht um meine ganze Existenz. Ich kann auch mal auf mein scheinbares „Recht“ verzichten, wenn ein anderer dadurch besser „zu-recht“ kommt. Ich kann auch mal zurückstecken, damit andere eine Chance bekommen.

Ohne unser Verhalten in diesem Lockdown religiös überhöhen zu wollen: Ich denke, die Verhaltensmaßregeln, die uns als Gesellschaft gestellt sind, um die Pandemie in den Griff zu bekommen, haben dies im Sinn: Wir alle sollen zurückstecken, auf einen Teil unserer Rechte verzichten, damit andere nicht erkranken. Damit die Intensivstationen entlastet werden, damit alte Menschen wieder Besuch bekommen können und Kranke besucht werden dürfen.

Richtiges Fasten ist eine Haltung, die ich einnehme. Diese Haltung soll ich auch nicht am Ostersonntag ablegen, wenn die Fastenzeit offiziell endet – und auch nicht, wenn das Ende des Lockdowns verkündet wird.

Diese innere Haltung hört nicht auf, auf die Mitmenschen zu achten, verantwortungsvoll leben zu wollen und auf Schwächere Rücksicht zu nehmen.

Die Prophetenrede des Jesaja beschreibt in fast poetischen Worten, wie solches Fasten in Gottes Augen gewertet wird. Welche Auswirkungen es auf die Fastenden haben wird. Fast wie eine paradiesische Hymne klingen die beiden letzten Verse: „Dann wird dein Licht hervorbrechen, wie die Morgenröte“ – der Tag liegt dann vor dir, verheißungsvoll, offen für alle guten Möglichkeiten. „Deine Heilung wird schnell voranschreiten“ – du wirst dich wohler und gesünder fühlen an Körper und Geist und an deiner Seele. „Deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen“ – und was fehlt, wird Gott, der dir den Rücken stärkt, ergänzen. „Dann wirst du rufen“ – und Gott wird sich nicht mehr verbergen, sondern dir antworten. Ja, er wird hervortreten und du wirst in seiner Nähe sein. Alles wird gut sein und Gott wird zu dir sprechen: „Siehe, hier bin ich!“

Unser Fasten muss anderen zum Vorteil gereichen, sonst ist es vergebene Liebesmühe. Aber wenn das geschieht, dann ist es wirklich „Heil-Fasten“, ein Fasten, das mir und meinem Nächsten an Körper und Geist und Seele guttut und mich und die anderen Gott näherbringt. Amen.

Das folgende Lied (EG 419) ist schlicht und kurz. Gustav Lohmann hat es geschrieben, als er 85 Jahre alt war. In so hohem Alter braucht man keine Schnörkel mehr. Gustav Lohmann war Pfarrer und er betet einfach, was ihm auf der Seele liegt. Die Interpretation stammt von einer außergewöhnlichen Persönlichkeit, zu der wir am Ende des Lichtblicks noch ein paar Informationen geben.

Heil-Fasten | Gebet

Gott, du bist die Quelle des Lebens. Du willst, dass wir das Leben finden.
Gerechtigkeit und Frieden gehen von dir aus und du legst sie uns ins Herz.
Dafür danken wir dir.

Wir bitten dich für alle Männer und Frauen, die heute mahnend ihre Stimme erheben und Gerechtigkeit einklagen. Sie werden oft verlacht und nicht ernst genommen. Schenke ihnen Humor und Geduld, dass sie den klaren Blick für die Wirklichkeit behalten und dabei nicht verbittert werden. Gib ihnen die richtigen Worte um die Herzen der Menschen zu berühren und sie zu verändern.

Wir bitten dich für alle, die sich so ohnmächtig und hilflos fühlen angesichts der großen Probleme unserer Zeit. Sei ihnen nahe und stärke sie. Schenke ihnen Weggefährten und Begleiterinnen.

Wir bitten dich für alle, die in der heutigen Zeit unter ungerechten Zuständen zu leiden haben. Oft fühlen sie sich für ihre Lage selbst verantwortlich und verzweifeln daran. Gott, sei du ihnen nahe und richte sie auf. Stärke die Kräfte, die ihre Lage wenden können, schicke ihnen Menschen, die sich ihnen zuwenden.

Gott, wir bitten dich für uns selbst, dass wir nicht aufhören uns um Gerechtigkeit zu bemühen im Großen und im Kleinen. Gib uns den Mut, Unbequemes zu sagen. Gib uns ein offenes Herz, damit wir großzügig und frei unsere Güter mit denen teilen, die in Not sind. Gib uns deinen Geist, damit wir in der Liebe bleiben. Sei uns nahe, wenn wir dabei auch unser eigenes Leben verändern müssen.

Amen.

Heil-Fasten | Segen


Der Franziskaner Sandesh Manuel ist nicht nur Priester und Mönch, sondern auch Künstler und YouTuber. Damit ist er wohl einer der unkonventionellsten Geistlichen im deutschsprachigen Raum. Hier finden Sie ein kurzes Video-Porträt über ihn.


Kopf und Herz | Sonntag, 7. Februar 2021

Ein „Lichtblick“ von Micha Häckel

Wenn in der Lorsbacher Kirche Choral-Bearbeitungen im modernen Sound erklingen, dann stammen die Arrangements dafür meistens von Michael Schütz. Der ist Kirchenmusiker und Hochschuldozent, aber auch Komponist. Christina, seine Frau, ist ebenfalls Kirchenmusikerin. Sie ist im heutigen Vorspiel in einem ungewöhnlichen, aber sehr beschwingten Duo mit dem Schlagzeuger Andreas van den Brandt zu hören.

„Sexagesimae“ heißt der heutige Sonntag. Das bedeutet schlicht und einfach: noch 60 Tage bis Ostern. In zwei Monaten ist es also soweit. Und wie sehr verbinden wir mit dem Fest der Auferstehung in diesem Jahr auch die Hoffnung, dass das unser „Vor-Corona-Leben“ dann endlich wieder auferstehen kann.

Gleichzeitig ist dieser Sonntag der zweitletzte vor Beginn der Passions- und damit auch der Fastenzeit. Und seit vielen, vielen Jahren steht an diesem Sonntag das „Gleichnis vom Sämann“ im Mittelpunkt der Gottesdienste. In drei von vier Evangelien ist es überliefert. Zum Beispiel bei Matthäus, wie im folgenden Video zu sehen ist. (Schauen Sie es am besten gleich bis zum automatisch voreingestellten Ende nach 3:44 Minuten an.)

Ein Gleichnis, dessen Interpretation von Jesus gleich mitgeliefert wird. Das ist ja praktisch. Dazu muss man dann doch gar nicht mehr allzu viel sagen, oder?

Mich irritiert zunächst einmal der Abschnitt zwischen dem Gleichnis und der Interpretation. Seit ich diesen Abschnitt kenne, komme ich nicht so richtig damit klar. Ist das nicht ungerecht, dass einige Menschen scheinbar vom Verständnis des Gleichnisses ausgeschlossen werden? Und dass dessen Interpretation nur einem exklusiven Kreis von Auserwählten zuteil wird? Dass dies alles sogar genau so von Propheten vorhergesagt worden ist? Ich schlage in der Bibel nach: „Ihnen ist es nicht gegeben“ ist der genaue Wortlaut in Matthäus 13, 11 – und mein Unbehagen bezüglich der Ungerechtigkeit bleibt.

Aber lassen wir das zunächst einfach mal so stehen und wenden uns der Interpretation zu. Denn hier muss ich zugeben, dass ich mich ertappt fühle. Und zwar besonders in der Version des Lukas-Evangeliums, die offiziell für heute als Predigttext vorgeschlagen ist. Dort heißt es (Lukas 8, 14):

Wieder bei anderen ist es wie mit der Saat, die ins Dornengestrüpp fällt. Sie hören das Wort, doch im Lauf der Zeit wird es von den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden, die das Leben bietet, verdrängt.

Sorgen haben wir ja alle mehr oder weniger. Ob wegen Corona oder aus anderen Gründen. „Unter jedem Dach ein Ach“, pflegte meine Schwiegermutter zu sagen. Und manchmal wachsen uns die Sorgen über den Kopf. Das kann man zwar versuchen in den Griff zu bekommen, beispielsweise durch Beherzigung des Verses „All eure Sorge werft auf ihn“ (1. Petrus 5, 7). Aber das gelingt nicht immer, wie wir alle wissen.

Und wie ist es mit dem Reichtum? Kommt jetzt die genussfeindliche Askese-Keule? Nein, darum geht es nicht. Dass wir freudig genießen dürfen, was das Leben uns schenkt, ist eine biblische Binsenweisheit.

Ich fühle mich trotzdem ertappt. Und zwar bei der Frage nach der Balance. Bei der Frage: Was wächst alles in mir? Und welchen Pflänzchen gebe ich wieviel Futter?

Ich muss ja vielleicht nicht gleich so glaubensstark sein, dass ich die erste Strophe des Gesangbuch-Liedes EG 198 (ist übrigens für den heutigen Sonntag vorgeschlagen…) hundertprozentig ohne Einschränkung mitsingen kann:

Herr, dein Wort, die edle Gabe,
diesen Schatz erhalte mir;
denn ich zieh es aller Habe
und dem größten Reichtum für.
Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten,
worauf soll der Glaube ruhn?
Mir ist’s nicht um tausend Welten,
aber um dein Wort zu tun.

Die Persiflage, die das christliche Comedy-Duo „Superzwei“ zu diesem Lied geschrieben hat, bildet vermutlich auch nicht exakt den Standpunkt ab, auf dem die meisten Leser dieses „Lichtblicks“ stehen. Aber enthält sie nicht doch auch ein Fünkchen Wahrheit?

Herr, dein Wort, die edle Gabe,
lieblich schmückt sie mein Regal.
Samstags wische ich drauf Staub
und dann glänzt es so sakral.
Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten,
ja, was hätt ich dann zu tun?
Dann würd ich kein‘ Staub mehr wischen,
um stattdessen auszuruhn.

Dein Wort, Herr, niemals vergehet.
Ewig bleibt’s im Schrank hier steh’n.
Schwarzer Einband, sogar Goldschnitt,
wunderbar ist’s anzusehn.
Würd ich’s lesen und befolgen,
änderte mein leben sich…
Ach, lass ab von dem Gedanken,
der scheint mir ganz fürchterlich.

Wieviel Einfluss hat Gottes Wort auf mein Leben? Beziehungsweise: Wieviel Einfluss gestehe ich ihm zu? Inwiefern bereite ich ihm den Boden meines Lebens – oder zumindest einen Teil davon? Das scheinen mir die Kernfragen des Dornengestrüpp-Vergleichs zu sein.

Diese Fragen erinnern mich an ein über 30 Jahre altes Lied, einen Oldie, dessen Text mir in unserem Zusammenhang bedenkenswert erscheint. Die Melodie stammt von David Mallett (der englische Originaltitel lautet „Garden Song“), der deutsche Text stammt von Andreas Malessa:

Wachstum ist aus Gottes Sicht auch die Freiheit zum Verzicht.

Dieser Satz aus dem Liedtext hat es mir unter anderen angetan. Er passt auch gut zur bald beginnenden Fastenzeit.

Auf welche Produktion der Unterhaltungsindustrie könnte ich beispielsweise vielleicht einmal verzichten – zugunsten der Beschäftigung mit einem geistlichen Thema? An welchen Stellen meines Daseins-Bodens wuchern die vielfältigen Zerstreuungen, die das Leben so bietet, alles andere zu? Bin ich so frei, mich auch im Alltag immer mal wieder dem kleinen Körnchen Gott zuzuwenden, das da irgendwo in mir drin steckt, und es mit Nährstoffen zu versorgen, damit es wachsen kann?

Vielleicht einfach, indem ich einmal zur Ruhe komme? Oder indem ich mich an ein Lied erinnere, das eine Bedeutung für mich hat? Oder indem ich einen Abschnitt in der Bibel lese – einfach so, ohne großes Drumherum? „Wer Ohren hat und hören kann, der höre“, sagt Jesus.

Und eins ist auf jeden Fall klar: Anders als die Menschen, über die Jesus sagte „Ihnen ist es nicht gegeben“, haben wir ziemlich viele Möglichkeiten, zu versuchen, etwas vom Wort Gottes in uns aufzunehmen und zur Blüte und schließlich sogar zur Frucht zu bringen. Wir müssen nur (vielleicht wieder einnmal?) damit anfangen.


Am Ende der Lesung im Gottesdienst sagen wir oft den Vers „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg“ (Psalm 119, 105). Im folgenden Video erklingt die einigermaßen berühmt gewordene englische Vertonung dieses Verses von Amy Grant und Michael W. Smith aus den 80er Jahren:

Kopf und Herz | Gebet

Ewiger Gott,
mach uns zu gutem Land,
damit dein Wort in uns wachsen kann
und diese Welt besser wird.

Bereite dir Boden bei den Einflussreichen der Welt,
damit sie dein Wort hören und dem Frieden dienen.

Bereite dir Boden bei den Starken der Welt,
damit sie dein Wort tun und die Last der Schwachen mittragen.

Bereite dir Boden bei den Hartherzigen der Welt,
damit sie dein Wort spüren und empfänglich werden für die Sorgen ihrer Mitmenschen.

Ewiger Gott,
mach uns zu gutem Land.
Hundertfache Frucht lass wachsen,
damit wir einander beistehen,
damit die Trauernden getröstet werden,
damit die Sterbenden geborgen sind,
damit die Verzweifelten aufatmen,
damit die Geschlagenen freikommen.
Hundertfache Frucht lass wachsen,
damit unsere Kinder eine gute Zukunft haben.

Ewiger Gott,
mach uns zu gutem Land
durch Jesus Christus.
Ihn wollen wir hören.
Ihm vertrauen wir –
heute und alle Tage.
Amen.

Kopf und Herz | Segen

Das heutige Segens-Video besteht musikalisch aus einer scheinbar nicht enden wollenden Folge von Wiederholungen. Aber die Bilder greifen in ihrer Vielfalt und Aussagekraft noch einmal einige Themen dieses „Lichtblicks“ auf.


Licht im Herzen | Sonntag, 31. Januar 2021

Ein „Lichtblick“ von Pfarrerin Kerstin Heinrich

Haben Sie ihn schon bewusst genießen können? Immer wieder hat sich der Winter in diesem Jahr schon von seiner schönsten Seite gezeigt und hat uns eingeladen in wunderschöne Schneelandschaften. Aber natürlich gibt es zwischendurch auch die Tage, an denen alles grau in grau ist, nasskalt und neblig, trüb und wolkenverhangen. Wie gut, wenn man dann – wie die Maus Frederick in dem beliebten gleichnamigen Kinderbuch – innerlich vorgesorgt hat und ein paar Farben für den Winter gesammelt hat.

Auch unser Eröffnungslied erzählt davon. Es wurde vor rund 40 Jahren von dem Liedermacher und Fotografen Role Kalkbrenner komponiert. Im September 2020 wurde das nachfolgend verlinkte Video dazu produziert, in dem man auch kräftig leuchtende Fotos des Künstlers betrachten kann.

Licht im Herzen | Gedanken

„Bleiben Sie zuversichtlich!“ – um dieses Schlusswort aus den „Tagesthemen“ drehte sich der „Lichtblick“ vom vergangenen Sonntag. Ich möchte das heute noch einmal aufgreifen. Denn es ist ja ganz schön schwer, zuversichtlich zu bleiben in diesen Zeiten. An grauen und dunklen Wintertagen. In der 7. Woche des Lockdowns. All das zehrt an unserer Zuversicht.

Der letzte „Deutschlandtrend“ hat gezeigt, dass immer mehr Menschen die täglichen Einschränkungen zunehmend als Belastung empfinden und damit auch die Zufriedenheit mit den Maßnahmen abnimmt. Die Pandemie fordert uns viel ab.

Und ich frage mich: Was gibt uns Halt, wenn das Leben ins Wanken gerät? Was macht uns Mut, wenn wir nach der Zukunft fragen? Was kann uns Orientierung geben, wenn wir nicht wissen, wohin wir gehen sollen? Was kann uns zum Licht werden, wenn wir im Dunkeln umherirren?

Wir Menschen brauchen das – in diesen Zeiten besonders: Wegweisung, Orientierung, Helligkeit und Licht. Damit wir nicht straucheln. Damit wir den Weg finden. Damit wir etwas haben, an das wir uns halten können. Und wir brauchen die Vergewisserung, dass das, was uns bisher getragen hat, auch in schwierigen Zeiten Bestand hat.

Der für heute vorgeschlagenen Predigttext aus dem zweiten „Petrus-Brief“ versucht auch Mut zu geben in unsicherer Zeit. Um seinen Worten Gewicht zu verleihen, gab der Verfasser dieses Briefes sich den Namen „Petrus“, den Namen eines der Jünger Jesu.  Dies war damals ein übliches Stilmittel. Der unbekannte Autor erinnert in seinem Brief an eine der Sternstunden des Apostels Petrus, der dabei war, als Jesus auf einem Berg eine bewegende Gotteserfahrung gemacht hat. (Nachzulesen ist diese Sternstunde in Matthäus 17, 1-9; der Predigttext ist in 2. Petrus 1, 16-19 zu finden.)

Denn Gottes Zusagen leuchten wie ein Licht in der Dunkelheit, bis der Tag anbricht und der aufgehende Morgenstern in eure Herzen scheint.

2. Petrus 1, 19

Dieser letzte Satz des Predigttextes berührt mich.

Auch die Adressaten des Petrusbriefes lebten in dunklen Zeiten und ihre Hoffnung, ihr Optimismus, ja sogar ihr Glaube geriet ins Wanken. Petrus möchte die Sinne seiner Leserinnen und Leser wieder schärfen: Schaut doch auf das Licht, das mit Jesus in die Welt gekommen ist, schreibt er. Sein Licht will in den Herzen der Menschen scheinen. Durch Jesus wissen wir, dass Gott uns liebt, dass wir seine Kinder sind und dass er uns nicht verlässt. Petrus erinnert an die Kraft der prophetischen Worte: Hört genau hin bei diesen Zusagen!

Und ich denke an die berührenden Bilder vom glimmenden Docht, den Gott nicht auslöschen wird. Vom geknickten Halm, den Gott nicht brechen wird. Und von den Engeln, denen befohlen wurde, an unserer Seite zu stehen. Worte und Bilder, die helfen, dass unser Hoffnungslicht nicht verlöscht.

Achtet auf das Licht, so wird es euch helfen gegen alle Mächte und Gewalten, die das Licht Gottes in dieser Welt und in euren Herzen verdunkeln wollen – so wirbt der Verfasser des Petrusbriefes. Traut auf die Zusagen Gottes, so werdet ihr ein Licht in eurem Herzen haben.

Was ist für mich, was ist für Sie das Licht, das im Herzen brennt? Ja, es sind die Worte und die Verheißungen in der Bibel, die mir Zuversicht schenken. Darüber hinaus sind das aber zum Beispiel auch Erinnerungen an Erlebnisse, die mein Leben in einer tiefen und nachhaltigen Weise geprägt haben. Erinnerungen an besondere Augenblicke, unverhoffte Sternstunden, geduldiges Begleitetsein. Erinnerungen an Momente, in denen ich wusste: Ich bin geliebt und gehalten. Das Wissen, da ist etwas, das größer ist als ich. Da ist eine Kraft, die nicht nur aus mir selbst kommt.

Für mich sind das Erinnerungen an Augenblicke, die mir deutlich gemacht haben, dass mein Leben sich nicht in dem erschöpft, was ich hier auf der Welt vor Augen habe. Doch manchmal fällt es mir schwer, mich an solche Momente zu erinnern. Manchmal sehe ich eben nur noch das, was ich vor Augen habe. In diesen Zeiten der coronabedingten Einschränkungen beispielsweise ist der Blick fixiert auf all das, was nicht geht, was „verboten“ ist. Auf die verlorenen Monate für unsere Kinder. Auf verpasste und nicht wiederkehrende Möglichkeiten.

Dann ist es gut, wenn jemand anderes mir vom Licht erzählt und die Erinnerung wachhält an lichte Zeiten. Manchmal ist es gut, wenn jemand da ist – Vater oder Mutter, ein Lehrer, eine gute Freundin – der oder die uns davon erzählt, was uns und unser Leben so wertvoll, so einzigartig macht. Und der oder die den Blick weitet auf die Möglichkeiten und zur Zukunft hin.

Davon erzählt auch diese kleine Geschichte:

In einem Krankenzimmer lagen zwei Männer. Beide waren ans Bett gefesselt, aber der eine hatte das Glück, den Fensterplatz zu haben, während der andere nur auf die Wände sehen konnte und ein wenig auch auf den Himmel. An einem wunderschönen sonnigen Tag bat er den Mann am Fenster, ihm zu erzählen, was er denn da draußen sah. Und der erzählte ihm von einem wunderschönen grünen Park, in dem gerade die ersten Bäume und Blumen blühten, er erzählte vom Liebespaar, das unbeschwert und fröhlich durch den Park schlenderte, von den Kindern, die miteinander Wettrennen machten und von dem Hund, der großen Spaß daran hatte, den geworfenen Ball immer wieder zu bringen. Er erzählte von den Vögeln, die ihre Nester bauten und den Menschen, die sich trafen und unterhielten und manchmal auch stritten. Von nun an bat er den Mann am Fenster jeden Tag, ihm zu erzählen, und das tat er so schön, dass er sich alles bestens vorstellen konnte und plötzlich seine Welt viel größer wurde als das Krankenzimmer. So ging es eine ganze Zeit lang, bis eines Morgens das Bett mit dem Mann am Fenster verschwunden war. Was ist los, fragte er erschrocken. Und er bekam die traurige Nachricht, dass der Mann am Fenster heute Nacht gestorben war. Nun blieb ihm nur noch die Möglichkeit, selber aus dem Fenster schauen zu können, und darum bat er die Schwestern, sein Bett zu verschieben. Wie erstaunt war er, dass er nur auf eine graue Betonwand blickte.

Quelle unbekannt

Ein Mensch, der das Licht in seinem Herzen am brennen hält, sieht mehr, hofft mehr, glaubt mehr, als vor Augen ist.  Der kann das Licht an den dunklen Orten des Lebens am brennen halten oder neu entzünden.

Uns als Christinnen und Christen leuchtet ein Licht auf der Reise durch unser Leben. Es ist der Glaube an Gott, der mich in seinem Herzen trägt wie eine Mutter ihr geliebtes Kind. Dieser Glaube gibt meinem Leben Würde. Mein Leben bekommt Bedeutung. Weil ich weiß, dass Gott mich niemals loslässt. Weil ich das immer wieder spüren kann in besonderen Momenten, durch Menschen, die mir begegnen, in Erinnerungen, die mir Kraft geben. Dieser Glaube ist mir Heimat durch alle Zeiten, wie hell oder dunkel sie sein mögen.

Das lässt mich getrost meinen Weg gehen. Darum will ich achtgeben auf das Licht, dass es mir selbst an einem dunklen Ort scheine. Darum will ich achtgeben, dass Christus, der Morgenstern, aufgehe in meinem Herzen. Und dann davon erzählen und so anderen Menschen das Licht weitergeben.

Licht im Herzen | Gebet

Guter Gott, deine Zusage, an unserer Seite zu sein und zu bleiben durch alle Zeiten, will wie ein Licht in unser Leben strahlen. Schenk uns offene Herzen, diese Zusage zu hören und als einen Schatz in uns zu bewahren. Schenk uns Augen, die Hand zu sehen, die du uns reichst, um unsere Schritte zu begleiten, gib uns Mut und Glauben dazu.

Wir bitten dich:

Sende du dein Licht zu den Menschen, die keinen Mut und keine Kraft mehr für die Gegenwart haben.
Sei du da für die, die nicht wissen, wie sie ihre Zukunft gestalten sollen.
Sei du da für uns, damit wir da sind, wo ein Mitmensch uns braucht.

Gott, du willst uns Zukunft schenken. Du erhellst unser Leben mit dem hellen Schein deiner Liebe. Das kann uns Mut und Phantasie schenken, dein Licht weiterzutragen dorthin, wo es dunkel ist. Schenke uns Zuversicht, damit wir uns freuen auf die Zukunft mit dir.

Amen

Licht im Herzen | Nachspiel

Ob der Künstler, der heute für das „Nachspiel“ sorgt, die Gedanken dieses „Lichtblicks“ bei seiner Komposition auch mitgedacht hat? Wir wissen es nicht. Es ist kein spezifisch christliches Lied und „Benne“ ist auch kein spezifisch christlicher Künstler. Aber wenn man die Gedanken mitdenkt, passt das ganz gut…


Zuversicht | Sonntag, 24. Januar 2021

Ein „Lichtblick“ von Corinna Häckel

Die meisten von Ihnen haben die Musik, die den heutigen „Lichtblick“ eröffnet, vermutlich schon einmal gehört. Wahrscheinlich in einer rein instrumentalen Fassung. Denn der barocke Original-Text ist für uns mehr als 350 Jahre nach seiner Entstehung nicht ganz so leicht zugänglich. Trotzdem gibt es auch in solchen Texten immer wieder Formulierungen, die etwas in mir anstoßen. Ich werde noch darauf zurückkommen.

Letzten Sonntag hat unsere Pfarrerin ja gute Nachrichten im Tagesthemen-Stil verkündet. Wenn die Tagesthemen aber ausnahmsweise nicht von ihr, sondern von Ingo Zamperoni moderiert werden, dann endet die Sendung in aller Regel mit dem Schlusswort „Bleiben Sie zuversichtlich“. Und dieses Schlusswort soll heute einmal gleich am Anfang stehen.

„Bleiben Sie zuversichtlich!“ Schon oft habe ich diese Aufforderung seit Beginn der Corona-Pandemie zitiert. Nicht zuletzt, weil ich mir das immer wieder selbst zurufen möchte.

Hat Zuversicht in diesen Tagen überhaupt noch eine Berechtigung? Bleibt sie im Moment nicht nahezu komplett auf der Strecke? Gehört sie zu den Luxusgütern guter Tage?

Dass Zuversicht verloren gehen kann, ist nicht neu. Schon der Verfasser des biblischen Hebräerbriefs wusste darum. „Werft eure Zuversicht nicht weg!“ (Hebräer 10, 35) ruft er seinen Leserinnen und Lesern zu.

Woher kommt eigentlich dieses sperrige Wort „Zuversicht“?

Das kluge etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache (nach dem gleichnamigen Herausgeber Friedrich Kluge ;-)) leitet das Wort „Zuversicht“ unter anderem von dem mittelhochdeutschen „zuoversiht“ ab und bringt es mit „Sehen“, mit „Sicht“ und Einsichtnehmen in Verbindung: Sich versehen mit Sicht zu jemandem, Sicht zu jemandem gewinnen. Schon sehr früh wurde dieses Einsichtnehmen scheinbar mit der Bedeutung „Vertrauen“ verknüpft, besonders mit dem Vertrauen auf Gott. Zuversicht bezeichnet demnach einen verlässlichen Grund, einen festen Halt, der aus dem Gottvertrauen ersteht.

Dass Zuversicht auch heute noch ein geläufiges Wort ist, kann man nicht nur bei Ingo Zamperoni sehen. Der Liedermacher Martin Pepper hat für mich in schönen Bildern verdeutlicht, wie Gottvertrauen in unsicheren Zeiten aussehen kann.

Du bist meine Zuversicht und Kraft,
Zuflucht auch in schwerer Zeit.
So wie eine fest gebaute Stadt,
der Inbegriff der Sicherheit.
Du bist meine Freude und mein Licht,
ein reicher Quell der Zuversicht.
Freund, der nie von meiner Seite weicht,
mir die Hand zur Hilfe reicht.

Auch wenn der Grund ins Wanken gerät,
die Erde bebt und meine Welt vergeht
Du bist meine Festung,
die über allen Schrecken steht.
Du bist ein sicherer Zufluchtsort,
ich nehm Dich bei Deinem Wort
Wer sucht, der wird finden,
wer bittet, der empfängt.

Zuversicht, helles Licht, wo wär ich ohne Dich!

Wer ist im Moment nicht müde? Die Pandemie, die uns jetzt schon fast ein Jahr in Atem hält, nimmt unseren Blick gefangen: Neuinfektionszahlen, Inzidenzzahlen, Todeszahlen, Beatmungsplätze, Lockdown, Kurzarbeit, Wirtschaftseinbruch… „Man würde gerne die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn man sie nicht vom letzten Mal noch dort oben hätte“, war vor einiger Zeit in einer Tageszeitung zu lesen.

Ein Blick in die Bibel zeigt: Von Zuversicht ist häufig gerade dort die Rede, wo es Engpässe, Notsituationen und Bedrängnisse gibt. Man könnte meinen, das Wort „Zuversicht“ solle als trotziges Signal dienen: Trotz allem, was dagegen sprechen mag, ist da ein Weg, vielleicht sogar ein Ausweg. Da ist eine Perspektive. Auch inmitten von Schwierigkeiten lässt sich leben – in Zuversicht.

Der Beter von Psalm 71 findet sich beispielsweise in ziemlich widrigen Lebensumständen. Er ist umzingelt von gewalttätigen Menschen. Zudem erlebt er, dass sein zunehmendes Alter ihn schwächt und in Vereinsamung und Isolation bringt. Aus dieser Enge kommt sein Gebet:

„Herr, mein Gott, du bist ja meine Zuversicht, meine Hoffnung von Jugend auf. Vom Mutterleib an stütze ich mich auf dich, vom Mutterschoß an bist du mein Beschützer; dir gilt mein Lobpreis allezeit. Für viele bin ich wie ein Gezeichneter, du aber bist meine starke Zuflucht.“ (Psalm 71, 5-7)

Statt zu resignieren und aufzugeben wird dieser alte, lebenserfahrene Beter aktiv. Mit einem wachsamen Blick schaut er in die eigene Lebensgeschichte. Die eigenen Lebenserfahrungen sind allemal ein guter Lehrmeister. Seine eigene Lebensgeschichte zeigt ihm, wie sehr Hoffnung und Zuversicht sein Leben von den Anfängen an, vom Mutterschoß an, begleitet haben.

Die gegenwärtigen Schwierigkeiten sind damit nicht behoben. Doch gestärkt, stabilisiert von dieser im Leben bewährten Erfahrung mit Gott, dem Grund seiner Hoffnung und Zuversicht, vermag er die Gegenwart zu bestehen.

„Bleiben Sie zuversichtlich“ müssen wir uns aber unbedingt auch gegenseitig zurufen. Trotz aller Kontakt-Vermeidung muss ja nicht jeder nur alleine und vereinzelt seinen Weg zur Zuversicht finden. „Tröstet euch untereinander und einer erbaue den anderen“, heißt es in einem Brief des Apostels Paulus (1. Thessalonicher 5, 11).

Gerade in Zeiten, in denen wir uns noch nicht mal am Sonntag im Gottesdienst vor Ort persönlich begegnen können, sollten wir unbedingt den Kontakt zueinander suchen.

Vielleicht rufen Sie mal jemanden an, den Sie unter normalen Umständen womöglich im Gottesdienst getroffen hätten – auch wenn er oder sie nicht unbedingt zu ihrem engeren Bekanntenkreis gehört. Oder werfen Sie eine Karte in den Briefkasten, stellen Sie jemandem ein Blümchen vor die Tür. Lassen Sie uns untereinander den Blick auf Gottes Zusage eröffnen, dass er an unserer Seite ist als sicherer Zufluchtsort („hiding place“) in ungewissen Zeiten.

Erinnern Sie sich noch an das Eingangsstück? Dort hieß die letzte Textzeile „Darum lass ich Jesus nicht, aus dem Herzen und Gesicht.“ Und „Gesicht“ bedeutet hier „Gesichtssinn“, also „Blick“. Ich wünsche uns, dass es uns gelingt, Gott nicht aus dem Blick zu verlieren in diesen Zeiten. Und dass dieser Blick auf Gott uns Zuversicht schenkt. Und dass wir uns dann gegenseitig immer wieder vermitteln können: „Bleiben Sie zuversichtlich!“.

Wesentliche Anregungen verdankt dieser „Lichtblick“ einer Predigt von Prof. Franz Sedlmeier, die hier zu finden ist.

Zuversicht | Gebet

Guter Gott, wir bitten dich:

Bleib und komm du immer wieder neu in unsere Herzen,
damit wir in deiner Zuversicht unsere Wege gehen können.

Bleib und komm du immer wieder neu in unser Blickfeld,
damit wir von dir angestrahlt auch Lichtblicke für andere Menschen sein können.

Bleib und komm du immer wieder neu mit deinem Segen zu uns,
damit wir mit diesem Rückenwind Schritt für Schritt in die kommende Zeit gehen können.

Amen

Zuversicht | Segenslied


Jahres-Themen | Sonntag, 17. Januar 2021

Ein „Lichtblick“ von Pfarrerin Kerstin Heinrich

„Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit! Lob ihn mit Schalle, du werte Christenheit! Er lässt dich freundlich zu sich laden; freue dich, Israel, seiner Gnaden!“ (EG 502).

Wir sind freundlich eingeladen, das hört man doch gerne! Und diese Einladung kommt nicht von irgendwem, sie kommt von höchster Stelle: von Gott, der gnädig und barmherzig ist. Also, wenn Sie wollen, dann können Sie gerne mit einstimmen:

Barmherzigkeit ist das zentrale Thema des heutigen „Lichtblicks“. Denn es geht um die Jahreslosung, die für 2021 gewählt wurde: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Lukas 6, 36). Falls Sie Fragen zum Ursprung und zur Auswahl der Jahreslosung haben, finden Sie hier einige informative Antworten.

Die Jahreslosung stammt aus der sogenannten „Feldrede“, die Lukas im 6. Kapitel seines Evangeliums überliefert. Darin finden sich viele Parallelen zur etwas bekannteren „Bergpredigt“, die im Matthäus-Evangelium zu finden ist. Wenn Sie nachlesen wollen, in welchem Kontext die Jahreslostung steht, können Sie das hier tun (zum Beispiel die Verse 27 bis 37).

Jahres-Themen | Gedanken

Ist das bei Ihnen ähnlich? Die Tagesschau oder die Tagesthemen zu schauen gehört für mich zur täglichen Routine. Besonders in diesen Zeiten verpasse ich die Sendungen nur selten, um auf dem neuesten Stand der Infektionszahlen und der Maßnahmen gegen die Pandemie zu sein und mit Hintergrundinformationen versorgt zu werden.

Wie gebannt verfolge ich diese Informationen. Gleichzeitig habe ich mich aber auch oft nach anderen Nachrichten gesehnt und so habe ich beim Nachdenken über die Jahreslosung für 2021 von folgender Einleitung bei den Tagesthemen geträumt:

Das wäre doch etwas, wenn wir das Jahr 2021 zum Jahr der Barmherzigkeit werden ließen!

12 Monate, um verletzenden und hässlichen Worten zu widersprechen und geballten Fäusten und übergriffigem Verhalten Einhalt zu gebieten.

365 Tage, um unser Miteinander auch in Zeiten von Abstandhalten fantasievoll zu pflegen und zu prägen durch Anteilnahme, Fürsorge und Zärtlichkeit.

Illusorisch? Eine Überforderung?

Wir wissen alle, dass die Realität ganz anders aussieht. Dass die Nachrichten voll davon sind, wie unbarmherzig es in der Welt zugeht. Dass wir selbst immer wieder scheitern an dem Anspruch, liebevoll und barmherzig sein zu wollen. Oder dass wir ausgenutzt werden, wenn wir es ernsthaft versuchen.

Barmherzigkeit hat es gegenwärtig schwer. Wer irgendeinen Fehler macht, wird in den sozialen Netzwerken zuweilen hingerichtet. Unerbittlichkeit, Häme und Hass scheinen alle Barmherzigkeit zu verdrängen. Politiker, die zur Solidarität mit den Schwächsten aufrufen, bekommen Morddrohungen. Der Mord an dem Politiker Walter Lübcke, der sich für die Aufnahme von Geflüchteten eingesetzt hatte und rechtsradikaler Hetze öffentlich entgegengetreten war, hat gezeigt, dass es nicht immer bei diesen Drohungen bleibt.

Auf Hass, Häme und Gewalt mit Barmherzigkeit zu reagieren, ist schwer. Und erfordert manchmal auch großen Mut. Wie umgehen mit Menschen, die die verrücktesten Verschwörungstheorien im Netz und auf der Straße verbreiten – ohne Maske und Abstand, versteht sich. Wie umgehen mit Menschen, die sagen: Gerade jetzt muss ich erst mal an mich selbst denken. Um die Not der anderen kann ich mich nicht auch noch kümmern?

Und doch hat sich im vergangenen Jahr auch gezeigt: In der Pandemie ist Barmherzigkeit eine zentrale Ressource, an der sich entscheidet, ob wir geschwächt oder gestärkt aus dieser Erfahrung hervorgehen. Nicht darum kann es gehen, uns wortstark und mit Getöse Gehör zu verschaffen, um damit für unsere „Freiheit“ zu streiten. Sondern es geht um Barmherzigkeit und Mitgefühl, die sich manchmal auch darin zeigen können, dass wir auf unsere gewohnten Freiheiten eine Zeit lang verzichten, weil uns z.B. das Schicksal der 87jährigen in ihrem Seniorenheim anrührt, die ihre Enkelkinder schon Monate nicht mehr in den Arm nehmen konnte, oder das der Krankenschwester, die angesichts der vielen Covid-19-Kranken mit ihrer Kraft am Ende ist, oder das des kleinen Jungen, der mit seiner Familie in einer 2-Zimmer-Wohnung lebt und spürt, wie die Angst der Eltern um sich greift. Es sind diese Bilder, die uns anrühren, die uns bewegen sollten.

Dass es Zeiten gibt, in denen wir besonders auf uns selbst achten, ist nachvollziehbar. Wie man sich bei einer schweren Erkrankung für einige Zeit fokussieren und nur auf sich konzentrieren muss, damit die Heilung vorangeht, so ist es auch bei einer Krise wie der Corona-Pandemie. Doch zugleich ist es trotzdem wichtig, die anderen im Blick zu behalten, empfindsam füreinander zu bleiben, die Türen füreinander offen zu halten.

Barmherzig zu sein – das ist ein Auftrag Gottes an uns alle.  Sei barmherzig mit Dir, sei barmherzig mit anderen, du verlierst nichts dabei. Du gewinnst. Wer barmherzig ist, schließt verfahrene Situationen auf, erreicht Herzen und schafft Umdenken bei Festgefahrenem.

Wir werden auch im Jahr 2021 an diesem Auftrag immer wieder scheitern. Und gerade dann sollten wir auch barmherzig mit uns selbst sein. Wenn wir mal wieder auf andere geschimpft haben oder wenn wir uns taub gestellt haben gegenüber den Hilferufen von Menschen in Not.

Wer mit sich selbst nicht nachsichtig ist, hat es auch schwer, anderen Schwächen und Fehler nachzusehen. Wer sich selbst gegenüber zu hartherzig und wenig liebevoll ist, wird andere auch auf ihre Fehler auf ihr liebloses Verhalten festnageln. „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ – auch zu euch selbst. Wenn wir uns von Gottes Barmherzigkeit berühren lassen, dann können wir ihm getrost unser Versagen und unsere Fehltritte überlassen und jeden Tag zuversichtlich als neue Chance sehen, unsere Herzen auf die Liebe Gottes auszurichten.

Lassen Sie es uns doch versuchen mit dieser Barmherzigkeit! Lassen Sie es uns versuchen, aus der Kraft Gottes, ohne Sorge, aus Freiheit barmherzig zu leben.

Lassen Sie es uns doch versuchen, dass wir uns an diese zwei Abstandsregeln halten: Haltet euch fern vom Richten und haltet euch fern vom Verdammen! Und dass wir die wirklich wichtige Anstandsregel beachten: Vergebt einander! Ich bin mir sicher, die Wirkung wird uns überraschen!

Ich wünsche uns allen, dass wir am Ende dieses Jahres 2021 auf 365 Tage zurückblicken können, in der sich die Reproduktionszahl der Ansteckung durch unser barmherziges Verhalten vervielfacht hat und Gottes Barmherzigkeit auf der ganzen Welt wieder stärker sichtbar und spürbar wird. Amen.

Jahres-Themen | Fürbitte

Barmherziger Gott, vor allem Bitten wollen wir dir danken für das, was du uns jeden Tag an Gutem tust und an Nähe schenkst. Dein Liebe und Barmherzigkeit zu spüren ist eine wichtige Stärkung.

Darum bitten wir dich nun

für alle, die sich nach Verständnis sehnen:
Sei ihnen nahe und segne jeden Schritt, der Mitgefühl bezeugt;

für alle, die sich nach Gemeinschaft sehnen:
Sei ihnen nahe und segne jeden Schritt, der Einsamkeit zu durchbrechen vermag;

für alle, die sich nach Heilung sehnen:
Sei ihnen nahe und segne jeden Schritt, der Not lindert;

für alle, die nach Frieden suchen:
Sei ihnen nahe und segne jeden Schritt, der Hass mindert;

für alle, die sich nach Gerechtigkeit ausstrecken:
Sei ihnen nahe und segne jeden Schritt, der aufatmen und aufrecht gehen lässt;

für alle, die sich in den Dienst der Barmherzigkeit stellen:
Sei ihnen nahe und segne jeden Schritt, der Zuwendung erfahrbar macht und auch vor Erschöpfung schützt.

Und wir bitten dich für uns, die wir uns in Barmherzigkeit üben wollen.
Sei uns nahe und segne jeden Schritt, der uns dir und unseren Mitmenschen näherbringt.

Gott, sei du unsere Lebensmitte.

Bleibe bei uns auf dem Weg in noch unbekannte Tage.

Amen.

Jahres-Themen | Segen

Alles, was gut ist,
alles, was still ist und stark,
alles, was wärmt und weitet,
was den Leib erfreut,
das Herz bezaubert
und die Seele birgt,
alles, was die Liebe stärkt und das Recht stützt,
komme über uns und durch uns
in die Welt.

(Jacqueline Keune, Scheunen voll Wind. Gebete und Gedichte, db Verlag, Horw/Luzern, 2016, S. 42)


Sternen-klar | Sonntag, 10. Januar 2021

Ein „Lichtblick“ von Andrea Sangmeister-Behr

Noch sind sie abends in vielen Lorsbacher Fenstern zu sehen: die beleuchteten Sterne, die die Advents- und Weihnachtszeit in den dunklen Abendstunden erhellen. Natürlich haben sie alle etwas mit „dem“ Stern zu tun, um den es im heutigen „Lichtblick“ geht.

Sternen-klar | Gedanken


Wer eine „Eins mit Sternchen“ bekommen hat, wird für eine besondere Leistung ausgezeichnet. Hotels haben Sterne, um ihre Güteklasse darzustellen und für ausgezeichnete Restaurants gibt es Michelin-Sterne. „Star“ ist die Bezeichnung für einen umschwärmten Künstler. Man könnte diese Liste noch vielfältig erweitern – über Automarken bis hin zu den Sternenbannern zahlreicher Staaten und Organisationen.

Wir sprechen auch davon, dass das Leben „Sternstunden“ hat, besondere Augenblicke, in denen ein Ziel erreicht oder ein Wunsch erfüllt wurde oder in denen etwas geglückt ist. So sind Sterne in unseren Sprachgebrauch mit vielfältiger Bedeutung eingegangen.

Die Sterne, die Lichter der Nacht, haben Menschen von jeher fasziniert. Schon sehr früh in der Geschichte der Menschheit wurde der Himmel sorgsam und systematisch beobachtet. Man geht davon aus, dass die Heimat der Sternenkunde in der der babylonischen Kultur anzusiedeln ist.

Unsere Geschichte nimmt uns mit dorthin. Wissenschaftler waren bei der Arbeit. Sie beobachteten die Sterne und leiteten daraus ihre Erkenntnisse ab. Im 2. Kapitel des Matthäusevangeliums steht (ab Vers 1):

Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten.

In ihrer wissenschaftlichen „Sprache“, in ihrer Erfahrung wurden diese Sterndeuter, Magier, Könige oder wie auch immer wir sie nennen wollen dabei von einem neuen leuchtenden Stern angesprochen. Vielleicht war es sogar die auffällige Engstellung von Saturn und Jupiter – eine Konstellation, die auch in den letzten Wochen für uns am Sternenhimmel sichtbar war. Hier ein kurzer „Faktencheck“ zu den Hintergründen:

Dieser Stern drängte die Weisen nicht, er überredete oder zwang sie zu nichts. Er weckte einfach ihr Interesse und ihre Neugier, so dass sie, ganz Wissenschaftler, mehr über seine Bedeutung herausfinden wollten.

Aber auch auf einer anderen Ebene sprach er sie an. Vielleicht kennen Sie das Bild „Die Sternennacht“ des niederländischen Malers Vincent van Gogh.

Der Künstler, der vermutlich unter Depressionen litt, war Patient in einer Nervenheilanstalt, als er das Bild malte. Als Hoffnungsbild sehen viele das Gemälde des Künstlers. Als einen Versuch, seine Krankheit zu bändigen. Vor allem aber als Versuch, das Gefühl zu bekämpfen, nutzlos dahin zu leben.

In einem seiner Briefe schrieb van Gogh zur Sternennacht: „Dies alles hält mich nicht davon ab, ein unbändiges Verlangen nach – soll ich das Wort sagen? – nach Religion zu haben. Dann gehe ich in die Nacht hinaus, um die Sterne zu malen.“

Sternenklare Nächte eröffnen einen Blick in die Unendlichkeit. Staunenswert und unfassbar. Aus dem Dunkel der Nacht heraus wird sichtbar, was die Erde umgibt. So war der Stern auch ein Sehnsuchtszeichen. Die Weisen wurden zu Gottsuchenden. Sie packten Geschenke ein, mit denen sie dem neugeborenen König huldigen wollten.

Aber sie erreichten ihr Ziel nicht auf Anhieb. Sie suchten den neugeborenen König an einem Ort, wo man neugeborene Könige eben sucht: Bei den Mächtigen im Königspalast in Jerusalem, wo sonst? Dabei erlebten sie, was wie eine Nachricht aus der vergangenen Woche klingt: Der König bekam Angst um seine Macht und stachelte seine Schergen zu Verbrechen an, um seine Macht zu sichern.

Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1): »Und du, Bethlehem im Lande Juda, bist mitnichten die kleinste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.« Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr’s findet, so sagt mir’s wieder, dass auch ich komme und es anbete.

Die Weisen spürten instinktiv, dass der König Böses im Schilde führte. Aber sie bezogen die Erkenntnisse der Schriftgelehrten (Kollegen aus einer anderen wissenschaftlichen Zunft) in ihre Überlegungen ein und brachen auf zum neuen Ziel Bethlehem. Diesmal ging der Stern sogar vor ihnen her.

 Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter…

„Die Sehnsucht Gottes ist der Mensch“, so der Heilige Augustinus, und deshalb kommt, wer Gott sucht – beim Menschen an. Bei dem verletzlichen Kind Jesus waren die Sterndeuter am Ziel. Weil Gott Mensch geworden ist, kann der Weg zu Gott nicht am Menschen vorbei gehen. Jesus sollte das in der Zeit seines öffentlichen Wirkens verkünden und zeigen.

So ist es folgerichtig, dass die Sternsinger, die normalerweise in diesen Tagen von Haus zu Haus ziehen, ihre Gaben denen zukommen lassen, die schwierigen Situationen sind.

…und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Die Sterndeuter damals brachten Gaben, die wir als Symbole verstehen können: Gold gilt als Zeichen dafür, dass sie das Kind als König anerkennen. Weihrauch, ein Baumharz, das beim Verbrennen duftet, hat reinigende, desinfizierende Wirkung und symbolisiert das Göttliche. Myrrhe, ebenfalls eine Art Harz des Balsambaumes, ist wohlriechend und schmeckt bitter. Sie wurde als Betäubungsmittel und für die Einbalsamierung von Leichen gebraucht. Sie steht auch als Zeichen für das menschliche Leid, das Jesus erfahren würde.

Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem  anderen Weg wieder in ihr Land.

Ein Bilck in den Sternenhimmel – oder auch der Blick auf einen weihnachtlich erleuchteten Stern in Lorsbach – vielleicht kann ein solcher Blick auch in uns die Sehnsucht nach Gott wecken und uns wieder neu zu Gottsuchern machen. Und vielleicht finden wir als solche schließlich auch andere Menschen – wie die Sterndeuter. Und vielleicht haben auch wir Geschenke zu verteilen, deren Wert wir möglicherweise selbst gar nicht ermessen können.

Angelehnt an Predigten von Udo Hahn, Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing, und von Dr. Anna Hennersperger, Leiterin des Bischöflichen Seelsorgeamtes der Katholischen Kirche Kärnten.

Sternen-klar | Lied

„Die Sternsinger“ sind ein Teil des Kinderhilfswerks der katholischen Kirche in Deutschland mit Sitz in Aachen. Für ihre diesjährige Aktion haben sie das folgende sehr gut in unseren Zusammenhang passende Lied aufgenommen.

Auf der Seite www.sternsinger.de kann man den Sternsingern übrigens virtuell die Tür öffnen – und auch etwas in eine digitale Spendendose werfen…

Sternen-klar | Segen

Gesegnet sind wir –
den drei Weisen aus dem Morgenland gleich,
die wir das Alte hinter uns lassen
und uns aufmachen zum Licht!

Gesegnet sind wir –
den Hirtenfamilien gleich,
die wir den Ruf des Engels hören:
Fürchtet euch nicht!

Gesegnet sind wir –
der Engelschar gleich
in der Erinnerung an ihre weihnachtliche Botschaft:
Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden
den Menschen seines Wohlgefallens,
also uns Menschen,
nach denen Gott sich sehnt.

Geh in diesen Tag und in die neue Woche mit dem Segen Gottes:
Gott segne dich und behüte dich.
Gott lasse sein Antlitz leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott erhebe sein Antlitz auf dich und gebe dir Frieden.

Amen

Angelehnt an ein Segensgebet von Pfarrerin Heike Bosien (Baden-Württemberg)

Sternen-klar | Nachspiel

2016 feierte der Dresdner Kreuzchor sein 800-jähriges Bestehen. Den Auftakt zu den Feierlichkeiten gaben die Sängerknaben bereits im Dezember 2015 mit einem Konzert im Dynamo-Stadion Dresden. Dort wurde unter anderem auch das Stück „Die Könige“ von Peter Cornelius aufgeführt. Dabei singt der Chor im Hintergrund den Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“, während der Solist im Vordergrund die Geschichte der Sterndeuter erzählt.


Wegweiser | Silvester 2020

Vermutlich kennen Sie das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker oder das Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker. Die Eröffnung des heutigen „Lichtblicks“ ist auch ziemlich philharmonisch – mit „Animato“, einem Chor und Orchester aus der Schweiz. Dieses Ensemble präsentiert eine Vertonung des Psalms 103, der auch in der nachfolgenden Begrüßung von Pfarrerin Kerstin Heinrich eine Rolle spielen wird.

Hier noch einmal der Anfang des Psalms zum Nachlesen:

Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit, der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler. Der Herr schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden. Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.

Psalm 103, 1-8

Der für heute vorgeschlagene Predigttext ist ein kleiner Abschnitt aus dem 2. Buch Mose. Das Volk Israel ist aus Ägypten geflohen und befindet sich nun auf dem mühsamen Weg durch die Wüste:

So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. Und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

2. Mose 13, 20-22

Für viele in unserer Gemeinde gehört es zum Jahreswechsel wie „Stille Nacht“ zu Weihnachten: das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Der Theologe und NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer schrieb den Text am 19. Dezember 1944 aus der Berliner Gestapo-Haft an an seine Verlobte Maria von Wedemeyer. Es ist der letzte erhaltene theologische Text, den Bonhoeffer vor seiner Hinrichtung am 9. April 1945 verfasste. Zur Popularität des Liedes hat auch die Melodie von Siegfried Fietz beigetragen, der das Lied im folgenden Video selbst vorträgt:

Wegweiser | Fürbitte

Guter Gott,

heute, an der Schwelle vom alten zum neuen Jahr, bitten wir Dich für alle, die mit Sorgen auf das neue Jahr sehen. Sei ihnen nahe durch Dein Wort und Deinen Geist.

Wir bitten Dich besonders
für alle, die sich um andere sorgen,
für alle, die um Menschen trauern,
für alle, die sich einsam und vergessen fühlen.
Gib ihnen Menschen an die Seite, die für sie da sind.

Wir bitten Dich für unser Land und die Menschen in ihm. Für die, die Verantwortung in der Regierung haben. Gib ihnen Weisheit bei Entscheidungen und den Mut, sie umzusetzen.

Wir bitten Dich für alle Menschen, die von Krieg und Vertreibung bedroht sind überall auf der Welt. Gib den Verantwortlichen Einsicht, dass sie nicht Menschenleben opfern für ihre Ideen und Pläne. Schenke Verständigung und Versöhnung zwischen Kriegsgegnern.

Gib uns allen offene Herzen für Menschen in Not.

Herr, wir bitten Dich zuletzt auch für uns: Lass uns mit frischem Mut und frohen Gedanken in das neue Jahr gehen und begleite uns selbst Tag für Tag.

Amen

Wegweiser | Nachspiel

Als Nachspiel noch einmal Siegfried Fietz, diesmal mit einem Text von Jochen Klepper. Auch er war Theologe und auch er wurde heftigst von den Nationalsozialisten drangsaliert. In der letzten Strophe seines Liedes „Der du die Zeit in Händen hast“ (EG 64, die Strophe beginnt im Video bei 2:28) heißt es:

Der Du allein der Ew’ge heißt und Anfang, Ziel und Mitte weißt im Fluge unsrer Zeiten: bleib Du uns gnädig zugewandt und führe uns an Deiner Hand, damit wir sicher schreiten.

In diesem Sinne wünschen wir uns allen ein gesegnetes neues Jahr 2021.


Kleingedrucktes | Heiligabend 2020

Wer unseren musikalischen Adventskalender verfolgt hat, weiß, dass mit „Zion“ im übertragenen Sinn meistens die „Braut Gottes“ gemeint ist (nachzulesen im 13. Türchen zum Lied „Tochter Zion“). Die Arie „Bereite dich Zion“ aus Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“ lässt sich also als Vorbereitung auf die Begegnung zwischen Braut und Bräutigam lesen und hören: „Bereite dich (vor), den Liebsten bald bei dir zu sehen“…

Wie können wir uns vorbereiten auf den besinnlichen Teil des Weihnachtsfestes? Klar, wir können uns die Weihnachtsgeschichte in Erinnerung rufen. Entweder, indem wir die Bibel aus dem Regal nehmen und das Lukasevangelium aufschlagen (Lukas 2, 1-20). Oder indem wir direkt hier klicken und loslesen … und dann „Vom Himmel hoch“ mitsingen … und dann die Weihnachtspredigt unserer Pfarrerin lesen.

Kleingedrucktes | Predigt

Liebe weihnachtliche Gemeinde!

Für gewöhnlich gibt es von Bundespräsidenten, -kanzlerinnen, Bischöfen und dergleichen spezielle Grußworte zum Weihnachtsfest. Oft sind da ziemlich viele „große Worte“ dabei, bei denen man leicht den Mund zu voll nehmen kann. Da ist von der herausragenden Bedeutung des Weihnachtsfestes die Rede. Davon, wie schön es ist, im Kreis der Familie zu feiern. Und dass alles möglichst in Frieden und Harmonie geschehen möge.

Mir aber bleiben die großen Worte in diesem Jahr fast „im Halse stecken“ – in diesem Jahr, in dem wir uns am Heiligen Abend nicht in der Kirche versammeln können. Das tut nicht nur mir, dem Kirchenvorstand und den „üblichen“ Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern weh. Nein, das Bedürfnis, an diesem Abend in der Kirche die Weihnachtsbotschaft zu hören und die vertrauten Weihnachtslieder mitzusingen, ist bei vielen Menschen groß. Auch bei denen, die „normalerweise“ nicht zum Gottesdienst kommen.

Kirchen, die Gottesdienste am Heiligen Abend anbieten, sind für viele immer noch „Heimat“ und gehören zu diesem Fest dazu. Ja, Weihnachten hat eine herausragende Bedeutung für viele Menschen – ob sie nun religiös sind oder nicht. Diesem Fest, dass sich schon Wochen vorher ankündigt mit Weihnachtsklängen und Plätzchenduft, mit Lichterketten und Weihnachtsbäumen, mit gefüllten Adventskalendern und – außer in diesem Jahr – mit Weihnachtsfeiern und Adventsmärkten, diesem Fest kann und will sich kaum jemand entziehen.

Und ich frage mich: Was kann ich in diesem Jahr über dieses Fest sagen? In diesem Jahr, in dem Weihnachten „gefühlt ausfällt“ – auch wenn ich natürlich weiß und auch fest daran glaube, dass Gott es ist, der Weihnachten werden lässt und nicht wir mit unseren Traditionen.

Daher möchte ich heute meinen speziellen Weihnachtsbaum ins Spiel bringen. Diesen stilisierten Weihnachtsbaum schmücken zwar auch einige große Worte. Daneben aber auch ziemlich viel Kleingedrucktes.

Meine Idee dahinter: Ich denke, man muss inzwischen (und in diesem Jahr besonders) bei Weihnachten mindestens zweimal hinschauen, dass man hinter den großen Worten und Überschriften noch das erkennt, was im Kleingedruckten dieses Festes steht.

Mit den vielen Lichtern, Bräuchen, Liedern, Geschenken und liebgewordenen Traditionen umgeben wir eine Geschichte, die im Grunde erst einmal gar nicht so viel hermacht. Die Hauptzutaten sind: eine ziemlich arme Familie auf der Reise, eine Geburt unterwegs im Stall und die ersten Gäste, Hirten, die nun auch nicht gerade viel hermachen. (Wenigstens haben sie in den meisten Weihnachtslegenden oft etwas Brauchbares dabei: Ein Schafsfell zum Warmhalten des kleinen Jungen im Stroh, etwas zu essen für die ziemlich matten Eltern…)

Dafür, dass da irgendwas Göttliches passiert sein soll, gibt es anfänglich nur zwei Indizien. Einen hellen Stern über der Szenerie und ein paar Engel, die singen und den alles erklärenden Kommentar abgeben: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr… Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“

Achtung! Jetzt nicht an diesen großen Worten verschlucken! Oder sie überhören oder überlesen, weil sie ja heutzutage eigentlich nur noch im Kleingedruckten stehen!

Vielleicht verstehen wir das Kleingedruckte in diesem Jahr besser. Vielleicht, weil uns in diesem Jahr, in dem wir so vieles entbehren müssen, wieder dieser eine Sinn geschärft wird: Wir haben nicht alles in den eigenen Händen, es gibt Widerfahrnisse im Leben, die uns ungemein weh tun und aus der Bahn werfen können, die uns Angst machen und das Fürchten lehren.

Vielleicht hören wir es in diesem Jahr so deutlich wie schon lange nicht mehr, dieses: „Fürchtet Euch nicht!“

Vielleicht hören wir gerade in diesem Jahr genauer hin, in dem wir sehr schmerzlich so vieles von dem entbehren mussten und müssen, was uns sonst in der Advents- und Weihnachtszeit an Lichtern, Liedern, Bräuchen, Geschenken und liebgewordenen Traditionen umgibt.

Vielleicht tut es uns gerade heute gut, tröstet uns, stärkt uns und lässt uns zuversichtlich bleiben, wenn wir mal gemeinsam aufs Kleingedruckte schauen und uns die Essenz, die Botschaft von Weihnachten ganz bewusst machen:

Der oft so fern geglaubte Gott hat sich klein gemacht, ist ganz nah bei uns und an das herangerückt, was wir Menschen erleben. Er weiß, was uns belastet. Licht und Schatten, langes Dunkel, Höhen und Tiefen, dunkle Täler. Und er hat sich entschieden, in all dem an unserer Seite zu sein und für uns eine „Freude“ zu sein, die uns „widerfährt“ und „Frieden“ über diese Welt zu bringen, der es daran so oft mangelt.

Ich wünsche Ihnen und auch mir, dass sich dieses Kleingedruckte von Weihnachten bis in unsere Herzen vorarbeitet und dort beginnt wie Medizin zu wirken. Medizin gegen Angst, gegen Sorgen um die Zukunft und um die Familie. Medizin gegen die Unruhe und die Traurigkeit, die uns manchmal überfällt. Froh und zuversichtlich dürfen und sollen wir bleiben – oder wieder werden!

In diesem Sinne wünsche ich gesegnete, frohe Weihnachten!!!
Ihre Pfarrerin Kerstin Heinrich

Kleingedrucktes | Gebet

Gott, du Licht unseres Lebens,
wir danken dir für die Vision vom Frieden, die unsere Hoffnung beflügelt.
Wir danken Dir für die Verkündigung der Freude, die uns Mut macht.

Wir bitten dich
für alle, die in dieser Nacht unter Spannungen und Unfrieden leiden,
für alle, die sich nach der Nähe anderer Menschen sehnen,
für alle, die jetzt arbeiten in Krankenhäusern und Heimen,
bei der Polizei und bei der Feuerwehr oder an anderen Orten,
für alle, die gerade kein Dach über dem Kopf haben,
für alle, denen Gerechtigkeit fehlt,
für alle, die einen geliebten Menschen schmerzlich vermissen.

Erfülle uns mit der Freude, die der Engel verkündigt hat.
Und stärke uns zu einem friedlichen Miteinander.

Kleingedrucktes | Nachspiel


Herzlichen Dank an Hannah Saal (Gesang), Irina Pröve (Violine), Oliver Brockhaus (Cello), Judith Herrmann (Orgel und Piano) und Christoph Bauer (Video) für die musikalischen Beiträge!


Möchten Sie etwas spenden? Wir sammeln nicht für uns, sondern für die Aktion „Brot für die Welt“. Hier können Sie sich über die Aktion „Brot für die Welt“ informieren. Und hier können Sie spenden:


Und hier als „Bonus-Track“ noch der Link zu einem aktuellen Poetry-Slam mit dem Titel „Jesus überwindet Distanz“:


Zum Lachen gebracht | 4. Advent 2020

Ein „Lichtblick“ von Kerstin Heinrich und dem Gottesdienst-Team. Mit Gedanken von Susanne Ehrhardt-Rein, die hier veröffentlicht sind.

Ein Weihnachtslied aus Tirol soll den heutigen „Lichtblick“ eröffnen. Mit seinem rätselhaften Text passt es gut zum Thema des Predigttextes: „Abraham, heut ist ein Söhnlein geboren, dem schon der Isaak ein Vorbild hat g’macht. Der von dem Vater schon ewig erkoren und hat uns Menschen viel Freuden gemacht.“

Tja: Weihnachten im Zirkuszelt – das war unser Plan, um möglichst vielen Lorsbacherinnen und Lorsbachern die Teilnahme an einem Heiligabend-Gottesdienst zu ermöglichen. Und der Plan schien aufzugehen. Vieles fügte sich, vieles passte zusammen. Doch dann: Immer mehr Infizierte, immer mehr Kranke. Ein neuer Lockdown. Und die Frage: Können wir das verantworten?

Sie wissen, wie wir die Frage beantwortet haben. Das ist uns nicht leichtgefallen. Nach all den Vorbereitungen. Nach all der Vorfreude, mit der wir inzwischen auf das Projekt hingefiebert hatten.

Ein Zelt – was haben wir damit verbunden? Was verbinden wir noch damit?

Heute, am 4. Advent, hätten wir das Zelt eröffnet. Und wie! Wir hatten nämlich entdeckt, dass der vorgeschlagene Predigttext zu einem Zelt passt wie kein anderer. Denn der Predigttext nimmt uns mit hinein in ein Zelt. In das Zelt, in dem Abraham und Sara lebten, vor vielen tausend Jahren. So könnte es ausgesehen haben:

Abbildung aus dem Frankfurter Bibelhaus

Die beiden sind Nomaden. Sie sind zusammen weite Wege gegangen, immer den Anweisungen Gottes hinterher. Sie haben Prüfungen bestanden, Gefahr und Verrat, Hungersnot und bösen Streit. Und nun haben sie sich niedergelassen auf ihre alten Tage. Haben ihr Zelt fest installiert. Am Rande der Wüste, unter alten Bäumen. Alles ist in Erfüllung gegangen, was sie sich erhofft hatten: eigenes Land, Vieh und Wohlstand. Sie sind miteinander alt geworden, schon das: ein Segen.

Fast alles ist in Erfüllung gegangen. Nur das eine nicht: das Kind. Das eigene, von Sara geboren. Der Schmerz darüber mag noch da sein. Denn Unfruchtbarkeit, Kinderlosigkeit wurde damals als Strafe Gottes gesehen. Doch nach all den Jahren haben die beiden sich damit abgefunden. So stelle ich es mir vor. Vorbei die Kämpfe. Nicht alles geht im Leben in Erfüllung, für manches ist es nun eben zu spät. Gott hat dieses Versprechen nicht gehalten. Nachkommen wie Sterne am Himmel, das war das Versprechen, das letzte, das unerfüllte. Der Blick in den Sternenhimmel mag noch weh tun. Aber er ist nicht mehr mit Erwartungen verknüpft. Kein Advent. Kein Stern für Sara. Und dann das:

Und der HERR erschien Abraham im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war. Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde. Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, deine Frau? Er antwortete: Drinnen im Zelt. Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben. Das hörte Sara hinter ihm, hinter der Tür des Zeltes. Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und hochbetagt, sodass es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise. Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: Nun ich alt bin, soll ich noch der Liebe pflegen, und mein Herr ist auch alt! Da sprach der HERR zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Meinst du, dass es wahr sei, dass ich noch gebären werde, die ich doch alt bin? Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen übers Jahr; dann soll Sara einen Sohn haben. Da leugnete Sara und sprach: Ich habe nicht gelacht –, denn sie fürchtete sich. Aber er sprach: Es ist nicht so, du hast gelacht.

1. Mose 18, 1-2 und 9-15

Wir werden versetzt in eine ferne Zeit, in eine ferne Welt. In den Hain Mamre, eine Wüstenoase. In die Mittagshitze des nahöstlichen Sommers. Die Luft flimmert, kein Lüftchen regt sich. Plötzlich taucht „der Herr“, also Gott auf, in der Gestalt von drei Männern. Unverhoffter Besuch! Und wie es üblich ist, werden die Besucher freundlich empfangen und köstlich bewirtet.  Und wie damals üblich, bleiben die Frauen im Zelt. Abraham und seine Gäste sitzen vor dem Zelt und essen gemeinsam. Ohne Umschweife kommen die Gäste auf den wunden Punkt zu sprechen: „Wo ist Sara, deine Frau? Sie soll einen Sohn haben.“ Das sitzt. Abraham sagt nun gar nichts mehr. Er hat lange genug gewartet. Er hat sich an alles gehalten, was Gott ihm vorgegeben hat. Nun soll es gut sein. Keine Hoffnung mehr – keine Enttäuschung mehr. Lass es gut sein, Herr, mach dich nicht lustig über mich. Es ist zu spät. Abraham bleibt stumm.

Sara reagiert anders. Sie hört, was sie hören soll. Sie versteht, was gemeint ist. Und sie weiß, dass es Unsinn ist! Zu spät, unrealistisch, am Leben vorbei. Sie sieht sich selbst da stehen, hinterm Zelteingang, alt und runzlig, und sie muss lachen. Was soll sie auch anderes machen. Geweint hat sie schon genug. Sie lässt sich nicht mehr verspotten, nicht in ihrem Alter. Die Liebe ist lange her, ihr Körper hat nicht getan, was er sollte, aber nun will sie auch nicht mehr von falschen Hoffnungen betrogen werden. Keine Fata Morgana bitte, dafür bin ich zu alt.

Sie muss einfach lachen. Ungläubig und auch resigniert. Ach komm. Mach keine Witze. Suche dir eine andere für deine Versprechungen. Sara lässt sich nicht mehr verspotten. Sie schlägt nicht die Augen nieder. Sie ist nicht einverstanden mit ihrem Schicksal, und sie jubelt nicht mehr über Versprechungen. Sie lacht Gott ins Gesicht. Was willst du noch von mir? Saras Lachen ist realistisch und deutlich.

Doch ihr Lachen wird gehört. Und Sara fühlt sich ertappt – und nimmt dann ihr Lachen gleich wieder zurück: „Ich habe nicht gelacht“. – „Doch, du hast gelacht“, sagt der seltsame Besucher. Es ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen: Sara hat gelacht, ungläubig, staunend, frech – eine alte Frau, die sich nichts mehr vormachen lässt. Hoffnung? Wirklich? Du wirst sehen, sagt der Ewige. Ich komme wieder, und dann wirst du sehen.

Die Geschichte dieser beiden Alten, Sara und Abraham – ist das eine Adventsgeschichte? Wie passt dieser uns doch fremde Text in unsere Adventszeit? Tochter Zion, freue dich? Singet fröhlich im Advent – so und ähnlich klingen bekannte Adventslieder. Die Erwartung, die Freude sind in unserer Geschichte doch sehr verhalten.

Die ungläubige Sara bricht nicht in Jubel aus, sie singt kein Loblied auf Gott. Sie sagt auch nicht: Mir geschehe, wie du gesagt hast. Wie es Maria zum Engel sagt. Auch für diese kam die Schwangerschaft zur Unzeit: Noch nicht verheiratet mit Josef. Noch sehr jung. Aber Sara ist doch definitiv zu alt. Es ist zu spät für ein Kind für Sara. Zu spät für die Verheißung Gottes an diesen beiden alten Menschen. Das ist realistisch, so ist der Lauf des Lebens.

Aber Saras Lachen ist nun in der Welt. Ihr ungläubiges, respektloses, befreiendes Lachen. Der Vorhang wird beiseitegeschoben und der Besucher schaut ins Zelt: „Ich hab’s gehört, Sara. Ich kenne dich, du hast gelacht. Und du wirst sehen: Ich komme wieder. Und dann wirst du wieder lachen.“ Gott wird Saras Lachen verwandeln – in ein staunendes, frohes, schallendes Lachen. Sara wird sich daran erinnern, wenn sie das versprochene Kind Isaak zur Welt bringt. Isaak – das heißt: „Gott hat gelacht“, oder: „Gott hat jemanden zum Lachen gebracht.“ Er kann einen schon zum Lachen bringen, mit seinen Versprechungen.

Saras Geschichte erzählt von Enttäuschung und Erwartung, von ungläubiger Verwunderung und verhaltener Hoffnung: Sollte Gott etwas unmöglich sein? Vor allem erzählt diese Geschichte davon, wie Gott in die Welt kommt, wie er Gast ist bei den Menschen. Wie er mit uns spricht und um unser Vertrauen wirbt. „Du wirst sehen, ich komme wieder“ – so redet Gott mit Sara, und wir können es hören.

Auch heute. Auch in diesem so verrückten Jahr. Hier draußen, vor unserem Zelt, das wir heute zumindest gedanklich aufgeschlagen haben. Gott spricht: „Ich komme wieder“ – und dann wird alles gut!

Ja, das ist eine Adventsgeschichte. Amen.

Zum Lachen gebracht | Lied

Zusammen mit dem Posaunisten Carlo Eisenmann musiziert Judith Herrmann am Klavier das Lied „O Come, O Come Emmanuel“, das im Deutschen unter dem folgenden Text bekannt ist (EG 19): „O komm, o komm, du Morgenstern. Lass uns dich schauen, unsern Herrn. Vertreib das Dunkel unsrer Nacht durch deines klaren Lichtes Pracht. Freut euch, freut euch, der Herr ist nah. Freut euch und singt Halleluja.“

Die Musik ist bebildert mit herbstlich/winterlichen Impressionen aus den Wäldern rings um Lorsbach.

Zum Lachen gebracht | Gebet

Gott schafft sich eine Bleibe unter den Menschen.
Voll Hoffnung erwarten wir ihn und vertrauen ihm unsere Bitten an.

Vater unser im Himmel und auf Erden,
wir beten für alle, die Angst haben vor der Entwicklung der Corona-Pandemie.
Für alle, die in diesen Tagen Vernunft und Vorsicht walten lassen,
und für alle, die bei der medizinischen Versorgung der Kranken alles geben.
Gott, komm und stärke sie.

Wir bitten dich für die Familien,
denen es nicht möglich ist, Weihnachten zusammen zu feiern,
wegen der Corona-Regeln,
odr weil sie im Dienst sind für andere Menschen,
Gott, komm und stärke sie.

Vater unser im Himmel und auf Erden,
wir beten für alle, die kreativ nach Wegen suchen,
die Weihnachtsbotschaft auch in diesem Jahr zu den Menschen zu bringen.
Für die vielen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kirchengemeinden.
Gott, komm und stärke sie.

Wir beten auch für alle, die immer wieder Verantwortung übernehmen
für schwerwiegende Entscheidungen:
in Politik und Medizin, in der Wirtschaft und in deiner Kirche.

Denn bei Dir ist nichts unmöglich, Gott.
Stärke uns alle in dieser Zeit.
Komm und mach uns Mut zum Weitergehen
– heute, morgen und alle Tage  unseres Lebens.

Amen

Zum Lachen gebracht | Nachspiel

Unser Nachspiel richtet unseren Blick von Sara hin zu Maria, die gefragt wird, ob sie eigentlich geahnt hat, wen sie da zur Welt bringt.


Lebens-dienlich | Sonntag, 25. Oktober 2020

Ein „Lichtblick“ entlang der Predigt, die Pfarrerin Kerstin Heinrich im heutigen Gottesdienst gehalten hat:

Dieses Bild stammt aus einer Kampagne, die die Evangelische Kirche vor einigen Jahren gestartet hat, um auf die besondere Bedeutung des Sonntags hinzuweisen. Dass wir diesen Tag als grundsätzlich arbeitsfreien Tag haben, geht letztlich auf die 10 Gebote aus der Bibel zurück. Im dritten Gebot heißt es nämlich:

„Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.“

Exodus (2. Buch Mose) 20, 8-11

Der heutige Predigttext steht dazu in einem gewissen Spannungsfeld:

Und es begab sich, dass Jesus am Sabbat durch ein Kornfeld ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er in Not war und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit Abjatars, des Hohenpriesters, und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat.

Markus 2, 23-28

In diesem Evangelium trifft also die Autorität eines der 10 Gebote auf die Vollmacht Jesu. Jesus zieht mit seinen Jüngern am Sabbat durch ein Kornfeld. Die Jünger haben Hunger und rupfen en passant  Ähren aus. Die, die das beobachten, ärgern sich über diese offensichtliche Regelverletzung – so wie wir uns vielleicht darüber ärgern, wenn unser Nachbar am Sonntag seinen Rasen mäht. Kein Wunder, dass die Pharisäer Jesus fragen: „Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist?“ „Du sollst den Sabbat heiligen“, heißt das dritte der 10 Gebote. Das ist doch Klartext – wie in Stein gemeißelt.

Jesus geht bereitwillig auf die Frage ein. Ihm ist klar, dass die Fragenden die Grenze der gebotenen Ruhe überschritten sehen. Jesus argumentiert mit einer Geschichte aus der hebräischen Bibel, aus der Schrift, die ihm und seinen Diskussionspartnern heilig ist. Jesus erzählt eine Geschichte von David.

David war auf der Flucht. Hungrig kam er zu einem Heiligtum, auf dessen Altar frische Brote lagen. Die Brote waren für Gott bestimmt. Jeden Tag wurden frisch gebackene Brote auf den Altar gelegt, die alten, die weggenommen wurden, wurden nicht weggeworfen, aber nur die Priester durften sie essen. David aber nahm Brot vom Altar. Obwohl es verboten war, aß David dieses Brot und wurde dafür nicht bestraft. Die Notlage des Hungers rechtfertigte, dass er die Vorschrift überschritt.

Mit dieser Geschichte sagt Jesus: „Grundsätzlich ist die Anfrage berechtigt. Die gute Regel des Sabbats verbietet das Arbeiten und das Ernten. Aber meine Leute haben Hunger. Und der Hunger rechtfertigt es, dass sie sich nehmen, was sie zum bloßen Überleben brauchen. Ich werde sie nicht hindern, sondern finde ihr Tun in Ordnung.“

Jesus will mit seinen Worten nicht das Gebot der Sabbatruhe abschaffen. So wie alle gläubigen Juden ist er der Überzeugung, dass die Gebote gute Gaben Gottes sind, die dem Menschen hilfreiche Orientierung für sein Leben geben. Auch das Sabbatgebot. Es ist ein Geschenk Gottes an uns. Der Sabbat, oder für uns der Sonntag bietet die Chance, zur Ruhe zu kommen, zum Gottesdienst zu gehen. Zeit mit der Familie zu verbringen. Die Gebote sind dazu da, dem Menschen zu dienen, ihm das Leben zu erleichtern. Sie sollen ihm Richtschnur sein für sein Handeln.

Aber Jesus gibt einen wichtigen Hinweis: Wenn nun ein Notfall besteht, wenn zum Beispiel ein Leben in Gefahr ist, wenn es um Leib und Leben des Menschen geht, dann muss man abwägen. Die Gebote nehmen uns nicht die Verantwortung für unser Handeln ab. Jesus mutet uns Menschen also zu, über den Buchstaben des Gesetzes hinaus weiterzudenken hin zum inneren Sinn und dann selbst zu entscheiden: was dient dem Menschen?

„Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbat willen.“ Es geht nicht um Beliebigkeit oder Wurschtigkeit à la „Soll doch jeder machen, was er will! Oder was ihm gerade in den Kram passt“. Doch wenn Regeln auf das Leben treffen, müssen konkrete Lebenssituationen Beachtung finden: Wer am Sabbat Hunger hat, darf natürlich Ähren raufen, damit er überhaupt seine Sabbatruhe finden kann.

Jesus mutet uns Menschen zu, die Gebote auf ihre Lebensdienlichkeit zu befragen. Also: Kein blinder Gehorsam, sondern verantwortliches Handeln ist gefragt.

Das Infragestellen von Regeln macht auch Angst. Das war damals so, das ist heute so. „Was ist, wenn das jeder machen würde…“ so lautet ein beliebtes Gegenargument. Doch dieses Argument geht am wesentlichen vorbei. Es geht in unserer Geschichte nicht darum, die Gebote zu relativieren oder den Ruhetag abzuschaffen, sondern es geht immer um die Frage: Welche Gebote dienen dem Leben! Diese Frage gilt für die Gebote, aber auch für andere Regeln an die wir uns halten, als Gesellschaft, in der Familie, in der Schule. Dort, wo wir leben und handeln: Dienen unsere Regeln dem Leben?

Hinterfragen wir also in diesem Sinne einmal die zurzeit geltenden Corona-Einschränkungen und die zunehmende Maskenpflicht, z.B. auch im Gottesdienst. Nicht alle sehen ein, sich an diese Regeln zu halten und empfinden sie als unzumutbare Einschränkungen der eigenen Freiheit. Manche gehen dagegen sogar auf die Straße und demonstrieren. Es wird kritisiert, dass zu wenig auf die Eigenverantwortlichkeit der Menschen gebaut wird. Nach dem Motto: Die Leute wissen schon selbst, was sie zu tun und zu lassen haben. Doch das Problem an dem Wort „Eigen-verantwortlichkeit“ ist, dass man sich zuerst fürs „Eigene“ verantwortlich weiß und entsprechend reagiert. Das eigene Interesse steht im Vordergrund, ohne zu bedenken, dass das eigene Interesse vielleicht für die anderen ein Risiko birgt.

Den Schritt von der Eigenverantwortung hin zur Fremdverantwortung, den gehen nicht alle Menschen. Doch Eigenverantwortung und Fremdverantwortung gehören zusammen wie die zwei Seiten einer Münze. Mein Wohlergehen ist auch immer an das Wohlergehen der Gesellschaft gebunden, in der ich lebe. Mein Wohlergehen muss den Andern in Blick haben, das Leben der Anderen, die durch mich nicht zu Schaden kommen dürfen. Deshalb sind Regeln nötig in dieser Pandemiezeit. Regeln, die für alle gelten und alle im Blick haben. Regeln, die dem Leben dienen.

Denn: ich bin nicht der Maßstab aller Dinge. Die Frage ist nicht: Was passt mir am besten? Sondern: Was dient dem Menschen? Nicht meine Vorlieben oder Abneigungen, nicht meine vermeintliche Klugheit oder Durchsetzungskraft ist entscheidend. „Um des Menschen willen!“ – das ist die Orientierung, die Jesus meinem Denken, Reden und Handeln gibt. Und diese Orientierung gilt für alle Bereiche des Lebens.

Jesus traut es uns zu, dass wir die Fürs und Widers abwägen können. Dass wir eigenverantwortlich handeln – ohne das Wohl des anderen aus den Augen verlieren. Aber eine Regel gilt unumstößlich: Mein Tun muss dem Leben dienen. Das gibt uns unser Glaube auf.


Konfirmation | Sonntag, 27. September 2020

Ein „Lichtblick“ mit Gedanken aus den beiden Konfirmations-Gottesdiensten

Zwischen den beiden Konfirmations-Gottesdiensten in der Kirchentür: unsere diesjährigen Konfirmandinnen und Konfirmanden (jeweils von links) Samuel Herrmann, Julius Kraft, Laurenz Knauer, Carlotta Nickel, Charlotte Lauer, Mara Stenzel, Mia Harcub, Hannah Richter, Elena Bohrmann

Für die, die nicht dabei sein konnten, soll dieser „Lichtblick“ einen kleinen Einblick in die beiden Konfi-Gottesdienste geben. Und für alle, die dabei waren, kann er vielleicht noch einmal eine schöne Erinnerung sein.

Eine ganz wesentliche Rolle haben die Kisten gespielt, die zu Beginn Konfi-Zeit gebastelt worden sind. Jede Kiste ist individuell gestaltet und zeigt ein Stück der Eigentümer-Persönlichkeit. In den Kisten wurde vieles gesammelt, was während der Konfi-Zeit eine Rolle gespielt hat. Beispielsweise auch ein Brief, den die Konfis zu Beginn an sich selbst geschrieben haben und in dem sie festgehalten haben, was sie im Blick auf ihre bevorstehende Konfi-Zeit beschäftigt: Wünsche, Hoffnungen, Befürchtungen. Vor kurzem haben sie diesen Brief geöffnet. Da gab es manchen Lacher, aber auch manch traurigen Seufzer – denn an Corona hatte zu jener Zeit noch niemand gedacht.

Die Kisten-Bastel-Werkstatt

Die Kisten sind also im Lauf der Zeit richtige Schatzkisten geworden. Und zum Thema „Schatz“ hat Jesus auch einmal ein Gleichnis erzählt:

Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker.

Matthäus 13,44

Da hat also einer den Schatz seines Lebens gefunden. Sein Traum vom Leben ist wahr geworden, ganz überraschend. Beim Umgraben eines Ackers stolpert er zufällig über etwas Hartes – und stößt auf den Schatz. Aber es ist nicht wie beim Jackpot, das Glück fällt ihm nicht in den Schoß. Der Schatz wird ihm erst zum Glück, als er auch selbst etwas investiert. Und nicht nur ein bisschen: Er setzt alles ein, was er hat, um den Acker und damit den Schatz zu bekommen.

In unserem Leben ist es meistens nicht der eine große Schatz, den wir finden. Eher besteht das Glück aus vielen kleinen Teilen, man muss sie nur wahrnehmen können. Und deshalb möchten wir Euch Konfis heute, am Ende eurer Konfizeit, noch einige Dinge mit in die Kiste legen, die unserer Meinung nach zu diesem Schatz dazugehören könnten.

Ein Spiegel. Im Spiegel sieht man sich selbst. Es gibt Tage, da ist man zufrieden mit sich und seinem Aussehen. An anderen Tagen kann man sich nicht leiden. Die Haare liegen falsch, der Pickel auf der Nase nervt oder man findet sich zu dick. „Ich mag dich nicht, aber ich wasch‘ dich trotzdem“ könnte man an solchen Tagen zu seinem Spiegelbild sagen. Doch dieser Spiegel soll sagen: Gott sieht mehr als das, was vor Augen ist. Gott sieht euer Herz an. Ihr seid Gott wertvoll, so wie ihr seid. Das ist keine billige Phrase, sondern ihr sollt wissen: Auch wenn ich mal nicht die Schönste, der Klügste, die Erfolgreichste bin, auch wenn es in meinem Leben Brüche gibt und schwierige Zeiten: Gott lässt mich nicht aus seinen Augen. Er liebt mich immer, an jedem Tag und er bleibt an meiner Seite.

Ein Kaleidoskop. Es gab ja neben vielen schönen eben auch schwierige Zeiten im vergangenen Jahr. Und die Zeiten sind noch schwierig und werden uns noch vor manche Herausforderung stellen. Das Kaleidoskop steht für den Wunsch, dass ihr die Dinge immer wieder aus einem neuen Blickwinkel betrachtet. Neue Sichtweisen entdeckt. Dass ihr offen bleibt für neue Möglichkeiten und Chancen. Und dass ihr euch von einem „Das geht doch nicht“ oder von einem „Das muss doch so sein“ nicht abschrecken lasst. Das Leben ist bunt und nicht schwarz-weiß – auch wenn es nebelverhangene Tage gibt. Wer sich gegen vermeintliche Aussichtslosigkeiten wehrt in der unerschütterlichen Hoffnung, dass Gott eine Zukunft für diese Welt hat, der hat eine kräftige Motivation, die Zukunft unserer Gesellschaft aktiv mitzugestalten.

Ein Herz. Das Herz steht natürlich für die Liebe. Damit wünschen wir euch, dass ihr euch immer geliebt wisst. Von Menschen, die um euch sind. Und auch von Gott, für den ihr ein echter Schatz seid. Und wenn ihr dann noch realisiert, dass Gottes Liebe auch den anderen gilt – den „Nächsten“ – dann geht ihr mit diesen auch nach und nach anders um: barmherziger und fürsorglicher. Ganz eindrucksvoll hat das der Theologe Lothar Zenetti in einem Gedicht beschrieben.

Dem da
dem anderen
dem x-beliebigen
dem wildfremden
der mir wurscht ist
der mich nichts angeht
dem man nicht trauen kann
dem man besser aus dem Weg geht
dem man’s schon von weitem ansieht
dem da
dem Spinner
dem Blödmann
dem Besserwisser
dem Speichellecker
der nicht so tun soll
dem’s noch leidtun wird
der mir’s noch büßen soll
der noch was erleben kann
der sich nicht unterstehen soll
dem ich’s schon noch zeigen werde
dem da
wünsche ich Frieden

Lothar Zenetti

Schlüssel und Schloss. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Glauben heißt: durch den Horizont sehen“. Doch das fällt einem nicht in allen Lebenslagen leicht. Auch um den Glauben muss man sich öfter einmal mühen. Nicht nur in der Konfizeit, sondern auch in Zukunft werdet ihr vermutlich immer wieder Fragen stellen wie: Kann man überhaupt an Gott glauben? Bringt mir das denn etwas? Dann ist es gut, wenn man andere Menschen hat, mit denen man diese Zweifel besprechen kann und die mit einem auf Antwortsuche gehen. Und die einem vielleicht auch helfen, die richtigen Schlüssel zu finden, um das Schloss zum Raum des Glaubens zu öffnen.

Ganz wie Gleichnis vom Schatz im Acker. Der Schatz des Himmelreichs fällt dem Mann auch nicht einfach in den Schoß, sondern er muss aus seiner Entdeckung etwas machen: Er verkauft alles was er hat, und dann kauft er den Acker. So wünschen wir euch, dass ihr etwas machen könnt aus dem, was euch gegeben ist- um den Schatz zu heben, den Gott für euch bereithält.

Und wenn euch das jetzt vielleicht alles eine Nummer zu groß vorkommt, dann lasst euch von dem folgenden Lied ermutigen:

Insgesamt gab es viel Musik in den beiden Konfirmations-Gottesdiensten. Von festlich-barock bis swingend und jazzig waren viele Stilrichtungen dabei. Und es war auch ein sehr emotionales Stück zu hören, das wir euchhier noch einmal in seiner ursprünglichen Version verlinken: „Look at the World“ von John Rutter. Der Text lautet:

Look at the world – everything all around us
Look at the world and marvel everyday
Look at the world – so many joys and wonders
So many miracles along our way

Refrain:
Praise to thee o lord for all creation
Give us thankful hearts that we may see
All the gifts we share and every blessing
All things come of thee

Look at the earth bringing forth fruit and flower
Look at the sky, the sunshine and the rain
Look at the hills, look at the trees and mountains
Valley and flowing river field and plain

Think of the spring, think of the warmth of summer
Bringing the harvest before the winters cold
Everything grows, everything has a season
Til‘ it is gathered to the fathers fold

Every good gift, all that we need and cherish
Comes from the lord in token of his love
We are his hands, stewards of all his bounty
His is the earth and his the heavens above


Barm-herzig | Sonntag, 6. September 2020

Ein „Lichtblick“ im Rückblick auf unseren jüngsten Team-Gottesdienst

„Herzlich willkommen!“ Mit dieser Geste haben wir uns heute im Gottesdienst gegenseitig begrüßt. Und das Herz war dann auch ein thematischer „roter Faden“ durch den ganzen Gottesdienst…

Evangelium aus Lukas 10, 25-37

Und siehe, da stand ein Gesetzeslehrer auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst«. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster?

Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen. Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinab zog; und als er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber.

Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte es ihn; und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme.

Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!

Lied

Von Paul Gerhardts schönem Sommer-Lied „Geh aus mein Herz“ haben wir die erste und auch die vielleicht etwas weniger bekannte dreizehnte Strophe gesungen, die im folgenden Video erklingt:

13. Hilf mir und segne meinen Geist / mit Segen, der vom Himmel fleußt / daß ich dir stetig blühe. / Gib, daß der Sommer deiner Gnad / in meiner Seele früh und spat / viel Glaubensfrüchte ziehe / viel Glaubensfrüchte ziehe.

Gedanken zum Evangelium (Predigt-Auszug)

Schauen wir etwas genauer an, was Jesus über den Samariter erzählt: Er „sah“ den beraubten, halbtoten Menschen und dieser Anblick „jammerte ihn“. Der Samariter war also zunächst einmal überhaupt bereit hinzuschauen. Er wandte seinen Blick nicht im Vorbeigehen ab, sondern er blieb stehen und setzte sich dem Anblick aus. Mehr noch: Er ließ sich von diesem Anblick berühren, vielleicht sogar erschüttern. Er litt mit. Er hatte Mitleid. Er öffnete sein Herz. Er war barmherzig.

Vielleicht können wir diese Grundhaltung einmal ganz bewusst in die kommende Woche mit hineinnehmen und bei einer Gelegenheit hinschauen, bei der wir sonst wegschauen würden. Einmal bewusst warmherzig und vielleicht sogar barmherzig reagieren, wo wir sonst die kalte Schulter zeigen würden. Einmal die Menschen aus der Lorsbacher Gemeinde vor unserem inneren Auge vorbeiziehen lassen und uns fragen: Wem kann ich in der kommenden Woche zum „Nächsten“ werden? Oder eventuell sogar einmal in irgendeinen Bereich hineinschauen, der ganz außerhalb unserer Lorsbacher Wohlfühlzone liegt. Vielleicht erleben wir ja, dass unser eigenes Herz uns mit seiner Barmherzigkeit überrascht?

Woher kann die Kraft für solch eine barmherzige Grundhaltung kommen? Das Lied, das die Grundlage für das folgende Video ist, sagt: Aus der Erkenntnis, dass wir selbst auch nur leben können, weil Gott seinerseits barmherzig mit uns umgeht. Die Jahreslosung für das kommende Jahr 2021 lautet ganz passend dazu: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ (Lukas 6, 36).

Gebet

Liebender Gott, der du ein Herz für uns Menschen hast:
Danke, dass du unsere Nähe suchst und du dich um uns sorgst und für uns sorgen willst.
Erbarme dich über alle, die über ihren Lebensanforderungen oder ihrer Vergangenheit verhärtet oder kalt geworden sind,
die verletzt sind,
die sich ausgebrannt fühlen,
die sich niemandem und nichts mehr öffnen können.
Wir bitten dich: Herr erbarme dich.

Liebender Gott, der du ein Herz für uns Menschen hast:
Erbarme dich über alle, die sich für andere aufopfern,
die an Leidenden nicht vorbeisehen,
die aufrecht Unrecht benennen und Lügen entlarven,
die sich nicht zurückziehen ins Private,
sondern nicht müde werden ihr Herz anderen zu schenken.
Wir bitten dich: Herr, erbarme dich!

Liebender Gott, der du ein Herz für uns Menschen hast:
Schenke Veränderung, wo das Streben nach materiellen Gütern die Liebe unterwandert,
wo diejenigen die Nase vorn haben, die zuerst nach dem eigenen Nutzen fragen,
wo auch die Fürsorge für Kranke und Bedürftige Gewinnen untergeordnet wird.
Wir bitten dich: Herr, erbarme dich!

Liebender Gott, der du ein Herz für uns Menschen hast:
Du fragst uns, was wir an unseren geringsten Brüdern getan haben.
Lass uns nicht schweigen,
sondern wachsen in deiner Liebe und dir ähnlicher werden,
um allen Menschen unabhängig von ihrer Weltanschauung, ihrer Religion,
ihrer Herkunft oder ihrer Hautfarbe mit offenem Herzen zu begegnen.
Wir bitten dich: Herr, erbarme dich!

Nachspiel


Blick nach oben | Sonntag, 2. August 2020

Ein „Lichtblick“ von Corinna Häckel

Als Vorspiel erklingt heute die Sinfonia G-Dur von Johann Sebastian Bach – aber in einer ganz besonderen Besetzung mit Bandoneon und Streichinstrumenten.

Letzten Sonntag erwähnte Rolf Wiedemann in seiner Predigt auf dem Zimmerplatz die Tatsache, dass viele Menschen in der heutigen Zeit verlernt haben, ihrem Gegenüber gut zuzuhören und die volle Aufmerksamkeit zu schenken – obwohl wir doch zwei Ohren haben!

Im dem für heute vorgeschlagenen Predigttext Johannes 9, 1-7 geht es in vielfältiger Weise um das Hinsehen und darum den richtigen Blick auf die Dinge zu entwickeln. Schauen wir uns das 9. Kapitel des Johannes-Evangeliums in Bild und Ton an (es reicht, wenn Sie bis Minute 3:03 schauen):

Und hier kommt die Geschichte noch einmal in Textform:

Unterwegs sah Jesus einen Mann, der von Geburt an blind war. „Rabbi“, fragten die Jünger, „wie kommt es, dass dieser Mann blind geboren wurde? Wer hat gesündigt – er selbst oder seine Eltern?“ „Es ist weder seine Schuld noch die seiner Eltern“, erwiderte Jesus. „An ihm soll sichtbar werden, was Gott zu tun vermag. Wir müssen den Auftrag dessen, der mich gesandt hat, ausführen, solange es Tag ist. Die Nacht kommt, in der niemand mehr etwas tun kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“ Nachdem Jesus seinen Jüngern diese Antwort gegeben hatte, spuckte er auf den Boden und machte aus Erde und Speichel einen Brei, den er dem Blinden auf die Augen strich. Dann befahl er ihm: „Geh zum Teich Schiloach und wasch dir das Gesicht!“ (Schiloach bedeutet „Gesandter“.) Der Mann ging dorthin und wusch sich das Gesicht. Und als er von dort wegging, konnte er sehen.

Die Erzählung beginnt damit, dass Jesus einen Mann sah, der von Geburt an blind war. Jesus geht nicht vorüber, sondern hat den Blinden im Blick. Anders die Jünger, die nicht den Menschen in diesem blinden Bettler sehen, sondern sich in erster Linie für die Schuldfrage interessieren: „Wer hat gesündigt – er selbst oder seine Eltern?“

Jesus stellt sich klar auf die Seite des Kranken und seiner Eltern und formuliert ihren Freispruch ganz unmissverständlich: „Es ist weder seine Schuld noch die seiner Eltern“. Wie entlastend ist diese Eindeutigkeit für all die Menschen, die kranke Kinder haben oder selbst krank sind.

Jesus fragt nicht nach dem Warum und nach möglichen Ursachen, sein Blick gilt nicht der Vergangenheit, sondern er eröffnet dem Kranken eine Perspektive für die Zukunft.  Jesus schreitet zur Tat und bringt in doppelter Weise Licht in das Leben des Blinden.

Was hat der Blinde damals gedacht? Wie fühle ich mich in schwierigen Situationen?  Sehen die Menschen um mich herum nur, was „vor Augen“ ist, oder sieht auch jemand meine innere Not?

Das folgende Lied wurde 2017 zum Motto des Deutschen Evangelischen Kirchentags geschrieben: „Du siehst mich“.

Manchmal passiert es ja, das Wunder, dass Menschen Rettung erfahren, obwohl keiner mehr daran geglaubt hat. Obwohl es aussichtslos zu sein schien, wie bei dem Blinden.

Manche Augenerkrankungen galten in der Antike durchaus als heilbar, allerdings nicht eine Blindheit von Geburt an. Und doch handelt hier Jesus nicht als Magier, sondern als Arzt. Er macht eine Augensalbe aus Speichel und Erde. Eine Art Medikament, das in der Antike zur Behandlung von Augenleiden benutzt wurde. Vor allem dem Speichel wurde Heilkraft für die Augen zugeschrieben. Jesus als Arzt rettet und heilt – und eröffnet dem Blindgeborenen eine ganz neue, völlig ungeahnte Lebensperspektive.

Insgesamt ist es übrigens ein Verdienst des Christentums, dass in der westlichen Kultur Kranke nicht nur seelsorgerlich begleitet, sondern auch medizinisch therapiert werden. Und dass sich daraus schließlich in der Neuzeit ein sehr erfolgreiches wissenschaftliches Medizin-System entwickeln konnte – für das wir in diesen Zeiten der Corona-Pandemie gerade in Deutschland besonders dankbar sein können!

Ich habe in den letzten Jahren inner- und außerhalb unseres Familienlebens viele verschiedene Schicksale erlebt und oft gab es da mehr Dunkelheit als Licht. Aber ich bin mir sicher, dass Gott seinen Blick auf all diese Not und vor allem auf die damit konfrontierten Menschen gerichtet hat. Jesus rennt nicht an uns vorbei. Er bleibt stehen und hält sein Versprechen, an unserer Seite zu sein. Das kann unsere Sichtweise verändern und  in Dankbarkeit verwandeln. Das kann uns Mut und Hoffnung geben.

Das folgende Lied fasst diese Gedankenkette noch einmal mit einer sehr schönen Melodie (und für meine Ohren auch mit akuter Ohrwurm-Gefahr) zusammen:

Zum Schluss möchte ich noch auf die besondere Pointe unserer Erzählung hinweisen, dass der Blinde letztendlich der eigentlich Sehende ist. Das ergibt sich vor allem aus der Fortsetzung der Erzählung in Johannes 9. Alle gesunden Akteure um den Blindgeborenen herum können seine Heilung nicht glauben. Sie weigern sich sogar, sich mit ihm über seine Heilung zu freuen. Sie kleben an der Vergangenheit, anstatt den Blick nach vorne zu richten.

Die Nachbarn, die Pharisäer, die Eltern – sie sind blind für das, was hier geschieht. Der sehend gewordene Blindgeborene hingegen macht gleich einen doppelten Prozess des Sehenlernens durch: Er spricht zunächst noch von einem Mann, der ihn geheilt hat (Vers 11). Im nächsten Gespräch bezeichnet er ihn als Prophet (Vers 17) und schließlich am Ende des Kapitels als Menschensohn, an den er glaubt und den er anbetet (Vers 38). In ihm und um ihn ist es hell geworden.

Einige Gedanken dieses „Lichtblicks“ sind angelehnt an eine Predigt von Isolde Karle. Sie ist Theologie-Professorin an der Ruhr-Universität in Bochum.

Blick nach oben | Gebet

Vater im Himmel, danke, dass dein Blick auf uns gerichtet ist.
Wir wollen von dir lernen und unsere Nächsten sehen.
Wir wollen ihnen auch unser Ohr schenken.

Vater im Himmel, unser Blick geht zu dir.
Hilf uns, auch in den dunklen Stunden unser Vertrauen auf dich zu richten.
Wir glauben, hilf unserem Unglauben.

Vater im Himmel, unser Blick geht zu dir.
Hilf uns, mit weiten Augen zu sehen, wo du Wunder tust.
Wir glauben, hilf unserem Unglauben.

Vater im Himmel, unser Blick geht zu dir.
Danke, dass du uns mit deinen Augen leiten willst.
Wir glauben, hilf unserem Unglauben.

Amen

Blick nach oben | Nachspiel

Sicherlich kennen Sie das Lied „Amazing Grace“, dass in einer jazzigen A-cappella-Corona-Version heute unser Nachspiel sein soll. Vielleicht kennen Sie auch die Geschichte zu dem Lied: Der Autor des Textes, John Newton, war Kapitän eines Sklavenschiffs. Mitte des 18. Jahrhunderts geriet er in schwere Seenot, wurde aber nach einigen Stoßgebeten gerettet. Nach seinerRettung behandelte er die Sklaven deutlich menschlicher als zuvor. Und einige Jahre später wurde er sogar Geistlicher und trat für die Bekämpfung der Sklaverei ein.

Wie auch immer: Im Text heißt es „I once was lost, but now I’m found. Was blind, but now I see.“ – „Einst war ich verloren, aber nun bin ich gefunden. Ich war blind, aber jetzt sehe ich.“ In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gute Woche mit dem Blick fürs Wesentliche.


Geliebt und erwählt | Sonntag, 19. Juli 2020

Ein „Lichtblick“ von Micha Häckel

Waren Sie schon im Urlaub? Fahren Sie noch? Oder sind sie gerade unterwegs? Fernreisen an Traumstrände sind ja in diesem Jahr nicht ganz so einfach zu bewerkstelligen…

Von wo aus auch immer Sie diesen „Lichtblick“ betrachten: Vielleicht passen die Bilder im nachfolgenden Video ja zu Ihren Urlaubs-Sehnsüchten. Der Text des Liedes formuliert auf jeden Fall einige weit verbreitete Wünsche und Bedürfnisse: „bedingungslose Liebe“, „unerschütterliche Hoffnung“, „ein Stück vom Himmel hier auf Erden“ und einige mehr. Schauen und hören Sie mal rein:

Als „Zentrum der Geschichte“ und als „Anker in der Zeit“ begegnet Gott uns auch im Predigttext, der für den heutigen Sonntag vorgeschlagen ist. Er stammt aus dem Alten Testament, genauer gesagt aus dem 5. Buch Mose, das auch „Deuteronomium“ genannt wird. Die zentralen Aussagen des Predigttextes lauten: „Du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. […] Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, sondern weil er euch geliebt hat.“ Den ganzen Predigttext (Kapitel 7, 6-12) können Sie hier nachlesen.

Es geht in diesem Text also um die Beziehung zwischen Gott und dem Volk Israel. Die beiden haben zu diesem Zeitpunkt schon eine längere gemeinsame Geschichte hinter sich. Ein Teil dieser Geschichte und das Umfeld des Textes im Buch Deuteronomium wird im folgenden Video erklärt (es reicht, wenn Sie bis Minute 3:10 schauen).

„Gehorsam“ und „Hingabe“ sind also im Lauf der Geschichte offensichtlich zu den wichtigsten Elementen dieses Buches für die Israeliten beziehungsweise die Juden geworden. Das hatte Mose aber seinerzeit längst nicht immer so erlebt. Den halben Weg durch die Wüste hatte das Volk gegen Gott und Mose gemeutert. Die Israeliten hatten Angst zu verhungern. Sie wollten lieber wieder zurück nach Ägypten, als noch länger Manna zu essen. Und als Mose auf den Berg Sinai stieg, um die Zehn Gebote zu empfangen, da stellten sie ein goldenes Kalb als Götzenbild auf und beteten es an. Die Israeliten sind also alles andere als ein Vorbild für Glauben und Gehrosam. Wie kann Mose nun in unserem Text behaupten: „Du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott“?

„Heilig“ ist kein Qualitätsbegriff. „Heilig“ steht nicht für glaubensstark, moralisch vollkommen und porentief rein. „Heilig“ bezeichnet ein Eigentumsverhältnis. „Heilig“ ist das, was zu Gott gehört. Israel ist deshalb ein heiliges Volk, weil es zu Gott gehört. Und es gehört zu Gott, weil dieser es erwählt hat. Warum hat er das getan? Nicht, weil es so groß oder bedeutend, herausragend oder außergewöhnlich gewesen wäre. Unser Text sagt: Gott hat es erwählt, weil er dieses Volk geliebt hat.

Viele der Texte aus dem Alten Testament sind für uns heute schwer zu verstehen. Ihre Zusammenhänge sind uns oft fremd. Aber der Aspekt der Erwählung findet sich auch im Neuen Testament wieder. In Johannes 15, 16 sagt Jesus beispielsweise: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt“. Und in Johannes 3, 16 steht der bekannte Vers: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

Wenn in der Bibel von „Welt“ die Rede ist, dann ist damit nicht einfach nur unser schöner blauer Planet gemeint. „Welt“ bezeichnet in der Bibel meistens das Gegenteil von Himmel, das Gegenteil vom Reich Gottes. Vieles in unserer Welt passt nicht zum Reich Gottes: Hass und Gewalt, Terror und Krieg, Krankheit, Hunger und vieles mehr. Und auch wir selbst sind – ähnlich wie das Volk Israel – keineswegs immer vorbildliche Bürger in Gottes Reich. Aber genau diese Welt, auf der wir leben, liebt Gott. Trotz ihrer Unvollkommenheit. Und er hat uns erwählt. Nicht, weil wir irgendwelche besonderen Eigenschaften hätten, sondern schlicht und einfach, weil er uns liebt. Wenn wir das zulassen, dann sind wir heilig. Wir gehören zu Gott.

Und hier schließt sich dann sogar der Kreis zu „Gehorsam“ und „Hingabe“. Damit müssen, können und brauchen wir uns Gottes Liebe nicht zu verdienen – sie ist ja schon da. Aber wir können aus Freude und Dankbarkeit versuchen mitzuhelfen, dass das Reich Gottes auf dieser Welt immer deutlicher sichtbar wird. So geht übrigens auch der Vers aus Johannes 15 weiter: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt.“ In diesem Sinn wünsche ich uns allen eine fruchtbare Woche.

Einige Gedanken für diesen „Lichtblick“ habe ich von Pfarrer Tobias Geiger (70794 Filderstadt-Sielmingen) übernommen.

Geliebt und erwählt | Gebet

Ewiger Gott,
du liebst diese Welt,
weil du die Liebe bist.
Du liebst die Kleinen,
du liebst die Schwachen.

Erinnere dich daran,
dass du die Kleinen besonders ins Herz geschlossen hast.
In diesem Corona-Sommer fragen sie,
wie es nach den Ferien weitergehen wird.
Sie erleben die Angst und die Sorgen der Erwachsenen.
Deine Liebe mache sie mutig.
Deine Liebe stärke in ihnen das Vertrauen.

Erinnere dich daran,
dass du die Schwachen vor den Starken schützt.
In Syrien herrscht Angst,
die Mächtigen verhindern den Frieden und versperren den Weg für Hilfe.
Deine Liebe verwandle die harten Herzen der Machthaber.
Deine Liebe mache die Friedensstifter erfinderisch.
Deine Liebe bewahre die Schwachen vor dem Tod.

Ewiger Gott,
erinnere dich daran,
dass deine Schöpfung von deinem Atem lebt.
Erinnere dich daran,
dass wir dein Volk sind und dein Eigentum.
Deine Liebe belebe uns jeden Tag.
Im Namen Jesu Christi, zu dem wir gehören,
vertrauen wir dir
die Kleinen,
die Schwachen
und alle, die zu uns gehören, an.
Deine Liebe bleibe bei uns, heute und alle Tage.

Amen.

Nach dem Wochengebet der VELKD

Geliebt und erwählt | Nachspiel

Eine virtuose „Homeoffice-Produktion“ des berühmten Blechbläser-Ensembles „Canadian Brass“.


Das Eingemachte | Sonntag, 5. Juli 2020

Ein „Lichtblick“ von Andrea Sangmeister-Behr

Seit seiner Uraufführung im Februar 2019 hat das Musical „Martin Luther King“ schon viele Zuschauerinnen und Zuschauer begeistert. Das Anliegen, für das sich die Titelfigur dieses Musicals eingesetzt hat und für das sie ja schließlich sogar mit dem Leben bezahlt hat, ist leider längst noch nicht erledigt – im Gegenteil.

Durch die Ermordung von George Floyd und weitere schreckliche Gewalttaten unserer Zeit ist das Thema Rassismus aktuell wieder stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Grund genug für das Ensemble, einen beeindruckenden Song aus dem Musical in einer Corona-Version bei Youtube zu veröffentlichen.

Starke Worte: „Wer nicht glaubt, wer nicht hoffen kann, ist kein Realist.“ – „Das war sein Traum, dass bald ein Geist der Liebe weht. Auch unser Traum, der Hoffnung in die Herzen sät, schafft Zeit und Raum, dass man mit Leidenschaft und Mut den Willen Gottes hört und tut.“ – „Gott bricht aus Bergen der Verzweiflung Steine der Hoffnung uns heraus. Ja, wir vertrauen der Verheißung, bau’n der Gerechtigkeit ein Haus.“

Das Eingemachte | Gedanken

„Jetzt geht’s ans Eingemachte!“ Das war in dieser Woche die Überschrift für den Rezepte-Newsletter einer Zeitschrift über Essen und Trinken. Denn sie ist gekommen: die Zeit, in der uns die herrlichsten Beeren, das leckerste Obst und Gemüse im eigenen Garten oder auf den Wiesen rings um Lorsbach herum zur Verfügung stehen, um daraus Kompott, Marmeladen, Gelees und  Konfitüren oder Chutneys nach altbewährten oder auch neuen, extravaganten Rezepten zuzubereiten – eben einzumachen.

„Jetzt geht’s ans Eingemachte“ war aber auch mein erster Gedanke, als ich den für den heutigen Sonntag vorgeschlagenen Predigttext gelesen habe. Im 12. Kapitel des Römerbriefs schreibt Paulus:

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.
Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.
Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32, 35): „Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.“
Vielmehr, „wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln“ (Sprüche 25, 21-22).
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

(Römer 12, 17-21)

Was für ein Anspruch! Wer kann den erfüllen? Ich denke an die großen Friedensstifter. An Mahatma Ghandi, an Sophie und Hans Scholl, an Martin Luther King und natürlich an Jesus … aber ich? Was ist mit den kleinen Rachegelüsten, die ich habe, wenn mich jemand beleidigt? Wenn mich jemand nicht beachtet oder meine Gefühle verletzt? Habe ich da nicht doch hier und da noch eine Rechnung offen? Müsste man nicht doch bei Gelegenheit mal bestimmten Leuten etwas heimzahlen?

Und überhaupt: dieses Thema betrifft ja nicht nur mich. Was ist denn mit der zunehmenden Verrohung in der Öffentlichkeit – auch in der Politik? Gehören Beleidigungen im Straßenverkehr nicht längst zur normalen Kommunikation? Und woher kommen denn die ganzen Hass-Kommentare im Internet?

Denker und Wissenschaftler vieler Disziplinen wie Theologie, Philosophie und Psychologie bis hin zur Medizin haben sich mit dieser Forderung des Paulus auseinandergesetzt – so oder anders formuliert.

Der 2005 verstorbene Kabarettist, Schriftsteller und Liedermacher Hanns Dieter Hüsch hat seine Gedanken dazu in einem Gedicht ausgedrückt:

Ich setze auf die Liebe
Wenn Sturm mich in die Knie zwingt
Und Angst in meinen Schläfen buchstabiert
Ein dunkler Abend mir die Sinne trübt
Ein Freund im anderen Lager singt
Ein junger Mensch den Kopf verliert
Ein alter Mensch den Abschied übt

Das ist das Thema
Den Hass aus der Welt zu entfernen
Und ob wir bereit sind zu lernen
Dass Macht, Gewalt, Rache und Sieg
Nichts anderes bedeuten als ewiger Krieg
Auf Erden und dann auf den Sternen

Die einen sagen, es läge am Geld
Gut, das ist sicher nicht ganz falsch
Die anderen sagen, es wäre die Welt
Sie läge in den falschen Händen
Da ist auch manches richtig dran
Aber jeder weiß es immer besser, woran es liegt
Nur es hat noch niemand den Haß besiegt
Ohne ihn selbst zu beenden

Er kann mir sagen, was er will
Und kann mir singen, wie er’s meint
Und mir erklären, was er muss
Und mir begründen, wie er’s braucht

Ich setzte auf die Liebe!
Schluss!

Hanns Dieter Hüsch hat in seinem Gedicht also eine Entscheidung getroffen. Er hat erkannt: Ich muss mich dafür entscheiden, in meinem Leben den Hass zu beenden und auf die Liebe zu setzen. Weil man den Hass insgesamt nur besiegen kann, wenn man damit anfängt, ihn bei sich selbst auszumerzen. Und nur aufgrund dieser Entscheidung kann er dem „Sagen“ und „Singen“, den Erklärungen und Begründungen des Hasses widerstehen. „Rache hält die eigenen Wunden offen“, sagt der Philosoph Sir Francis Bacon. Liebe gibt Wunden die Chance zu verheilen.

Aber was braucht man, um so leben zu können? Um die Entscheidung gegen den Hass immer weder treffen zu können? Auch bei der Beantwortung dieser Frage geht es nach Meinung vieler Psychologen und Theologen ums „Eingemachte“ – nämlich um das, was ich in meinem Leben verinnerlicht habe. Um die Kraftquellen und Ressourcen, die ich zur Verfügung habe. Um die Überzeugungen, denen ich Raum gebe. Es geht um das, was wir in uns aufbewahren.

Menschen, die wissen, dass sie geliebt und gewollt sind, und die einen inneren Frieden haben, tun sich leichter, auch mit anderen im Frieden zu leben. Paulus beschreibt seine persönliche Kraftquelle wenig vorher im 8. Kapitel des Römerbriefs:

Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.
(Römer 8, 38-39)

Was sind die Kraftquellen in meinem Vorratsschrank? Wem oder was sollte ich vielleicht mehr Raum geben? Fragen, über die es sich nachzudenken lohnt. Und wenn ich da nicht gleich fündig werde, dann bleibt immernoch die Hoffnung, dass Gott „aus Bergen der Verzweiflung Steine der Hoffnung“ herausbricht, mit denen wir dann anfangen können, „der Gerechtigkeit ein Haus“ zu bauen – wie bei Martin Luther King (vgl. das Lied vom Anfang). Möge der Friede Gottes uns zu Friedensstiftern machen.

Das Eingemachte | Gebet

Gott, du gehst weit mit deiner Güte.
Bring uns über uns selbst hinaus.

Wir möchten großzügig werden in unserem Urteil über andere,
auch wenn wir uns ärgern und wehren müssen.
Wir spüren, wie gut es tut,
wenn wir in Schutz genommen und aufgerichtet werden.
Hilf uns dahin, selbst hilfreich und gütig zu werden.

Wir beten für die Menschen,
deren tägliche Pflicht es ist, sich von anderen ein Bild zu machen,
die Urteile finden oder fällen müssen,
die über Bewerbungen entscheiden, Zeugnisse schreiben, Personalakten führen,
dass sie dabei gütig bleiben und die anderen wohlwollend begutachten.

Wir denken an uns selbst und an die Menschen,
die wir verurteilen, die wir abwerten.
An uns selbst spüren wir, wie Urteile verletzen und vernichten können.
Trotz aller Kritik den anderen als Menschen zu achten,
das möchten wir lernen,
das möchten wir erleben,
bei uns selbst und von anderen.

Wir beten für die Menschen,
die unter unserem Urteil zu leiden haben,
beleidigt durch Witze, entwürdigt durch abfällige Sprüche
und für die, die nach Ihrem eigenen Urteil gescheitert sind.
Lass sie an unserer Ablehnung nicht zerbrechen.
Lass sie unter uns Verständnis, Fürsprache und Unterstützung finden.
Menschen, die sich auf ihre Seite stellen, wie Jesus es getan hat.

Gott, du gehst weit mit deiner Güte.
Bring uns über uns selbst hinaus.

Das Eingemachte | Aktion

Sind Sie in diesen Tagen tatsächlich dabei, Marmeladen, Gelees oder ähnliches zuzubereiten? Oder finden Sie in Ihrem Vorratsschrank leckeres Eingemachtes und haben Lust, es mit anderen zu teilen und zu tauschen?

Nehmen Sie doch ein Glas davon – egal ob selbst gemacht oder selbst gekauft – und bringen Sie es in unsere Kirche. Sie ist jeden Tag geöffnet. Stellen Sie es auf den kleinen Tisch neben dem Altar und nehmen Sie sich dafür ein anderes Glas mit, das jemand anderes abgestellt hat. Lassen Sie uns die Vielfalt des Sommers und der Rezepte genießen!


Schutz-Schirm | Sonntag, 28. Juni 2020

Ein „Lichtblick“ im Rückblick auf den Gottesdienst mit Pastor Rainer Leo und Pfarrerin Kerstin Heinrich auf dem Zimmerplatz.

Nur teilweise „beschirmt“ haben wir heute unseren sonntagmorgendlichen Gottesdienst auf dem Zimmerplatz gefeiert. Zum Glück hat das Wetter gehalten und wir blieben alle trocken.

Passend zur unsicheren Wetterlage war das Thema des Gottesdienstes: „Leben unter Gottes Schutz-Schirm“ – angelehnt an den Beginn des 91. Psalms: Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: „Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“ Den ganzen Psalm können Sie hier nachlesen.

Alternativ oder zusätzlich können Sie sich auch durch das folgende Lied in den Text hineinnehmen lassen:

Pastor Rainer Leo betrachtete das Bild vom „Schirm des Höchsten“ in seiner Predigt aus mehreren Blickwinkeln. Zunächst führte er den Gedanken aus, dass Gott niemanden allein im Regen stehen lassen wolle, sondern uns allen seinen Schutz-Schirm anbiete. Als „Schirm-Herr“ sei er daran interessiert, dass das Leben seiner Schützlinge gelinge. Und dafür biete er uns eben auch einen von ihm abgeschirmten Schutzraum an. Aktuell passend spreche der Psalm-Beter in den Versen 5 und 6 ja sogar davon, dass man deshalb auch nicht erschrecken müsse „vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt“.

Andererseits entwickelte Rainer Leo aber auch die Idee, dass wir selbst ein Teil von Gottes Schutz-Schirm sein könnten und sollten. Dass wir den Auftrag hätten, auch andere zu beschirmen. Und das, obwohl wir unseren eigenen Glauben vielleicht manchmal als ramponiert empfänden. Obwohl wir also – im Bild gesprochen – vielleicht den Eindruck hätten, unsere Schirm-Segmente seien eher löchrig. „Einen guten Schirm wirft man nicht weg“, proklamierte Rainer Leo. Und er verband mit dieser Aussage die Idee, dass wir als gute Geschöpfe Gottes von ihm auch nicht weggeworfen würden. Sondern trotz des einen oder anderen Mangels von ihm gebraucht würden, um als Teil seines Schutz-Schirms auch anderen dazu zu verhelfen, dass das Leben gelingt.

Schutz-Schirm | Gebet

Gott, du bist zu uns wie ein guter Vater und wie eine liebevolle Mutter.
Unter deinem Schirm dürfen wir leben.

Dankbar erinnern wir uns an alles, was du uns Gutes getan hast in unserem Leben.

Wir bitten dich für alle Menschen, die nicht mehr weiter wissen mit ihrem Leben und nur noch den Abgrund vor sich sehen. Die sich schutzlos fühlen. Such sie auf, stell dich ihnen in den Weg. Hilf ihnen, neue Schritte zu wagen auf deinen Wegen.

Wir bitten dich für die Menschen, die zu leiden haben unter dem Eigensinn, der Starrköpfigkeit und der Rechthaberei ihrer Mitmenschen. Stärke sie. Bewahre sie vor Verzweiflung.

Wir bitten dich für die Opfer von gewalttätigen Machthabern überall in der Welt. Wir bitten dich für die Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt und bedrängt und mit dem Leben bedroht werden. Lass sie Schutz finden unter deinem Schirm. Bewahre sie und wehre allem Hass.

Wir bitten dich für die unter uns, die traurig sind, weil ein vertrauter Mensch gestorben ist. Las sie Schutz suchen und finden unter deinem Schirm der Liebe und Trost in der Gewissheit, dass unsere Verstorbenen bei dir zu neuem Leben auferstehen und geborgen sind.

Wir bitten dich für uns alle: Hilf unserem Gedächtnis auf, damit wir nicht vergessen, was du uns Gutes getan hast. Mach uns zu Zeugen deiner Güte und deiner Barmherzigkeit.

Amen

Schutz-Schirm | Nachspiel

In der zweiten Strophe des bekannten Chorals „Jesu, meine Freude“ heißt es: „Unter deinem Schirmen bin ich vor den Stürmen aller Feinde frei.“ Johann Sebastian Bach hat diesen Choral mehrfach vertont, unter anderem als Schluss einer Kantate. Eine sehr ausdrucksstarke Aufnahme dieser Komposition aus der Stuttgarter Stiftskirche steht am Ende dieses „Lichtblicks“.


Seelen-Ruhe | Sonntag, 21. Juni 2020

Ein „Lichtblick“ von Micha Häckel

Zu Beginn der Corona-Pandemie hat der belgische Komponist Steven Verhelst den „Song for Health“ komponiert. Zusammen mit dem holländischen Posaunisten Martin Schippers hat er die Noten dafür auf der Internet-Seite www.musicdoesntstop.com kostenlos zur Verfügung gestellt. Zur moralischen Unterstützung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen sollten und sollen möglichst viele Ensembles „Corona-Produktionen“ des Stückes aufnehmen und ins Internet stellen. Viele sind diesem Aufruf gefolgt und eines der Ergebnisse soll den heutigen „Lichtblick“ eröffnen:

Ja, die Krise beschäftigt und belastet uns nach wie vor. Aber wenn wir uns einmal an die Zeit vorher erinnern (so weit diese manchmal auch weg zu sein scheint), dann werden mir wahrscheinlich viele zustimmen, wenn ich sage: Auch damals sind wir nicht immer nur leichtfüßig und unbeschwert durchs Leben gegangen. Auch damals gab es schon Themen, die uns belastet haben und die uns Mühe gemacht haben. „Jeder hat sein Päckchen zu tragen.“ Diese alte Volksweisheit existierte und existiert völlig unabhängig von Corona. Was ist das für ein Päckchen? Sind es gar mehrere?

Erfolg, Familie, Geld, Gesundheit, Zukunft oder einfach auch ich selbst, mein eigener Charakter (das englische „Me“ auf der ersten Kiste), das sind einerseits Bereiche, die uns beflügeln können und die uns Auftrieb geben können. Das sind aber andererseits auch Themen, die zur Belastung werden können, egal, ob wir selbst etwas dazu beitragen oder ob uns die Beschwernisse von außen auferlegt werden.

Jesus sagt in Matthäus 11, 28-30, dem heutigen Predigttext: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

Ist das nicht paradox? Natürlich ist es wunderbar, dass Jesus alle Mühseligen und Beladenen zu sich einlädt und sich um sie kümmert. Und dass er Ihnen „Erquickung“ verspricht, also Stärkung und Erfrischung. Ich stelle mir vor, dass ich mich endlich aufrichten kann. Dass ich nicht länger krumm und gebeugt gehen muss. Dass ich einmal befreit aufatmen kann. Und dann kommt dieser nächste Satz: „Nehmt auf Euch mein Joch.“ Ein Rückschlag. Ein Tiefschlag. Da wird doch die eine Last nur durch eine andere ersetzt. Oder?

Wissen Sie, was ein Joch ist? Im nachfolgenden Video wird es von meinem schwäbischen Landsmann Hans Brucklacher in seiner Heimatstube erklärt. (Es reicht, wenn Sie die ersten vier Minuten des Videos anschauen. Danach ist es zwar auch noch interessant, führt aber etwas vom Thema weg…)

Es kommt also ganz stark darauf an, wie ein Joch beschaffen ist. Wie es gearbeitet ist. Ob geeignete Materialien verwendet worden sind. Ob es gut angepasst ist. Jesus sagt: „Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ Er lädt uns in dem Text außerdem ein, von ihm zu lernen – vielleicht auch, wie man mit den Beschwernissen des Lebens zurecht kommt. Und Jesus selbst hatte ja beileibe auch nicht nur unbeschwerte Tage, als er auf der Erde war…

Theologen sagen übrigens, dass Jesus an dieser Stelle nicht in erster Linie von den Lasten spricht, die als Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Zukunftsängste auf unseren Schultern ruhen. Sondern er dachte wohl eher ganz konkret an die Lebenssituation seiner Jünger. In ihrem religiösen Umfeld hatten sie ein engmaschiges Netz von Vorschriften. Ein paar Kapitel später im Matthäusevangelium kritisiert Jesus die Pharisäer, die damaligen religiösen Oberhäupter, indem er über sie sagt: „Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern“ (Matthäus 23,4). Der Lebensweg war gepflastert mit rituellen und moralischen Verpflichtungen. Wer sie ernst nahm, quälte sich mit Geboten und Verboten ab, um alles richtig zu machen und so ein gottgefälliges Leben zu führen.

Und hier kommen wir zum zentralen Punkt. Egal, ob ich unter meinen eigenen Ansprüchen an mich selbst leide oder ob mich die Anforderungen meines Umfelds belasten, zum Beispiel in der Familie oder am Arbeitsplatz, selbst wenn ich meine, irgendwelchen religiösen Maßstäben nicht zu genügen, Jesus sagt: „Komm her zu mir.“ Und: „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“. Er ist eben nicht hochmütig, schaut nicht von oben auf mich herab. Er verachtet mich nicht, weil ich schon wieder an der Erfüllung irgendwelcher Erwartungen gescheitert bin. Er ist liebevoll und demütig, weil er weiß, wie belastend das Leben sein kann. Vielleicht lässt er sich sogar neben mich ins Doppeljoch einspannen, damit ich alleine nicht überfordert bin.

Das bedeutet nicht, dass wir nun alle Lasten los sind. Es geht nicht darum, für immer und ewig auszuspannen. Wir bleiben eingespannt in unser Leben, in unser Umfeld, in diese Welt. Aber Jesus sagt: Kommt zu mir. Lernt von mir. Nutzt das Angebot meines Jochs, das euch passt und an dem ihr euch nicht wundscheuert. In Psalm 68, 20 heißt es: „Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.“ Und dazu gibt Jesus uns noch ein wunderbares Versprechen: Ruhe für unsere Seelen. Vielleicht die innere Überzeugung, dass ich geborgen bin bei Gott, der mich bedingungslos liebt. Für den ich wertvoll bin, egal wie gut oder schlecht meine Leistungsdaten sind. Und der mir hilft, in aller Seelen-Ruhe und (er)quick(t)-lebendig weiterzuleben.

Das Lied „Starker Turm“ von Martin Pepper ist schon seit vielen Jahren sehr beliebt. Vor ein paar Wochen ist es in einer neuen Version erschienen. Das Thema ist geblieben: Die Suche nach Ruhe und Frieden für die Seele.

Seelen-Ruhe | Gebet

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Barmherziger Gott,
lass diesen Ruf Deines Sohnes,
so klar, so tröstlich,
in jeden kleinsten Winkel unserer Wirklichkeit dringen
und in die weiteste Ferne reichen.

Lass ihn dorthin dringen,
wo immer weniger gesprochen wird,
in die Alten- und Pflegeheime,
in die intensivmedizinischen Behandlungsräume
und in die Zimmer der Palliativstationen.

Lass diesen Ruf dahin dringen,
wohin kein Wort und kein Mitgefühl mehr reichen,
in die Keller, wo gefoltert und missbraucht wird,
in Zellen, Erdlöcher und Käfige,
in die Lager und Umerziehungsanstalten,
wo Menschen vegetieren.

Lass diesen Ruf in die feinen Ritzen und Risse dringen,
wo Selbstüberhöhung, Rassismus und verhärtete Ideologien
herrschen und doch brüchig werden können,
dahin, wo Menschen abgeschottet und verhärtet sind.

Lass diesen Ruf in die Gewebe der Lügen und Täuschungen dringen,
in die Methoden der Manipulation,
dorthin, wo sich menschliche Worte verwandeln
zu einem Gift, das blind macht.

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Ja, Herr,
wir wollen kommen,
kommen zu dir.

Amen.

Nach dem Wochengebet der VELKD

Seelen-Ruhe | Nachspiel


Herz und Seele | Sonntag, 14. Juni 2020

Ein „Lichtblick“ von Andrea Sangmeister-Behr

Ein Orgelvorspiel ganz aus der Nähe.

Wenn Menschen voneinander sagen: „Wir sind ein Herz und eine Seele“ – wie hört sich das für Sie an? Beneidenswert? Erstrebenswert? Oder denken Sie an rosa Herzen, Prinzessin Lillifee und den Rosamunde-Pilcher-Film am Sonntagabend im ZDF?

„Ein Herz und eine Seele“ – da blitzt bei denen, die sich daran erinnern können, dass es im Fernsehen nur drei (oder bei den damals aus meiner Sicht Glückseligen am Röckerkopf oder der oberen Goethestraße vier) Programme gab, noch etwas anderes auf. Nämlich die Erinnerung an eine satirische Fernsehserie aus den 1970er Jahren. Der despotische Familienvater „Ekel Alfred“ tyrannisierte seine Familie, die krampfhaft versuchte, die harmonische Fassade aufrecht zu erhalten. Die Mitglieder dieser Familie waren wahrhaft etwas anderes als „ein Herz und eine Seele“.

„Ein Herz und eine Seele“ – das ist nicht einfach nur ein Slogan, sondern auch ein Zitat aus der Bibel. Im 4. Kapitel der Apostelgeschichte lesen wir: „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.“

„Ein Herz und eine Seele“ – Schwer, sich vorzustellen, wie das in der Realität aussah. War das wirklich eine vollkommene Gemeinschaft, in der sich alle verstanden haben und in der alles ganz harmonisch zuging, voller romantischer Gefühle füreinander? Oder verstehen wir diesen Idealzustand, von dem hier berichtet wird, doch anders als er gemeint ist? Denn schon wenig später und auch in den Briefen des Apostels Paulus lesen wir ja durchaus über handfeste Konflikte, Streit, Neid und Ressentiments gegeneinander. Also alles nur ein Strohfeuer? Oder ist da doch etwas, von dem wir lernen und das wir uns als Vorbild nehmen können?

„Ein Herz und eine Seele“ – Was bedeutet das? Hier ist nicht von einem schnellen Bussi-Bussi die Rede. Und auch nicht von einer herzlichen Umarmung bei jeder Begegnung. (Die wäre ja in der Zeit der Abstandsregeln und Mund-Nasen-Bedeckungen sowieso kaum zu empfehlen.) Nicht oberflächliche Harmonie – so schön sie ist und so gut sie tut – ist das Ziel. Nein, es geht um praktisches und verantwortliches Handeln, das den anderen ernst nimmt in seinen Bedürfnissen. So gab es offensichtlich niemanden, „der Mangel hatte“, und jedem wurde gegeben, „was er nötig hatte“.

Dies war möglich, weil scheinbar viele bereit waren, dort hinzuschauen, wo etwas fehlte, und Verantwortung zu übernehmen. Es nicht bei einem mitleidigen Lächeln zu belassen und nur von dem abzugeben, was sowieso im Überfluss vorhanden war. Auch nicht zu beklagen, dass eben alles ganz schlimm sei und man sowieso nichts machen könne.

Sie gaben ab, freiwillig, ohne Verpflichtung. Nicht, weil es angeordnet war. (Das wurde ja im Laufe der Geschichte oft versucht und ist ganz oft gescheitert.) Sie taten es inspiriert durch den Heiligen Geist an Pfingsten, der ihnen den Mut gab. Auch den Mut zur Verantwortung. Sie wollten die Botschaft des Gottes weiterleben und weitergeben, der nicht von oben herab zusieht, sondern der sich in Jesus den Menschen ganz gleich gemacht hat. Und der ihre Nöte und Bedürfnisse ernst genommen hat.

Vielleicht geht dieses Wahrnehmen des anderen auch über den materiellen Aspekt hinaus. Vielleicht kann es auch bedeuten, sich mit der Meinung, den Ansichten und den Beweggründen des anderen auseinanderzusetzen und mit ihr oder ihm um den besten Weg zu ringen oder sogar zu streiten. Und dabei eine oberflächliche Harmonie zu verlassen, die vielleicht sowieso nur „um des lieben Friedens willen“ existiert hatte.

„Ein Herz und eine Seele“ – Dieser Text kann uns Mut machen. Es gibt ja momentan so viele Stellen, an denen es nötig ist, dass Menschen sich unabhängig von Gesetzen und Verordnungen unterstützen, helfen und ermutigen. So wie es ja auch schon oft bereits passiert ist und hoffentlich weiterhin geschieht.

Dennoch gibt es vermutlich noch viele weitere Stellen, auf die wir schauen können. Über den eigenen Tellerrand hinaus. Beispielsweise dort, wo die lange Kontaktsperre immer schwerere Schäden hinterlässt? Oder anderswo? Hoffen und beten wir darum, dass „große Gnade“ bei uns ist, wie damals in der Apostelgeschichte. Und dass wir den Mut, die Phantasie und die Kreativität haben, die entsprechende Verantwortung zu übernehmen.

Herz und Seele | Gebet

So großzügig bist Du, Gott Vater, mit uns.
Hilf uns, auch großzügig miteinander umzugehen.

Alles hast Du für uns gegeben, Jesus Christus, sogar Dich selbst.
Wecke Vertrauen in uns, dass wir miteinander teilen, was uns zum Leben gegeben ist.

Geist der Freiheit und der Liebe, Du kannst Herzen verwandeln.
Verwandle auch uns.
Du kannst immer von neuem anstiften, was mit Jesus begonnen hat.

Für alle,
die in Kommunitäten in Gütergemeinschaft und ohne persönliches Eigentum leben,
bitten wir dich: Segne sie.

Für die,
die sich für Modelle gerechten Wirtschaftens engagieren:
Stärke ihre Phantasie und ihre Ausdauer.

Für die,
die ungerechten Gewinn aus der Krise schlagen:
Tritt ihnen entgegen.

Für alle,
die durch die Corona-Krise in wirtschaftliche Not geraten sind:
Steh ihnen bei

und mach uns alle bereit zum Teilen.
Amen

Pfarrer Dr. Matthias Rost, Neudietendorf

Dieses Lied ist am 5. Juni 2020 auf Youtube erschienen.

Segens-reich | Sonntag, 7. Juni 2020

Ein „Lichtblick“ von Pfarrerin Kerstin Heinrich

„Bleiben Sie gesund!“ „Bleibt behütet!“ Hören oder sagen Sie das zurzeit auch öfter als sonst?

Corona hat uns gezeigt: Wir sind – egal in welchem Alter – gefährdet. Jedenfalls sind wir nicht gefeit gegen dieses Virus. Irgendwo, ganz weit im Hinterkopf, war uns zwar bewusst, dass keiner von uns unsterblich ist und dass Gesundheit nicht für alle Zeit gepachtet werden kann. Aber das Thema „Gesundheit“ war doch eher für Senioren oder für „Risikogruppen“ relevant. Diese sind nun zwar auch besonders gefährdet, aber das Virus bedroht uns alle.

„Bleiben Sie gesund!“ Das ist fast wie ein Segenswunsch. Denn wie soll man das schon „machen“: gesund bleiben? Gesundheit kann man ja nicht befehlen. Ein Imperativ ist da im Grunde fehl am Platz. Es bleibt ein Wunsch. Und noch dazu ein Wunsch, den ich niemandem erfüllen kann. Mit Gesundheit segnen, das kann nur Gott.

Segen ist für viele Menschen etwas sehr Entscheidendes und Wichtiges – auch wenn sie sich ansonsten vielleicht innerlich von der Kirche distanziert haben. Segen gehört zu den Grundfesten unseres Glaubens. Wir bitten Gott um seinen Segen, wenn neue Aufgaben auf uns zukommen, neue Lebenswege beschritten werden, wenn wir Abschied nehmen müssen. Auch in jedem Gottesdienst bitten wir zum Schluss um Gottes Segen mit den alten Worten aus der hebräischen Bibel. Dieser sogenannte „Aaronitische Segen“ ist für diesen Sonntag als Predigttext vorgeschlagen:

Und der Herr redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

4. Mose 6, 22-27

Wenn wir Menschen Gott um seinen Segen bitten, dann tun wir dies, weil uns bewusst ist, dass unser Leben letztlich nicht in unserer Hand ist. Wir wissen, dass nicht alles machbar, verfügbar oder von uns erreichbar ist. Dass das Gelingen unseres Lebens nicht nur von unseren eigenen Kräften abhängt. Wenn ich Gott um seinen Segen bitte, erkenne ich meine Begrenztheit an und mein Angewiesensein auf Gott. Ich bitte Gott, mein Leben oder das Leben mir anvertrauter Menschen zu bewahren und zu begleiten. Gerade auch dann, wenn meine Möglichkeiten an ihre Grenzen gekommen sind.

Segen ist die große Zusage: Du bist nicht auf dich alleine gestellt. Du bist geborgen und du bist gerufen, schon ehe du dir einen Namen gemacht hast.

Der englische Komponist und Chorleiter John Rutter hat den aaronitischen Segen in englischer Sprache vertont. Hier eine Aufführung anlässlich des 60. Hochzeitstages des englischen Königspaares:

Das hebräische Wort für Segen bedeutet soviel wie „Glück“ oder „Erfolg“. Doch weder der jüdische noch der christliche Segen zielt nur auf ein Leben in Fülle in dem Sinn, dass unsere materiellen Bedürfnisse erfüllt sind und wir uns guter Gesundheit und guter Beziehungen zu unseren Mitmenschen erfreuen. Juden und Christen glauben, dass wir dieses Leben in Fülle nur haben, wenn auch Gott bei uns ist. Ich denke an den 73. Psalm: „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachten, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“

Für Juden und Christen – da verstehen wir den aaronitischen Segen völlig gleich – liegt in der Gottesbeziehung der Urgrund von Frieden und Glück. Darum kann ein einfacher Segen auch aus den Worten bestehen: „Der Herr sei mit dir.“ Denn wenn Gott bei uns ist und wir in ihm geborgen sind, dann kann viel geschehen, und wir bleiben doch im Kern unverletzt und behütet.

Das 4. Buch Mose, in dem sich der aaronitische Segen befindet, heißt eigentlich auf Hebräisch „In der Wüste“. Das unterstreicht die Bedeutung des Segens: Gott führt uns, er „behütet“ uns – selbst wenn unserer Wege durch die Wüste führen, selbst wenn wir uns dessen oftmals nicht bewusst sind. Man übersieht also Gottes Segen leicht, wenn man ihn nur auf ein langes Leben, Wohlstand oder einen äußerlichen Frieden beschränkt. „Wo Segen waltet,“ sagt Jörg Zink, „da glückt etwas, da wird ein Leben sinnvoll, da gedeiht ein Werk, da entsteht Lebendigkeit des Herzens und des Geistes. Segen bewirkt, dass trotz allem Unheil das Leben weitergeht. Dass in einer Welt des Unrechts irgendwo Recht gedeiht. Dass das Verletzliche bewahrt und die Angst überwunden wird.“

Manchmal muss man auch um Gottes Segen ringen. Muss Gott vielleicht zeigen, dass man es ernst meint. Dass man sich bewusst ist, dass es ohne Gottes Segen kein Leben und Gedeihen gibt. Dabei denke ich an die Geschichte von Jakob, der mit dem Boten Gottes am Jabbok-Fluß kämpfte. Der Engel sprach: „Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an.“ Aber Jakob antwortete: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ Daraufhin erhielt Jakob einen neuen Namen, „Israel“, und wurde von Gott gesegnet. Das Ringen wurde mit Segen belohnt.

Wie Segen auch vermittelt wird, man trägt eine Verantwortung für das Empfangene. Jesus hat gesagt: „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen“ (Lukas 12,48). Gott segnet mit der Absicht, dass sein Segen auch anderen zugutekommt. Das hat durchaus auch eine politische Dimension. Der ehemalige Propst in Frankfurt, Dieter Trautwein, hat es in seinem beliebten Lied schön ausgedrückt: „Keiner kann allein Segen sich bewahren. Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen. Segen kann gedeih’n, wo wir alles teilen, schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeih’n.“

Gottes Segen kann viele Formen annehmen: Glück und Frieden, Hoffnung und Freude, die Güter dieser Erde und die Dankbarkeit dafür. Der größte Segen Gottes aber ist Gott selbst: seine Gegenwart, seine Nähe, sein Angesicht, das er uns zuwendet und das über uns leuchtet. Wenn man um Gottes Segen bittet – sei es in der Kirche, bei einem Fest, am Krankenbett oder wo auch immer – ist es letztlich Gottes Gegenwart, wonach man sich sehnt.

Im Segen kommt Gott uns freundlich nahe. Mit seinem leuchtenden Angesicht. Er wendet sich uns zu, berührt uns und geht mit uns. Etwas Besseres kann uns in unserem Leben nicht geschehen, als dass Gott mit seiner Liebe bei uns ist und bei uns bleibt.

In diesem Sinne: Bleiben Sie behütet – oder: Gott segne Sie!

Vielleicht haben Sie ja Lust das oben genannte Lied mitzusingen, wenn Sie das folgende Video starten:

Segens-reich | Gebet

Guter Gott, du hast unser Leben reich gesegnet.
Alles, was wir brauchen, kommt von dir.

Wir bitten dich
für uns, dass wir aufmerksamer darauf achten, wo Menschen um uns herum in Not und Bedrängnis geraten,
für deine Kirche, dass sie für die spricht, die die Armut sprachlos gemacht hat,
und für diejenigen, die die großen Entscheidungen fällen, dass sie ihrer Aufgabe gerecht werden, für Gerechtigkeit zu sorgen.

Deine gute Schöpfung, die du uns anvertraut hast, ist bedroht, weil wir sie rücksichtslos ausbeuten.

Wir bitten dich
für uns, dass wir die Augen öffnen und ermessen lernen, wie unser Lebensstil die Erde, die Luft und das Wasser belastet,
für die Menschen, die unter den Folgen von Naturkatastrophen leiden,
für die Regierungen unserer Länder und die, die sie beraten und beeinflussen, dass sie umsteuern und alles tun, dass diese Erde ein freundlicher Ort für unsere Nachkommen wird.

Dein guter Segen liegt auf uns, Gott.
So bitten wir dich: Lass ihn uns reichlich weitergeben.
Lass uns zum Segen für andere werden, wo immer wir es vermögen.

Amen.

Segens-reich | Nachspiel


Pfingstsonntag, 31. Mai 2020

Ein „Lichtblick“ von Pfarrerin Kerstin Heinrich

„O komm, du Geist der Wahrheit“ – so heißt es in einem bekannten Pfingstlied. Da möchte ich kräftig mit einstimmen heute am Pfingstsonntag! Ich möchte Gott um seinen Geist bitten, den Geist der Wahrheit und den Geist des Trostes. Den Geist, der unsere Herzen öffnet. Stimmen wir uns ein auf das Pfingstfest und hören wir das Lied in einer modernen Fassung.

„Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort.“ So beginnt die Schilderung des Pfingst-Ereignisses in der Bibel. (Der komplette Text findet sich in Apostelgeschichte 2, 1-21 – einfach auf den Link klicken.)

Ach, denke ich – wenn das auch heute nur so einfach wäre. Um an einem Ort zusammen zu sein, um gar Gottesdienst miteinander zu feiern, sind viele Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Das heutige Pfingstfest feiern wir auf dem Zimmerplatz in Lorsbach. Es ist der erste Gottesdienst seit dem 15. März. Wir müssen viele Sicherheitsmaßnahmen und Hygieneregeln befolgen. Alle sitzen in großem Abstand voneinander. Das gemeinsame Singen fällt aus. Wie gut, dass engagierte Bläser den Gottesdienst musikalisch festlich gestalten!

Wie sehr hat doch die Coronakrise in unser Leben eingegriffen und scheinbar Selbstverständliches unmöglich oder schwierig gemacht. Und auch wenn es immer größere Lockerungen gibt – die Coronakrise hat uns noch fest im Griff! Die Ängste sitzen tief. Wohin kann ich guten Gewissens gehen? Soll ich mit der S-Bahn fahren? Wo kann ich sicher Urlaub machen? Kann ich den Politikerinnen und Politikern vertrauen und der Sinnhaftigkeit der getroffenen Maßnahmen? Was kommt morgen? Wie wird es im Herbst sein? Kommt eine zweite Welle? Manchen gehen die Lockerungen nicht weit genug, anderen gehen sie zu schnell. Ja, es ist eine Zeit, in der Angst und Unsicherheit wie ein dunkler Mollton das Leben begleiten und immer mitschwingen.

Doch ich bin überzeugt: Es ist so wichtig, sich nicht von den Ängsten beherrschen zu lassen. Sich nicht überrollen zu lassen. Einen kühlen Kopf zu bewahren. Den Optimismus nicht zu verlieren. Und Platz zu lassen für die Hoffnung, dass wir aus dieser Krise lernen können, dass wir Raum geben, für Veränderungen, die den Menschen und der Natur guttun. Und ich frage mich: Welche Kräfte habe ich denn in mir, um Ängsten zu begegnen?

Mir hat schon so manches Mal der Glaube geholfen, die Hoffnung und das Vertrauen nicht zu verlieren. Gott ist größer als das, was mir Angst macht. Nach der Zeit der dunklen Angst kommt ein neuer, heller Tag. Gegen die vielen Ängste verkündet die christliche Botschaft: „Fürchtet euch nicht!“ Daran glauben zu können empfinde ich als ein großes Geschenk.

Und mir helfen Geschichten, die davon erzählen, wie Menschen ihre Ängste überwunden haben und wie sie wieder neuen Mut schöpfen konnten. Die Pfingstgeschichte ist eine solche Geschichte. Nach der Kreuzigung Jesu sitzen die Jünger ängstlich in ihren Häusern. Sie fürchten sich, nach draußen zu gehen. Die Angst vor der Zukunft nimmt ihnen schier den Atem. Werden auch sie gefangen genommen werden? Ist alles, wofür sie ihre Kraft eingesetzt haben, als sie mit Jesus zogen, vergeblich gewesen? Wie soll es weitergehen?

Doch plötzlich bewegt sich etwas in ihren furchtsamen Herzen. Wie ein Sturmwind, wie ein Feuer kommt es über die Jünger. Eine Kraft, die nicht aus ihnen selbst kommt, erfüllt sie. Ihre Angst ist wie weggeblasen. Ein neuer Geist ist in ihnen. Sie drängen nach draußen auf die Straßen. Alle sollen die gute Botschaft des Lebens erfahren, sollen hören, wie Jesus ihr Leben verändert hat. Wie sie wieder Mut und Freude am Leben gefunden haben. Und wie die Hoffnung in ihnen gewachsen ist. Sie wissen jetzt: Gott lässt sie nicht allein.

Und diese Begeisterung der Jünger springt über wie ein Funke – viele lassen sich anstecken von diesem Lebensmut und lassen sich taufen. Allen Widerständen, allen Ängsten zum Trotz verkünden die Jünger: „Jesus lebt! Fürchtet euch nicht!“

Pfingsten, liebe Gemeinde ist ein Mutmachfest. Pfingsten macht uns Mut: Ihr müsst euch von den Ängsten, die in euch sind, nicht allen Lebensmut nehmen lassen. Es gibt auch noch den Geist Gottes und sein Wirken in der Welt.

„Gottes Geist verlässt uns nicht“ – so heißt es in einem modernen Pfingstlied. Hören wir hinein in dieses Lied, in einer modernen Orgelimprovisation aus der Kilianskirche in Heilbronn. Wenn Sie mögen, können Sie dabei den Text des Liedes mitlesen:

Ein Licht geht uns auf in der Dunkelheit, durchbricht die Nacht und erhellt die Zeit.
Licht der Liebe, Lebenslicht. Gottes Geist verlässt uns nicht.

Ein Licht weist den Weg, der zur Hoffnung führt, erfüllt den Tag, dass es jeder spürt.
Licht der Liebe, Lebenslicht. Gottes Geist verlässt uns nicht.

Ein Licht macht uns froh, wir sind nicht allein. An jedem Ort wird es bei uns sein.
Licht der Liebe, Lebenslicht. Gottes Geist verlässt uns nicht.

Diese Geduld und das Vertrauen haben zu dürfen, dass der Geist Gottes uns nicht verlässt, dass er zur Hoffnung führt und das Licht in unserem Leben ist und bleibt – das ist in diesem Jahr für mich die Botschaft von Pfingsten.

Ich finde diese Botschaft wieder in den wartenden und betenden Jüngern, die darauf vertrauen, dass der Beistand, den Jesus ihnen verheißen hat, kommen wird. Nicht Getöse und lautes Geschrei, nicht hektische Aktivitäten und rastlose Anstrengung, schon gar nicht Aggressionen und Schuldzuweisungen öffnen die Tür für den Geist Gottes, sondern die Sehnsucht nach seiner Gegenwart und die Geduld des Wartens.

Auf den Geist, der Vertrauen schafft und die Angst besiegt. Auf den Geist, der uns deutlich macht: Es gibt immernoch gute Gründe, mit Zuversicht und Vertrauen in die Zukunft zu schauen. Eine Zukunft, die vielleicht etwas anders aussieht, wie wir sie geplant und ausgerechnet haben – aber die lebenswert ist und ganz neue Chancen bieten kann. Für uns, für die Natur, für die Tiere, für die Abläufe, in denen wir arbeiten. Beten wir darum, dass der Geist Gottes uns, den politisch Verantwortlichen, denen, die in Industrie und Wirtschaft tätig sind, Phantasie und Mut schenkt, einen wirklichen Neustart zu wagen!

Pfingsten macht uns Mut dazu. Lassen Sie uns dieses Pfingstfest als unser persönliches Mutmachfest begehen!

Pfingstsonntag | Gebet

Lebendiger Gott,
wir brauchen deinen Heiligen guten Geist,
der uns Mut macht zum Leben,
der uns zueinander bringt und Verstehen stiftet,
der uns Kraft gibt für neue Schritte,
der in uns Hoffnung weckt.

Wir bitten dich um deinen Heiligen guten Geist.

Lebendiger Gott,
wir bitten dich um deinen Geist
für alle Menschen, die mit Krisen fertigwerden müssen.
Lass sie nicht allein in ihrem Gefühl,
ohnmächtig und ausgeliefert zu sein.
Öffne neue Wege zum Leben.

Wir bitten dich um deinen Heiligen guten Geist.

Lebendiger Gott,
wir bitten um deinen Geist
in den Entscheidungen in Politik und Wirtschaft.
Gib Klugheit und den Geist der Solidarität
und hilf, dass die Entscheidungen, die nun getroffen werden, auch den Schwachen dienen.
Schenke den Mut, jetzt neue Wege zu beschreiten
für eine nachhaltigere Wirtschaft, um die Erde zu bewahren.

Wir bitten dich um deinen Heiligen guten Geist.

Lebendiger Gott,
wir bitten dich für deine Kirche.
Stärke unsere Gemeinschaft untereinander.
Bring uns mit deinem Geist in Bewegung,
dass wir dort sind, wo Menschen uns brauchen,
dass wir unseren Mund aufmachen für die, die ohne Sprachrohr sind.

Wir bitten dich um deinen Heiligen guten Geist.

Lebendiger Gott,
auf deine Kraft vertrauen wir.
Amen

Nach einer Ideee aus dem Gottesdienst-Institut Nürnberg

Pfingstsonntag | Nachspiel

Das Nachspiel kommt heute vom Posaunenchor des CVJM Schwelm (Nordrhein-Westfalen) e. V.
Er hat eine Corona-Produktion des Pfingst-Chorals „O komm du Geist der Wahrheit“ ins Netz gestellt.


Vorschau auf Pfingstsonntag

Liebe „Lichtblickerinnen“ und „Lcihtblicker“,

endlich ist es soweit! Wir sind nicht mehr nur auf das Internet angewiesen, sondern können uns auch „in echt“ treffen. Am Pfingstsonntag wird es insgesamt drei Gelegenheiten geben, miteinander Gottesdienst zu feiern:

a) ab 10 Uhr live auf dem Zimmerplatz in Lorsbach. Wir haben nachgemessen: Wenn wir die Abstands- und Hygieneregeln einhalten, finden dort ca. 65 Personen Platz. Stühle und Bänke stellen wir bereit. Personen, die in einem Haushalt leben, können natürlich enger beieinander sitzen oder stehen, alle anderen müssen den Abstand einhalten. Bläser werden uns musikalisch erfreuen – auch wenn wir leider nicht singen dürfen!

b) per Live-Übertragung ins Internet. Die methodistische Gemeinde in Lorsbach überträgt ihre Gottesdienste schon seit einiger Zeit auf der Plattform „Zoom“ ins Internet. Da wir den Pfingstgottesdienst gemeinsam feiern, wird es diese Möglichkeit auch am Sonntag geben. Wer die Zugangsdaten dafür haben möchte, soll bitte bis spätestens Sonntag um 9 Uhr eine Mail an m.haeckel@evkirchelorsbach.de schreiben.

c) als „Lorsbacher Lichtblick“. Auch am Sonntag werden wir die Inhalte unseres gemeinsamen Gottesdienstes als „Lichtblick“ aufarbeiten. Dort kann man sich dann alles im eigenen Tempo betrachten – als Wiederholung oder ganz unabhängig vom Geschehen auf dem Zimmerplatz.

Viele Grüße und bis Sonntag!
Ihre Evangelsiche und Evangelisch-methodistische Kirche in Lorsbach


Exaudi | Sonntag, 24. Mai 2020

Ein „Lichtblick“ von Corinna Häckel

Präludium aus dem Dresdener Stadtteil Loschwitz – an der Orgel: Kantor Tobias Braun

Am Anfang dieses „Lichtblicks“ soll heute mal ein positiver Aspekt der Corona-Zeit stehen: Haben Sie die Wochen der Pandemie auch genutzt, um sich auf neue Wege zu begeben? Neue Routen zu erkunden? Zum Beispiel, weil die Entschleunigung durch abgesagte Verpflichtungen Platz für ausgedehntere Spaziergänge oder Wanderungen ermöglicht hat?

Wir wohnen jetzt schon einige Jahre hier in Lorsbach und ich muss sagen: Ich habe meine Umgebung in den letzten Wochen zum Teil noch einmal ganz neu kennen gelernt. Habe mich auf neue Pfade begeben und teilweise herrliche Entdeckungen gemacht. Bin aber auch manchmal in Sackgassen gelandet und konnte nicht immer alle Hindernisse (wie zum Beispiel umgestürzte Bäume) mit Leichtigkeit überwinden. Dabei habe ich viele Richtungs-Entscheidungen getroffen. Wobei natürlich klar war, dass keine allzu gravierenden Folgen zu befürchten waren, wenn ich einmal ungünstig abgebogen bin.

Am Donnerstag haben wir Christi Himmelfahrt gefeiert. Für die Jünger war das nicht wirklich ein Feiertag, wie wir im Beitrag unserer Pfarrerin lesen konnten. Jesus war in den Himmel zurückgekehrt und ging nun nicht mehr sichtbar voran. Sie konnten nicht mehr einfach hinterherlaufen. Ich frage mich immer mal wieder, wie sich das damals für die Freunde Jesu angefühlt haben muss. Sie waren es doch über Jahre gewohnt gewesen, Jesus einfach zu folgen. Ihm blind zu vertrauen. Seine Wegbegleiter zu sein. Mit Christi Himmelfahrt war das radikal anders geworden.

Jetzt hieß es an Wegkreuzungen selbst die Richtung zu wählen und eigentverantwortlich loszugehen. Ich stelle mir vor, dass das Sorgen und Ängste ausgelöst hat. Andererseits haben sich dadurch vieleicht auch neue Perspektiven ergeben. Möglicherweise war es für den einen oder anderen sogar motivierend, im persönlich passenden Tempo Schritte in eine selbst gewählte Richtung gehen zu können.

Auf meinem Lebensweg kenne ich diese unterschiedlichen Phasen:  Momente, in denen ich froh bin, dass der Weg klar ist und ich das Ziel vor Augen habe. Dann wiederum Momente, in denen ich mich orientierungslos umblicke und den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe.

Der heutige Sonntag „Exaudi domine vocem meam“ – „Herr höre meine Stimme“ (Psalm 27, 7) erinnert uns genau an diese schwierige Lage der Apostel damals nach Himmelfahrt. Er nimmt uns hinein in den Hilferuf der zurückgelassenen Freunde Jesu. Denen es vielleicht sogar nicht einmal mehr nach rufen zumute war. Diesen Gedanken greift Pastor Jonathan Overlach aus der Evangelischen Kirchengemeinde Bennigsen-Lüdersen (Niedersachsen) in einem kurzen Video auf, das er aktuell für seine Gemeinde gedreht hat:

Vielleicht reicht manchmal tatsächlich auch ein schlichtes Seufzen. Wie tröstlich und erleichternd.

Wir Menschen bewegen uns ja momentan weltweit alle auf unsicheren Pfaden. Weder Wissenschaftler noch Politiker können uns sagen, wo die Reise hingehen wird.

In dem Psalm, aus dem der Name des heutigen Sonntags stammt, heißt es an anderer Stelle: „Herr, weise mir deinen Weg“ (Psalm 27, 11). Und da kommt mir in den Sinn, dass Jesus seinen Jüngern ja sogar gesagt hat: „Ich bin der Weg“ (Johannes 14, 6). Das nimmt uns die Entscheidung, hier oder da hin zu gehen, natürlich nicht ab. Aber wenn wir versuchen, mit ihm in Kontakt zu bleiben, dann können unsere Wege vielleicht gesegnet sein unabhängig davon, ob wir links- oder rechtsherum gegangen sind. Ein Seufzer nach oben, bevor wir losgehen, ist auf jeden Fall bestimmt kein Fehler…

Lange vor seiner Himmelfahrt hatte Jesus die Jünger in einer schwierigen Situation schon einmal gefragt, ob sie lieber ohne ihn durchs Leben gehen wollen. Damals hatte Petrus geantwortet: „Herr, wohin sonst sollten wir gehen?“ (Johannes 6, 68). Und diese Frage nach der Alternative stellt sich natürlich auch für uns heute noch:

Exaudi | Gebet

Jesus Christus, Gott im Himmel und auf Erden,
wir bitten dich um dein Erscheinen,
wo du zu fehlen scheinst,
bei denen, deren Lebensperspektiven bedroht sind,
bei denen, die kalt und leer geworden sind
und verschlossen in ihren engen Kreisen,
bei denen, die nur noch weg wollen und nicht wissen wohin.
Wir rufen: Herr, erbarme dich.

Jesus Christus, Gott zwischen Himmel und Erde,
wir bitten dich um dein Erscheinen,
wo du dich zu entziehen scheinst,
bei denen, die Angst haben vor der Zukunft,
bei denen, die nicht glauben können an deinen Weg mit uns,
bei denen, die Reichtum oder Rasse, technisches Vermögen
oder den vermeintlich unentwegten Fortschritt an deine Stelle setzen.
Wir rufen: Herr, erbarme dich.

Jesus Christus, Gott im Himmel und auf Erden,
wir bitten dich um dein Erscheinen,
wo du fern zu sein scheinst,
in unserer Verworrenheit,
die wir das Nächste, deine Nähe nicht sehen,
die wir nicht spüren können,
wie du dich unentwegt nach uns sehnst und uns suchst.
Wir rufen: Herr, erbarme dich.

Nach dem Wochengebet der VELKD

Exaudi | Nachspiel

Der schon zitierte Psalm schließt mit der Aufforderung „Hoffe auf den Herrn. Sei stark und dein Herz fasse Mut – ja, hoffe auf den Herrn!“ (Psalm 27, 14). Dazu soll das folgende Video einen Beitrag leisten.

Ausgangspunkt der Produktion war, dass der Fernsehjournalist, Autor und Liedermacher Martin Buchholz zu Beginn der Corona-Zeit ein kleines Lied ins Internet stellte – und eine Einladung, dabei mitzumachen. Inzwischen ist ein schillerndes musikalisches Lichtermeer daraus geworden! 19 famose Musiker*innen singen und spielen mit ihm: „Zünde eine Kerze an! Dein Licht der Hoffnung! Heute soll es leuchten für die Welt!“

Vielleicht setzen Sie diese Worte ja in die Tat um und zünden tatsächlich eine Kerze an, bevor Sie den Play-Button drücken.


Christi Himmelfahrt | Donnerstag, 21. Mai 2020

Ein „Lichtblick“ von Pfarrerin Kerstin Heinrich

Wenn der Kindergarten schon wieder für alle geöffnet wäre, dann hätten wir dort vielleicht auch zusammen über den heutigen Feiertag nachgedacht. Weil das aber in Lorsbach und an vielen Orten leider nicht möglich ist, haben kreative Menschen kleine Filme erstellt, zum Beispiel in der Evangelischen Kirchengemeinde Bottrop:

Jesus aber sprach zu den Aposteln: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen.“ (Apostelgeschichte 1, 8-9)

Mit diesen Worten wird in der Apostelgeschichte beschrieben, was wir am heutigen Tag feiern. Mit der Himmelfahrt endet die Zeit nach Ostern, die der auferstandene Jesus mit seinen Jüngern und Jüngerinnen in Jerusalem verbrachte. Die Geschichte der Apostel und der Kirche beginnt.

Auf Bildern wird die Vorstellung von der Reise Christi in den Himmel oft sehr naiv dargestellt: Christus, der über den Köpfen der fassungslos dreinblickenden Jünger schwebt, schon halb in den Wolken eingetaucht.

Doch mit dieser Vorstellung, dass Jesus in den Himmel aufgefahren ist, können viele in unserer Zeit nichts mehr anfangen. Und ich denke: Von Beginn an diente dieses Bild dazu, die Nähe Jesu zu Gott und sein Herausgehobensein bildlich zu beschreiben.

Himmelfahrt – das ist und bedeutete auch von Beginn an Ende und Neubeginn, Abschied und Aufbruch, Verlust und Leere und neuer Raum für den Geist. Für die Apostel endete mit der Himmelfahrt die gemeinsame Zeit mit Jesus, in der sie ihn hören, erleben und berühren konnten. Insofern ist die Himmelfahrt auch ein Moment der Ernüchterung und des Schmerzes. Und des Abschiedes.

Doch nachdem Jesus vor ihren Augen in den Himmel gefahren ist, machen sich die Jüngerinnen und Jünger auf in die Welt, so wie er es ihnen aufgetragen hatte. Jesus hat ihnen versprochen, dass er ihnen die Kraft geben wird, die sie für den neuen Weg brauchen. „Die Kraft des Heiligen Geistes“ sagt Jesus ihnen zu. So werden sie Dinge tun, die sie sich bisher nicht zugetraut haben. Sie werden Kräfte zur Versöhnung finden, auf Menschen zugehen können, auch wenn sie ihnen ablehnend gegenüberstehen, sie werden sogar mit der Kraft des Heiligen Geistes Menschen heilen.

Jesus lässt die Jüngerinnen und Jünger nicht ohne Orientierung zurück. Seine „Fußspuren“ bleiben ihnen und auch uns – bis heute. An den Spuren, die er hinterlassen hat, können wir uns ausrichten. So wie er die Menschenfreundlichkeit und Liebe Gottes gelebt hat, so wie er sich auf die Seite der Schwachen und Ausgegrenzten gestellt hat, so wie er Wiesenblumen und Spatzen als Zeichen für Gottes Fürsorge zu seinen Geschöpfen deutete, das kann uns die Richtung weisen. Vielleicht erscheinen uns seine Spuren manchmal ein paar Nummern zu groß. Das mag sein. Aber die Richtung bleibt uns, auch wenn wir sie mit kleineren Schritten gehen. 

Doch mit der Himmelfahrt gilt auch bis heute: Christus ist nicht einfach verfügbar, sondern wir müssen immer wieder nach ihm Ausschau halten, ihn suchen, auf ihn warten, müssen Ängste und Zweifel überwinden und dürre Wüstenzeiten aushalten. Und dennoch den Mut aufbringen, zu glauben und zu bekennen, dass er immer wieder zu uns kommt in seinem Wort.

Himmelfahrt ist nicht Auffahrt ins Weltall – dort wäre Jesus wirklich sehr weit weg. Himmelfahrt bedeutet im Gegenteil, dass Jesus nun überall zu finden ist – nicht mehr nur in Israel, bei seinen Freunden und Freundinnen, sondern auf der ganzen Welt. Der „Himmel“ liegt nicht, wie manchmal missverstanden wird, im Himmel, sondern in unserer Welt und in unserem Leben. Das Himmelreich, von dem Jesus immer wieder gesprochen hat, ist dort zu spüren, ist dann mitten unter uns, wenn Kranken geholfen wird, wenn Menschen liebevoll miteinander umgehen, wenn Frieden herrscht und Gerechtigkeit. Dann erfahren wir den „Himmel auf Erden“.

Himmelfahrt ist dann, wenn die Gesetze der Schwerkraft, die scheinbar unverrückbaren Realitäten der Welt auch einmal außer Kraft gesetzt werden. Wenn wir unverhofft Gott begegnen auf den Plätzen und Straßen unseres Lebens. Wenn der Glanz des Himmels ins Leben scheint. Himmelfahrt ist dann, wenn der Himmel aufreißt! Momente voller Glück.

So lassen Sie uns heute, an Christi Himmelfahrt, unsere Hoffnungen, unsere Sehnsüchte, unsere Gebete in den Himmel und in die Welt schicken.

Dazu finden Sie heute Gasluftballons (biologisch abbaubare übrigens) im Pfarrhof. Kommen Sie vorbei, nehmen Sie sich einen Ballon mit nach Hause und ergänzen Sie auf der Karte Ihre Gedanken, Gebete und guten Wünsche für die Welt. Um 19.30 Uhr, zum Glockengeläut unserer Kirche, können Sie Ihren Ballon dann von zuhause aus steigen lassen – und sich an den von Lorsbach aufsteigenden Ballons erfreuen. Vielleicht erlebt der- oder diejenige, die Ihren Ballon findet und die Karte liest, einen „himmlischen“ Augenblick, einen Moment des Glücks, weil das Gelesene ihm oder ihr gut tut und Mut macht.


Schlüssel und Riegel | Sonntag, 17. Mai 2020

Ein „Lichtblick“ von Micha Häckel

Guten Morgen! Haben Sie gut geschlafen? Oder lesen Sie diesen „Lichtblick“ gerade mittags oder abends? Wie auch immer – in diesen Tagen kann einem ja schon so manches den Schlaf rauben: Wie lange wird uns dieses Virus noch in Atem halten? Lockern wir zu schnell oder zu langsam? Wann kommt die Leichtigkeit zurück? Die Unbeschwertheit? Das ganz normale Leben – oder das, was wir bisher dafür gehalten haben?

Der Liedermacher, Autor und Aktionskünstler Arno Backhaus hat folgenden Rat für schlaflose Nächte:

Und damit sind wir beim Thema des heutigen Sonntags. Er trägt den Namen „Rogate“, was übersetzt „Betet!“ bedeutet. Ein Tag also, der zum Gebet auffordert. Direkt, schnörkellos und unmissverständlich. Als wenn das so einfach wäre.

Martin Luther hat geschrieben: „Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott“. Ebenfalls recht einfach und klar – und dann bei genauerem Überlegen doch ziemlich kompliziert. Ein Gespräch. Ein Gespräch zwischen meinem Herzen (Was sagt mein Herz eigentlich? Was will es? Das ist mir vielleicht manchmal gar nicht so klar…) und Gott (Wie kann ich ihn ansprechen? Wird er sich mit meinen Anliegen beschäftigen? Hört er mich überhaupt?). Gar nicht so einfach. Wie kann beten gelingen?

Im Predigttext für den heutigen Sonntag findet sich ein Hinweis, den Jesus in seiner berühmten „Bergpredigt“ gegeben hat: „Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.“ (Matthäus 6,6). Es scheint also zu helfen, wenn man sich Zeit nimmt und einen Raum schafft, um sich zu konzentrieren. Konzentrieren heißt ja: seine Aufmerksamkeit vollständig auf etwas oder jemanden ausrichten. Fürs Beten ist es hilfreich, zur Ruhe zu kommen und still zu werden.

Und wenn man erst einmal „In der Stille angekommen“ ist, dann kann beten ganz vielfältig aussehen. Im folgenden Lied singt der Liedermacher, Journalist und Theologe Christoph Zehendner davon.

Die Welt mit Gottes Augen sehen. So ganz und gar geht das natürlich nicht. Aber im Gebet kann ich Gott zumindest die Chance zu geben, mir die Welt einmal – teilweise – aus seiner Perspektive zu zeigen. Ich kann versuchen zu formulieren, wie ich die Dinge sehe. Und dann kommt mir vielleicht in den Sinn, wie man die Dinge auch noch betrachten könnte. Anders. Mit Gottes Augen eben. Und so gewinne ich möglicherweise einen anderen Blick. Auf mich. Auf die Menschen, die mir nahe sind. Auf die Menschen, mit denen ich Schwierigkeiten habe…

Der große Pazifist und Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi empfiehlt, diesen Perspektiv-Check zweimal täglich durchzuführen:

Kann ein morgendliches Gebet das Schlüsselerlebnis für den Tag sein? Wir können es ja einmal ausprobieren. Ein abendliches Gebet kann auf jeden Fall helfen, auf gesunde Weise mit dem Tag abzuschließen. Und den Sorgen einen Riegel vorzuschieben. Wer weiß, vielleicht fördert es sogar die Schlafqualität. Und wenn nicht: „Zähl keine Schafe, sprich mit dem Hirten…“

Im Predigttext für den heutigen Sonntag findet sich auch das Vaterunser. Das Gebet, das Jesus zu beten empfiehlt. Hören wir noch einmal Christoph Zehendner mit seiner Version dieses Gebets.

Schlüssel und Riegel | Gebet

Vater unser.
Du bist unser Vater,
dir verdanken wir unser Leben.
Dir sagen wir,
worauf wir hoffen,
wonach wir uns sehen,
wovor wir uns fürchten.

Geheiligt werde dein Name.
Wir hoffen darauf,
dass deine Liebe die Welt verwandelt.
Verwandle uns,
damit wir deine Liebe zeigen.

Dein Reich komme.
Wir sehnen uns danach,
dass Gerechtigkeit und Frieden sich ausbreiten.
Schaffe deinem Frieden Raum.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Wir fürchten uns davor,
dass Leid und Krankheit kein Ende haben.
Heile die Kranken und behüte die Leidenden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.
Nicht nur uns,
auch denen, die verzweifelt nach Hilfe rufen,
die vor den Trümmern ihres Lebens stehen
und die sich vor der Zukunft fürchten.
Du bist die Quelle des Lebens,
verbanne den Hunger.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Öffne unsere harten Herzen für die Vergebung.
Öffne die Fäuste der Gewalttäter für die Sanftmut.
Lenke unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Führe uns nicht in Versuchung.
Dein Wort ist das Leben.
Du kannst unsere Herzen verschließen vor Neid, Gier und Hochmut.
Halte uns ab von Hass und Gewalttätigkeit.
Bewahre uns vor den falschen Wegen!

Erlöse uns von dem Bösen
Öffne unsere Augen,
damit wir das Böse hinter seinen Verkleidungen erkennen.
Lass uns dem Bösen widerstehen und
befreie alle, die in der Gewalt des Bösen gefangen sind.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Du rufst uns beim Namen.
Du siehst uns –
wo wir auch sind,
am Küchentisch, in der Kirchenbank, in unseren Kammern.
Bei dir schweigen Angst und Schmerz. Auf dich hoffen wir heute und alle Tage.
In Jesu Namen vertrauen wir uns dir an.

Amen.

Nach dem Wochengebet der VELKD

Schlüssel und Riegel | Nachspiel

Das Nachspiel kommt heute aus dem Blechbläser-Homeoffice der Deutschen Radio-Philharmonie Saarbrücken/Kaiserslautern.


Kantate | Sonntag, 10. Mai 2020

Ein „Lichtblick“ von Pfarrerin Kerstin Heinrich

„Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön,
dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn …“

Wahrscheinlich kennen Sie dieses Lied von Paul Gerhardt. Es ist wie gemacht für den heutigen Sonntag, der den Namen „Kantate“ trägt. Mit diesem Wort beginnt in der lateinischen Fassung der 98. Psalm: “Cantate Domino canticum novum.” Zu Deutsch: „Singt dem Herrn ein neues Lied.“

An den Kantate-Sonntagen geht es in den evangelischen Kirchen immer um den Gesang zum Lob Gottes und um die Wertschätzung der Kirchenmusik überhaupt. Vielerorts, so auch schon bei uns in Lorsbach, wird der Sonntag Kantate gerne als musikalisch besonders gestalteter Gottesdienst begangen. Das ist in diesem Jahr nun leider nicht möglich. Es wäre zwar unter strengen Vorgaben erlaubt, einen Gottesdienst in der Kirche zu feiern, doch trotz Mindestabstand und Maskenpflicht ist und bleibt das Singen in unseren Gottesdiensten vorerst verboten – und damit ein so wichtiger, für viele von uns so zentraler Teil des Gottesdienstes. Denn das Singen ist doch eine Quelle der Kraft und schenkt einen besonderen Zugang zu Gott auch und gerade in schweren Zeiten!

In schweren Zeiten ist auch das Lied von Paul Gerhardt entstanden. Er schrieb den Text 1653. Das war gerade mal fünf Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg. Ganze Landstriche waren verwüstet und entvölkert worden. Die Pest hatte Unzählige das Leben gekostet. In Paul Gerhardts erster Gemeinde in Mittenwald hatten nur 250 von 1000 Gemeindegliedern die Pest überlebt. Und Paul Gerhardt musste auch viele persönliche Schicksalsschläge verkraften. Vier Kinder starben früh. Der Jüngste war sechs, als seine Frau starb.

Natürlich stürzten diese Erlebnisse auch einen gläubigen Menschen wie Paul Gerhardt in Anfechtungen und Zweifel. Doch Kraft zog er immer wieder aus dem Singen. Seine Lieder zeugen davon, wie er durch das Singen, das Lob Gottes, seine Seele und sicher auch seine trüben Gedanken „aus dem Sumpf“ ziehen konnte. Und so lässt er nicht nach, seine Seele zum Singen aufzufordern: „Wohlauf und singe schön!“

Paul Gerhardts Lieder haben vielen Menschen Kraft gegeben – er gehört über Konfessionsgrenzen hinweg zu den bekanntesten Liederdichtern. Bis heute suchen Menschen mit seinen Liedern, die wie Gebete sind, Halt bei Gott. Ein Beispiel dafür ist auch Dietrich Bonhoeffer. Er lernte während seiner Haft Lieder von Paul Gerhardt auswendig!

Die Lieder von Paul Gerhardt haben eine ungeheure Spannweite, vom persönlichen Erleben bis in die Ewigkeit bei Gott. Sie enden fast alle im Himmel. Seine Lieder können vom ständigen Kreisen um sich selbst, vom Weltschmerz und von der Selbstbemitleidung heilen, weil sie Gottes Liebe und Güte vermitteln. Insofern können sie uns auch in den heutigen, für viele schwer zu ertragenden Coronazeiten gut tun. Wenn man ihre Texte mitsingt, dann wendet sich der Blick von der eigenen Sorge und Angst hin zu Gott, zu einem weiten Horizont. Das hilft, sich nicht von der Gegenwart gefangen nehmen zu lassen, sondern über sie hinaus zu schauen.

Vielleicht spüren sie etwas davon, wenn Sie Paul Gerhardts wohl bekanntestes Lied: „Geh aus mein Herz und suche Freud“ einmal laut mitsingen – zu Hause ist das ja erlaubt. (Schlagen Sie vor dem nächsten Klick den Text auf! Haben Sie ein Gesangbuch zuhause? Es ist die Nr. 503)

Singen ist übrigens gute biblische Tradition. Im Alten und auch im Neuen Testament singen Menschen in besonders schönen, aber auch in besonders schweren Zeiten. Gerade dann also, wenn sie ganz tiefe Erlebnisse hatten: Freude, Angst, Trauer oder die Erfahrung der Befreiung aus großer Not. 

Denken Sie an das Magnificat, das Maria singt, nachdem sie die Geburt Jesu angekündigt bekam. Nach der Durchquerung des Schilfmeers nimmt Mirjam die Pauke in die Hand und singt mit allen Frauen ein Lied. Die Psalmen sind Lieder, gesungen mit großer Freude und Hoffnung, gesungen aber auch in großem Unglück, in Not und in Trauer. Oder denken sie an all die Gospels und Spirituals, die die Afroamerikaner in ihrer Unterdrückung und Sklaverei gedichtet und gesungen haben.

Singen kann Weltflucht sein. Es kann uns aber auch helfen, der Wirklichkeit gerade nicht auszuweichen, sondern uns mir ihr auseinanderzusetzen. Singen kann uns helfen, unsere Gefühle –sei es Angst, Trauer oder Freude – in Worte zu fassen und in eine Melodie zu kleiden.

Singen kann uns auch helfen, Träume und Sehnsüchte wachzuhalten, die über das Jetzt und Hier hinausgehen: der Traum von Freiheit (wie es bei den Sklaven war), der Traum von Liebe (um den es in sehr vielen Liedern geht), der Traum vom Frieden.

Lieder helfen uns, mit unserer hellen und dunklen Seite zu leben. Sie helfen uns auch, mit Gott zu sprechen, mit ihm zu ringen, ihm zu klagen und ihm zu danken. Sie helfen uns, uns selbst nicht auszuweichen, sondern singend neue Wege ins Leben zu suchen.

Also: Lassen Sie uns den heutigen Sonntag zum Anlass nehmen, wieder einmal zu singen. Zuhause, auf einem Spaziergang oder unter der Dusche. Oder – wenn Sie mögen – gemeinsam! Heute, Sonntagabend, beim Glockengeläut um 19.30 Uhr – wenn auch jede/r am eigenen Ort und leider nicht in unserer schönen Kirche. Hier sind Text und Noten:

Text: Fritz Baltruweit / Barbara Hustedt – alle Rechte beim tvd-Verlag, Düsseldorf

Und hier ist, wie es sich anhört:

Kantate | Gebet

Guter Gott,

wir bitten dich für alle Menschen, denen es schwerfällt, dein Lied zu singen,
weil sie bedrückt sind von Sorgen um sich, ihre Lieben, die Welt,
weil die gegenwärtige Krise ihre Existenz bedroht,
weil sie am Ende sind mit ihren Kräften.

Gib ihnen Menschen an ihre Seite, die mit ihnen einstimmen in ihre Klage,
die aber auch helfen, das Lied deiner Liebe wieder in ihnen zum Klingen bringen.

Wir bitten dich für alle, die nur noch die eigenen Melodien in ihrem Kopf haben,
die egoistisch und eng geworden sind,
weil Macht oder Vermögen ihnen den Blick verstellt
für die Not, in der andere Menschen leben.

Schenke ihnen ein Lied, das ihren Blick und ihr Herz weitet
und das sie erkennen lässt, dass denen, denen viel anvertraut ist,
auch viel Verantwortung zugetraut wird.

Wir danken dir für alle Momente, in denen wir erfahren durften, dass das Singen deines Lobes durchatmen lässt und befreit – zu neuer Hoffnung, zu neuem Vertrauen, zu neuem Leben.

Wir bitten dich für uns alle: Lass uns immer wieder das Lied deiner Liebe hören und singen.

Amen

Kantate | Nachspiel

Heute gibt es drei Nachspiel-Angebote zur Auswahl: Eine Jazz-Fassung von „Du meine Seele singe“, ein grooviges Klaviersolo über „Geh aus mein Herz“ und – aus einer ganz anderen Epoche, aber für den heutigen Sonntag auch sehr passend – die Motette „Singet dem Herrn“ von Johann Sebastian Bach.


Dran-bleiben | Sonntag, 3. Mai 2020

Ein „Lichtblick“ von Andrea Sangmeister-Behr

Er benutzt starke Bilder, Jesus, der große Erzähler von Gleichnissen. Es sind Bilder voller Leben und Fülle. Voller Kraft und Dynamik, besonders wenn er im Johannes-Evangelium über sich selbst und den Vater im Himmel spricht. Bilder, die über Jahrhunderte ohne große Erklärung verstanden werden: der Hirte, das Brot, das Licht, der Weg, die Tür, das Leben. Jedes Bild gefüllt mit Symbolik und Erinnerungen. Auch das Bild, das uns heute begegnet, ist zeitlos lebendig.

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.
Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg;
und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. […]
Bleibt in mir und ich in euch.
Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht;
denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Johannes 15, 1-5

Weinstock und Reben – da blitzt selbst jetzt im Frühling schon die Herbstsonne durch die reifen Trauben. Man möchte nach ihnen greifen und probieren, ob sie denn schon die saftige Süße erreicht haben.

Das Bild vom Weinstock, das uns Jesus zeigt, lädt fast zum Nichtstun ein, fordert uns geradezu dazu auf: Wie die Reben auf den Weinstock angewiesen sind, so bekommen seine Jünger, so bekommen wir die Lebenskraft von ihm. Nur aus dieser Verbindung heraus wachsen und reifen Früchte. Vorausgesetzt, wir „bleiben“.  Wir bleiben in ihm, wir bleiben an ihm – und Jesus an uns, so eng verbunden wie Weinstock und Rebe. Die Rebe muss den Lebenssaft nur fließen lassen und schon blüht alles auf, wächst, gedeiht, reift und trägt saftige Früchte. „Ohne mich könnt ihr nichts tun!“ Das ist ein Stück Befreiung.

Wenn wir die Poren öffnen und die Herzen nicht verschließen, dann keimt, was keimen soll. Dann wächst, was Kraft bekommt zum Wachsen. Nehmen wir uns selbst den Druck, gute Früchte produzieren zu müssen, den Erwartungen zu genügen oder dem eigenen Perfektionsdurck. Eigentlich einfach und doch manchmal schwer: Dranbleiben am Weinstock, der Kraftquelle, ist gefragt – es geht um Beziehung und um Vertrauen.

Auf der anderen Seite sehen wir uns auch mit dem Rebmesser konfrontiert. Gerade uns Lorsbachern ist es ja gut bekannt. Aus welcher Richtung wir uns auch nähern, am Ortseingang im Lorsbacher Wappen können wir es entdecken. Es stammt aus der Zeit, als hier noch Weinbau betrieben wurde – ein wichtiges Werkzeug für den Winzer.

Denn es gibt sie ja auch, die dürren Zweige und die faulen Früchte – am Weinstock und in unserem Leben. Erlebnisse, die uns bedrücken und die uns das Licht und die Luft zum Atmen nehmen. Schlechte Erfahrungen, die uns Angst machen, die uns am Aufblühen hindern. Enttäuschungen, die uns davon abhalten, Saft und Kraft in Beziehungen zu investieren. Und vielleicht auch unsere eigenen Unzulänglichkeiten oder Überheblichkeiten: dass wir mehr sein wollen als nur die Rebe, die aus sich heraus nichts tun kann.

Können wir den Winzer an uns heranlassen, um diese Last, die wir mit uns tragen, zurück zu schneiden? Wehren wir uns nicht, wenn enttäuschte Erwartungen, wenn Resignation und das Gefühl, kraft- und erfolglos zu sein, gekappt werden! Und auch dann nicht, wenn vielleicht unser Ego mal ein wenig zurecht geschnitten wird. Damit wir wieder aufatmen können. Damit der Strom des Lebens wieder fließen kann.

Vielleicht ist gerade diese Zeit, wo so viele andere Beziehungen auf Eis gelegt sind, eine gute Gelegenheit, diese besondere Verbindung neu zu entdecken und zu pflegen. Ihm einmal von uns erzählen, wie einem alten Freund oder einer vertrauten Freundin. Oder ihm vielleicht sogar mal einen Brief zu schreiben … und auf Antworten zu hoffen, wie umgekehrt auch der Winzer auf einen guten Wein.

Der Text ist angelehnt an eine Lesepredigt von Bert Hitzegrad auf www.evangelisch.de

Ein junger Organist bei der Arbeit, ein frisches Vorspiel und ein altes Kirchenlied, dessen erste Strophe sich auch auf das heutige Thema bezieht:

Dran-bleiben | Gebet

Jesus,
du bist der Weinstock.
Wir wollen in dir bleiben.
Die Kraft von dir empfangen.
Aus deiner Wurzel leben.
Aufnehmen und weiterreichen,
was du uns gibst.
Frucht bringen.
Ohne dich können wir nichts tun.
Erbarme dich!

Jesus,
du gibst die Kraft.
Aus dir strömt sie.
Gib sie denen,
die müde sind,
die erschöpft sind,
die sich aufreiben in der Sorge für andere,
deren Mut aufgebraucht ist,
die sich fürchten vor dem, was kommt.
Du bist die Wurzel, die sie versorgt.
Erbarme dich!

Jesus,
du bist die Liebe.
Du bleibst.
Bleib bei den Trauernden
und bei den Kranken
und bei den Kraftlosen.
Ohne dich können wir nichts tun.
Du bist der Weinstock.
Erbarme dich
heute und alle Tage, die kommen.

Amen

Nach dem Wochengebet der VELKD

Dran-bleiben | Nachspiel


Psalm 23 | Sonntag, 26. April 2020

Ein „Lichtblick“ von Liane Theile (Prädikantin in Ausbildung)

Täglich neue Erkenntnisse, Meinungen, wissenschaftliche und politische Auseinandersetzungen in den Medien: Das Leben ist zur Zeit sehr verwirrend und bringt große Unsicherheiten mit sich. Wir blicken manchmal nicht mehr ganz durch. Gerade jetzt brauchen wir jemanden, an dem wir uns orientieren und anlehnen können.

Ist es da nicht wohltuend, dass der 23. Psalm ( „Der gute Hirte“ ) am zweiten Sonntag nach Ostern wie eine Einladung für uns ist? Eine Einladung, dem Gott, der wie ein Hirte für uns Menschen sorgen will, zu vertrauen? Er ist der bekannteste und berühmteste Psalm; viele von uns haben ihn auswendig gelernt und tief verinnerlicht.

Auf www.evangelisch.de gibt es den Podcast „Ohrenweide“. Anlässlich der Corona-Krise hat der Schauspieler, Radio- und Hörbuchsprecher Helge Heynold dafür in seinem eigens eingerichteten improvisierten Dachkammerstudio verschiedene Texte als „Hörgeschenke“ eingelesen, so auch den 23. Psalm.

Wenn wir verunsichert sind in unserem Leben, dann sehnen wir uns oft nach Ordnung, nach Struktur, nach Geborgenheit und vielleicht auch nach so etwas wie einer Leitfigur. Und da gibt es derzeit einige, die sich als Leitfiguren anbieten, die meinen zu wissen, wie alles weitergeht. Aber werden sie die Probleme lösen können? Wie lange wird das noch dauern? Und vor allem: Wie können wir es schaffen, bis dahin durchzuhalten?

In Psalm 23 bietet sich uns der gute Hirte an. Er hat vielleicht nicht immer die schnelle Lösung oder die passende Antwort parat, aber die liebevoll führende Hand und die wärmende Nähe. Er verhindert nicht immer, dass wir durch finstere Täler gehen, aber er geht mit. Er ist so der Hirte unserer Seele.

Dieses Bild „ Christus als guter Hirte“ malte Lucas Cranach der Jüngere um 1540. Die Darstellung bezieht sich auf die Bibelstelle aus Lukas 15, wo Jesus sagt: „Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.“

Wir verstehen: Einem Hirten ist kein Schaf gleichgültig, keines will er verlieren. Das gefundene Schaf legt er auf seine Schultern, um es heim zu tragen.

Das ist es auch, was wir ersehnen, gerade jetzt in diesen Zeiten, in denen wir uns manchmal ausgeschlossen, einsam und verloren fühlen. Wir möchten in der Gemeinschaft bleiben, trotz verordneter Kontaktsperren. Wir möchten spüren, weiterhin dazuzugehören in unseren Familien- und Freundeskreisen, obwohl wir uns wochenlang nicht persönlich treffen können. Wir möchten getragen sein, wie auf dem Bild, nicht mutlos alleine durchs Leben gehen.

Den Mut nicht zu verlieren, ist in diesen Tagen nicht immer einfach. Hören wir doch täglich die neuen Zahlen der an Covid-19 Erkrankten und daran Sterbenden weltweit. Aber der gute Hirte ist nicht nur auf idyllischen Auen und an sprudelnden Bächen mit uns unterwegs, er geht uns auch nach in die Täler unserer Mutlosigkeit und unserer Einsamkeit. Gott löst die Bedrängnisse unseres Lebens nicht einfach in Luft auf, aber er lässt uns auch nicht alleine mit ihnen.

Der 23. Psalm hat schon vielen Generationen das Tor zum Gebet geöffnet. er kann sowohl für die schönen als auch für die schweren Momente im Leben hilfreich sein, für die man selbst meist keine rechten Worte findet.

Die Liedermacherin und Theologin Sefora Nelson hat den Psalm auf ihre Weise vertont:

Psalm 23 | Gebet

Du guter Hirte, Jesus Christus.
Sind wir wie irrende Schafe?
Wir sehnen uns danach,
den Weg zu kennen.
Du weißt ihn.
Zeig uns den Weg.
Zeig ihn denen,
die uns regieren,
die über uns bestimmen,
die unser Wohl wollen.
Du guter Hirte,
suchst du uns?
Bringe uns auf den richtigen Weg.
Erbarme dich.

Du guter Hirte, Jesus Christus.
Wir sind gefangen in unserer Sorge.
Du siehst die Ängste der Welt.
Schau auf die Menschen,
die keinen Ausweg sehen –
auf der Flucht,
in Lagern,
im Krieg.
Schau auf die Menschen,
die kein Zuhause haben,
wo sie Schutz finden.
Und schau auf die,
für die der Schutzraum zur Gefahr wird.
Du guter Hirte,
suchst du sie?
Steh ihnen bei und trage sie auf deinen Schultern.
Erbarme dich.

Du guter Hirte, Jesus Christus.
Siehst du den Glauben?
Siehst du die Hoffnung?
Unsere Nachbarn im Ramadan.
Unsere Geschwister in der Ferne.
Unsere Gemeinde, deine Kirche.
Dir vertrauen wir,
denn du bist bei uns,
bei dir wird uns nichts mangeln.
Tröstest du uns?
Bereite uns den Tisch und bleib bei uns.
Erbarme dich,
heute und alle Tage.
Amen.

Quelle: Wochengebet der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands VELKD

Psalm 23 | Nachspiel

In diesem Beitrag der Handglockenchöre Gotha, Gera, Aschaffenburg und Seesen, aufgenommen vom 8.-11. April, klingt die Osterfreude noch ein wenig nach:


Zweifel-los? | Sonntag, 19. April 2020

Viele Musikerinnen und Musiker produzieren in diesen Tagen Einzelbeiträge in heimischen Wohnzimmern, die dann zu einer Gemeinschaftsproduktion zusammengeschnitten werden. Der MDR-Rundfunkchor hat sich – passend zum fast schon sommerlichen Wetter – das Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ vorgenommen.

Eine Corona-Produktion des MDR-Rundfunkchors Leipzig vom 3. April 2020

Im Text unter dem Video wird auf einen interessanten Umstand hingewiesen: Als der Theologe Paul Gerhardt dieses Lied 1653 dichtete, waren die Folgen des Dreißigjährigen Kriegs noch überall zu spüren – und Pest und Pocken kosteten viele Menschen das Leben…

Ein weiteres Fundstück aus dem Internet soll den heutigen „Lichtblick“ eröffnen:

Die Geschichte vom göttlichen Kind in der Futterkrippe stellt uns ja schon vor einige gedankliche Herausforderungen: Engel sprechen mit Hirten auf einem Feld? Ein Vater, der doch nicht der Vater ist? Drei Könige, die sich auf eine wochenlange Reise machen, nur um einem Neugeborenen edle Geschenke zu bringen?

Aber Ostern setzt noch eins drauf: Jesus steht von den Toten auf? Nach dem qualvollen Tod am Kreuz und zwei Tagen im Grab wandelt er wieder quicklebendig durch die Weltgeschichte? Das kann doch nicht sein. Die, die das erzählen, die bilden sich doch was ein. Die wollen das einfach gerne glauben. Mit der Realität, wie wir sie kennen, kann das nichts zu tun haben.

Genau so denkt auch Thomas. Einer von den zwölf Jüngern. Einer, der miterlebt hat, dass Jesus manchmal Dinge getan hat, die sich niemand erklären konnte. Wer war dieser Thomas? In der Bibel wird nur an wenigen Stellen über ihn berichtet. Und es gibt zwei Gedenktage für ihn:

Thomas wird also einerseits als Mann beschrieben, der keine halben Sachen macht. Der nicht halbherzig ist, sondern der bereit ist, aufs Ganze zu gehen und notfalls sogar das eigene Leben aufs Spiel zu setzen. Andererseits ist Thomas als „Zweifler“ in die Geschichte eingegangen, zuweilen wird er auch als der „ungläubige Thomas“ bezeichnet. Und das hat mit dem Evangelium zu tun, das für den heutigen Sonntag vorgeschlagen ist und das wir in Johnnes 20, 24-29 finden (Klick auf die Bibelstelle führt zum Text).

Caravaggio, der große italienische Maler des Frühbarock (1571-1610), hat die hier beschriebene Szene in einem seiner berühmtesten Bilder eingefangen:

Der „Ungläubige Thomas“ von Michelangelo Merisi da Caravaggio (heute im Schloss Sanssouci in Potsdam)

In einem Beitrag des Deutschlandfunks heißt es dazu:

Tief, unerträglich tief, ist der rechte Zeigefinger in die Seitenwunde eingedrungen. Sein Druck hat den Wundrand hochgeschoben und lidförmig aufgewölbt. Kein Blut fließt, kein Sekret tritt aus, totenblass das offene Fleisch, in dessen Inneres Thomas mit dreistem Finger vorgedrungen ist. […] Thomas sticht mit dem Zeigefinger weit hinein in die Wunde. […]

Im scharfen Kontrast dazu die Haltung Jesu. Er hat nicht nur bereitwillig seine Seitenwunde bloßgelegt, mit seiner Linken hält er zudem Thomas‘ Handgelenk umfasst und führt dessen Hand sanft, aber bestimmt an seine Wunde. Den Kopf hat Jesus nach unten geneigt und blickt auf das Geschehen. Ergebenheit, Nachsicht und Geduld sprechen aus seinen Zügen. Mit aufgerissenen Augen und steil hochgezogenen Stirnfalten hingegen Thomas. Weit nach vorne gebeugt, beobachtet er angestrengt, wie sein rechter Zeigefinger in Jesu Seitenwunde eindringt. […] Als suche sich der Ungläubige über das bloße Berühren hinaus, einen Weg hin zu dem zu bahnen, der tief in diesem sterblichen Fleisch verborgen sein soll, um so das Wunder des Glaubens zu erfahren.

Und obwohl das Johannesevangelium eigentlich gar nicht explizit berichtet, dass Thomas Jesus wirklich berührt hat, vermitteln sich in diesem Bild doch die beiden Welten, die sich hier begegnen, auf höchst eindrucksvolle Weise genau so, wie sie auch in der Bibel beschrieben sind:

Thomas ist im Grunde gar nicht „ungläubig“, aber er ist eben auch nicht leichtgläubig. Er macht es sich mit dem Glauben nicht leicht. Er will der Sache auf den Grund gehen, will den Finger in die Wunde legen. Er ist eben nicht zweifel-los: Kann das wirklich sein? Sind die anderen vielleicht alle verrückt? Sehen sie vielleicht nur Gespenster? Ich muss ihm selbst begegnen, ihn persönlich treffen. Dann werde ich es vielleicht glauben können.

Und Jesus sagt quasi: Du musst nicht über jeden Zweifel erhaben sein. Du darfst mit deinem Zweifel zu mir kommen. Ich begegne dir gerne genau so, wie du es brauchst. Noch bevor du ein Wort gesagt hast, weiß ich schon, was du gerne möchtest: „Reiche deinen Finger her…“ Jesus lässt uns an unserem Zweifel nicht verzweifeln. Wer nicht glauben kann, darf fühlen.

Bin ich erst dann wirklich gläubig, wenn ich alle Zweifel los bin? Nein! Ich bin auf einem guten Weg, wenn ich mich mit meinen Zweifeln auf den Weg zu Jesus mache. Und vielleicht könnte die Jahreslosung 2020 ein guter Beginn für mein Gebet sein: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben…“ (Markus 9, 24).

Zweifel-los? | Gebet

Guter Gott,

manchmal nagt der Zweifel in uns,
ob wir dir auch so begegnen können, wie Thomas es gatan hat,
ob es sich überhaupt lohnt, mit dir zu reden,
ob wir wirklich auf dich und deine Hilfe hoffen sollen.
Wir kommen mit unserem Zweifel zu dir.
Wir wollen glauben.
Hilf unserem Unglauben.

Manchmal nagt der Zweifel in uns,
ob du uns auch so nah an dich heranlässt, wie du es mit Thomas getan hast,
ob wir gut genug sind,
ob wir unser Leben richtig investieren.
Wir kommen mit unserem Zweifel zu dir.
Wir wollen glauben.
Hilf unserem Unglauben.

Manchmal nagt der Zweifel in uns,
ob wir es schaffen, die Corona-Krise zu meistern,
ob die es schaffen, die so viel schlechtere Voraussetzungen haben als wir,
ob die Welt, in der wir leben, vielleicht insgesamt aus den Fugen gerät.

Sei du bei denen, an die niemand denkt.
Stärke die, die sich für andere einsetzen und lass sie gesund bleiben.
Und lass sie und uns alle nicht verzweifeln.

Amen


Ostersonntag, 12. April 2020

Das Grab ist leer. Er ist auferstanden!
Wie würde sich diese Nachricht heute verbreiten?

Übersetzung: „Vor langer Zeit haben sie sich ungefähr so gefühlt, als es passierte. Und heute sollten wir uns eigentlich ähnlich fühlen. Denn was es für sie bedeutet hat, bedeutet es auch für uns.“

Auch wenn in diesem Jahr keine Gottesdienste zu Ostern gefeiert werden dürfen, ist eines gewiss: Ostern fällt nicht aus! Die Botschaft von Ostern tut uns in diesem Jahr sogar besonders gut. Denn Ostern bedeutet: Aus Trauer wird Freude, aus Angst wird Mut, aus Verzweiflung wird Hoffnung.

Nach einem kurzen Orgelvorspiel (gespielt von Niklas Lederer) greift Pfarrerin Kerstin Heinrich diese Gedanken in ihrer Predigt auf:

Gebet

Barmherziger Gott, du schenkst uns immer wieder neue Hoffnung. Licht in der Dunkelheit. Du zeigst uns neue Wege, wenn wir meinen, in eine Sackgasse geraten zu sein.

Wir bitten heute besonders für die Menschen, die so verzweifelt und traurig sind, dass sie dein Hoffnungslicht nicht erkennen können.
Wir bitten dich: Schenke neues Leben.

Wir bitten dich für die Kranken. Gib ihnen Kraft. Hilf ihnen, Schmerzen und Ungewissheit zu bestehen. Lass sie Wege sehen, die sie gehen können.
Wir bitten dich: Schenke neues Leben.

Wir bitten dich für die Traurigen. Für die, in denen es so dunkel geworden ist, dass sie kein Licht am Ende des Tunnels mehr sehen. Gehe du an ihrer Seite, rühre sie an mit deiner Liebe.
Wir bitten dich: Schenke neues Leben.

Menschen sind bedroht von Krieg. Ihre Wohnungen werden zerstört, Land wird verwüstet. Gott stärke die Kräfte des Friedens. Lass mich das, was ich vermag, dazu beitragen.
Wir bitten dich: Schenke neues Leben.

Gott, du zeigst uns immer wieder Wege, die wir gehen können. Hilf, dass wir sie auch erkennen, dass wir die Kraft zum Aufbruch in uns spüren und erkennen: Du hast uns viel mit auf den Weg gegeben. Lass uns deine Liebe weitertragen und so selbst zu Wegweisern zu werden für andere.
Wir bitten dich: Schenke neues Leben.

Nachspiel

Das Nachspiel kommt heute von dem Kölner Pianisten Timo Böcking und seinen Freunden. Über dem Gospel-Groove des Klaviers erzählen die Sängerinnen und Sänger: „Hör zu! Du wirst nicht glauben, was wir heute morgen gesehen haben, als wir zum Grab von Jesus gegangen sind. Keine Steine mehr, die waren weg. Nur ein Engel war da, der hat uns gesagt: Erinnert euch! Der Sohn Gottes ist auferstanden… Jesus ist auferstanden von den Toten – genau wie er gesagt hat…“

Im Mittelteil wird der Song dann zu einem Gebet: „Es tut mir leid, Gott, dass ich dir wieder einmal nicht vertraut habe, obwohl du mir doch versprochen hast, dass alle deine Worte wahr werden. Hilf mir, Gott, deine Worte immer in meinen Gedanken zu behalten, damit ich nie im Dunkeln tappe, selbst wenn ich blind bin. Danke für das größte Geschenk, das du mir jemals gemacht hast: dass du mir dein Leben und deine Liebe gegeben hast, um mich frei zu machen.“


Vorschau auf den Ostersonntag

Am Ostersonntag werden um 10 Uhr die Glocken unserer Kirche läuten. Wenn Sie das hören, dann lohnt es sich, die Fenster weit aufzumachen, denn anschließend werden vom Kirchturm aus Trompetenklänge durch Lorsbach schallen. Heiko Herrmann, Anton Lauer und Rebekka Herrmann werden den Oster-Hymnus „Christ ist erstanden“ (EG 99) und das Lied „Wir wollen alle fröhlich sein“ (EG 100) spielen. Wer mitsingen will, findet die Texte weiter unten in diesem Beitrag.

Im Anschluss finden Sie noch ein paar Impressionen aus unserer Kirche, die uns freundlicherweise die Lorsbacher Fotografin Sabine Kristan (www.sabinekristan.de) zur Verfügung gestellt hat – herzlichen Dank! Und ein genauso herzlicher Dank geht an dieser Stelle wieder einmal an die „Rosenzauberin“ Linda Fischer, die das ganze Jahr über dafür sorgt, dass immer ein schöner, frischer Blumengruß auf unserem Altar steht!

Christ ist erstanden / von der Marter alle / des solln wir alle froh sein / Christ will unser Trost sein / Kyrieleis / Wär er nicht erstanden / so wär die Welt vergangen / seit dass er erstanden ist / so lobn wir den Vater Jesu Christ‘ / Kyrieleis / Halleluja, Halleluja, Halleluja / Des sollen wir alle froh sein / Christ will unser Trost sein / Kyrieleis.

1) Wir wollen alle fröhlich sein / in dieser österlichen Zeit / denn unser Heil hat Gott bereit‘. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja / gelobt sei Christus, Marien Sohn.

2) Es ist erstanden Jesus Christ / der an dem Kreuz gestorben ist / ihm sei Lob, Ehr zu aller Frist. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja / gelobt sei Christus, Marien Sohn.

3) Er hat zerstört der Höllen Pfort / die Seinen all herausgeführt / und uns erlöst vom ewgen Tod. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja / gelobt sei Christus, Marien Sohn.


Karfreitag, 10. April 2020

Unzählige Passions-Aufführungen hätte es wohl auch in diesem Jahr wieder gegeben. Alle sind wegen des Corona-Virus abgesagt worden – auch die geistliche Abendmusik, die der Ökumenische Chor heute in der Lorsbacher Kirche aufgeführt hätte.

Der zweite Teil der „Johannes-Passion“ von Johann Sebastian Bach wird mit dem folgenden Choral eröffnet, der einen Kurz-Überblick über das Passions-Geschehen gibt: Christus, der uns selig macht / kein Bös hat begangen / der ward für uns in der Nacht / als ein Dieb gefangen / geführt vor gottlose Leut / und fälschlich verklaget / verlacht, verhöhnt und verspeit / wie denn die Schrift saget.

Nun ist Johann Sebastian Bach ohne Zweifel einer der bedeutendsten Komponisten, der je gelebt hat. Aber stehen uns diese altertümlichen Texte heute nicht manchmal eher im Weg, wenn wir uns mit der Passions-Geschichte beschäftigen wollen? Wie können wir 2020 den Karfreitag begehen? Darüber hat sich unsere Pfarrerin Kerstin Heinrich Gedanken gemacht – und diese Gedanken hat sie in eine Video-Predigt verpackt. Niklas Lederer hat diese Predigt in der Lorsbacher Kirche gefilmt und als Vorspann und Nachklapp jeweils mit einem selbst eingespielten Orgelstück versehen.

Karfreitag | Gebet

Seht, welch ein Mensch!

Über dich, Christus, hat man das gesagt.
Als du dagestanden bist.
Zum Tode verurteilt.
Mit Dornenkrone auf dem Kopf.
Wehrlos. Verspottet. Geschlagen.

Seht, welch ein Mensch!

Manchmal, da wünschte ich,
du würdest aufstehen.
Allmächtig gegen das Virus, gegen die Kriege,
gegen den Egoismus.
So bist du nicht.
Du stellst Dich nicht über uns.
Du stellst Dich neben uns.

Seht, welch ein Mensch!

Ich sehe dich. Und fühl mich nah.
Ich weiß nicht, wie das kommt.
Mehr Gefühl als Gedanke.
Eine Rührung, die tröstet.
Und stärkt. Und in Bewegung bringt.
Die verbinden kann – trotz Abstandsregeln.

Seht, welch ein Mensch!
Seht, welch ein Gott!

Du bist uns nah, du Mensch, du Gott.
Du bist bei jedem Menschenkind.
Auf den Intensivstationen, in Italien, in Spanien, bei uns.
In einsamen Wohnungen.
Auf der Straße bei Menschen ohne Hoffnung.
Bei allen, die in Angst sind und in Sorge.
Bring ihnen die Liebe mit.
Und Menschen, die sie stärken:
Die die Kranken pflegen.
Die uns mit Lebensmitteln versorgen.
Die nach Medikamenten forschen.
Die uns regieren und Lösungen suchen.
Die Zuversicht verbreiten.
Und so viele andere, die sich einsetzen.
Erschöpft und doch voller Kraft.

Seht welche Menschen!

Bleib du bei ihnen.
Bleib du bei uns, du Mensch, du Gott.
Berühre und bewege uns. Umhülle uns mit deiner Liebe.
Damit wir mutig durch diese Zeit kommen.

Amen

Text: Doris Joachim, Referentin für Gottesdienst
© Zentrum Verkündigung der EKHN
In Zeiten des Coronavirus – 26. März 2020

Karfreitag | Lied


Palmsonntag, 5. April 2020

Das Vorspiel kommt heute von „Genesis Brass“, einem Ensemble von Blechbläsern aus verschiedenen Berliner Orchestern.

Christinnen und Christen in aller Welt erinnern sich an Palmsonntag an Jesus‘ triumphalen Einzug in Jerusalem. Einen Bericht davon finden wir in Johannes 12, 12-19 (ein Klick auf den Link führt zum Bibeltext). Von den Menschen in der Stadt wird Jesus als König empfangen. Sie breiten ihre Kleider vor ihm auf dem Boden aus und begrüßen ihn mit Palmzweigen. Nur das Reittier, das er sich ausgesucht hat, passt nicht so ganz zum königlichen Bild. Ein Kirchenfenster erzählt davon:

Warum feiern die Menschen Jesus? Sie haben mitbekommen, dass er ein besonderer Mann ist. Vielleicht sogar der Messias, den viele erwarten. Man erzählt sich, dass er einen Toten wieder zum Leben erweckt habe. Wenn dieser Mann die Herrschaft übernehmen würde, dann würden bestimmt bessere Zeiten anbrechen. Vielleicht könnte man sogar die römischen Besatzer aus dem Land verjagen…

Die aufgewühlt-revolutionäre Stimmung in Jerusalem haben sich die Macher des Films „Die Bibel – Jesus“ (1999 in der ARD erstausgestrahlt) so vorgestellt:

Doch wir wissen, dass Jesus all diese revolutionären Hoffnungen enttäuscht. Es geht auf Karfreitag zu, auf den Tod am Kreuz, dem Hinrichtungsinstrument der römischen Besatzungsmacht.

Bei der Gerichtsverhandlung bringt Pilatus, der Statthalter des römischen Kaisers in der Provinz Judäa, das Thema noch einmal auf den Tisch. Er fragt Jesus direkt: „Bist du der König der Juden?“ Und Jesus antwortet: „Das Reich, dessen König ich bin, ist nicht von dieser Welt.“ (Die ganze interessante Verhandlung ist nachzulesen in Johannes 18).

Mit dieser Antwort kann Pilatus nicht so richtig etwas anfangen. Und auch wir tun uns ja oft schwer mit diesem Thema. Die Sache mit Jesus und dem Glauben an ihn, sie scheint oft so weit jenseits unserer Realitäten zu sein.

Und selbst den Jüngern, die ja täglich mit Jesus gelebt haben, ging es immer wieder so. Sie haben beispielsweise auch der Wahl des Reittiers beim Einzug in Jerusalem zunächst keine Bedeutung zugemessen. Dabei ist es doch verwunderlich, dass der vermeintliche König Jesus nicht auf einem Schlachtross oder einem Streitwagen in die Stadt einzieht, sondern auf einem Esel, dem Lasttier der einfachen Händler. Erst im Nachhinein, als Jesus schon nicht mehr bei ihnen ist, dämmert den Jüngern, dass die Wahl dieses Tiers der Erfüllung einer alten Prophezeiung diente: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel.“ (Sacharia 9, 9)

Wahrscheinlich bleibt uns einfach nichts anderes übrig, als die Spannung auszuhalten, dass wir es mit einem König zu tun haben, dessen Reich „nicht von dieser Welt“ ist. Wir können aber darauf vertrauen, dass er als „Gerechter“ und als „Helfer“ sich unseren Bitten um Hilfe und Gerechtigkeit nicht verschließen wird. Mehr noch, er sagt uns sogar zu: „Euer Vater im Himmel weiß, was ihr braucht. Sucht zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere dazugegeben.“ (Matthäus 6, 33)

Also doch ein Grund, mit einzustimmen in eines der Königs-Lieder aus dem Evangelischen Gesangbuch (Nr. 327):

1) Wunderbarer König, / Herrscher von uns allen, / laß dir unser Lob gefallen.
Deine Vatergüte / hast du lassen fließen, / ob wir schon dich oft verließen.
Hilf uns noch, / stärk uns doch; / laß die Zunge singen, / laß die Stimme klingen.

2) Himmel, lobe prächtig / deines Schöpfers Taten / mehr als aller Menschen Staaten.
Großes Licht der Sonne, / schieße deine Strahlen, / die das große Rund bemalen.
Lobet gern, / Mond und Stern, / seid bereit, zu ehren / einen solchen Herren.

3) O du meine Seele, / singe fröhlich, singe, / singe deine Glaubenslieder;
was den Odem holet, / jauchze, preise, klinge; / wirf dich in den Staub darnieder.
Er ist Gott / Zebaoth, / er nur ist zu loben / hier und ewig droben.

Text und Melodie: Joachim Neander 1680

Palmsonntag | Gebet

Guter Gott,

wir wünschen uns, dass deine königliche Macht öfter sichtbar wird und dem Unheil in der Welt etwas entgegensetzt:

– dem Corona-Virus, das so viele Menschen gesundheitlich und wirtschaftlich an ihre Grenzen bringt
– dem Hass von Menschen auf andere Menschen, der zu Terror und Gewalt führt
– der Zerstörung unserer Umwelt durch rücksichtslose Ausbeutung und Konsum

Wir bitten dich um deine Hilfe für uns und unsere Lieben, vor allem aber auch für die, die in ganz anderen Verhältnissen leben als wir:

– in Flüchtlingslagern und Favelas
– in Staaten, die keine Meinungsfreiheit zulassen, sondern die Menschen dazu zwingen, die Regierungspropaganda zu glauben
– in Gebieten, die keine Versorgung mit sauberem Trinkwasser oder anderen lebensnotwendigen Grundlagen haben

Guter Gott, du Gerechter, verhilf du ihnen zu ihrem Recht.

Und lass uns handeln, wo wir etwas zu deinem Reich und deiner Gerechtigkeit beitragen können.

Amen

Palmsonntag | Nachspiel


Sonntag, 29. März 2020

Abgeschottet, eingeigelt – und nur eines im Sinn: dass „es“ hoffentlich irgendwann vorbei ist. Der heutige „Lorsbacher Lichtblick“ beschäftigt sich mit der Tageslosung für den heutigen Sonntag: Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad. (Psalm 142, 4)

Für … Sorge | Orgelvorspiel

Ein „Orgelgruß“ aus der (leider auch leeren) Dresdner Frauenkirche vom 22. März 2020

Für … Sorge | Gedanken

Ängste sind ja leider ziemlich zuverlässige Begleiter in diesen Tagen. Immer wieder beschleichen sie uns. Ab und zu überfallen sie uns. Hin und wieder können wir sie verdrängen, dann verlieren sie ihre bedrohliche Dominanz. Doch manchmal verstricken wir uns auch immer tiefer in sie hinein, verlieren uns in ihnen wie in einem Labyrinth.

Angst hat auch der Autor des Psalm-Verses, David, der spätere König. Er ist in großer Bedrängnis. Auf der Flucht vor Saul, seinem Verfolger, ist er in einer Höhle untergetaucht. Und nun steht Saul plötzlich im Eingang ebendieser Höhle. David sitzt in einer Falle.*

Was tut David in dieser Situation? Er ruft sich ins Gedächtnis, dass er einen Verbündeten hat. Einen, der über den Dingen steht, außerhalb des Systems. Er macht sich bewusst: Gott weiß, in welcher Situation ich bin. Er weiß, wie ich dort hingekommen bin. Und er weiß vielleicht auch, wie ich wieder herauskomme. „Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad“. Gott kennt mein Bewegungsprofil, er hat mich auf seinem Radar.

Und weil das so ist, kann ich einen Notruf senden, kann meine Ängste fassen und formulieren, beim Schopf packen und aussprechen. Im neuen Testament finden wir sogar eine direkte Aufforderung dazu: „Alle eure Sorge werft auf ihn …“. Hier sind also nicht unbedingt wohlformulierte Gebete gefragt. Ich kann Gott ganz einfach und direkt mit meinen Sorgen und Ängsten konfrontieren. Und der Vers geht noch weiter: „… denn er sorgt für euch“ (1. Petrus 5,7). Gott hat versprochen, unsere Gebete zu hören. Und er nimmt unsere Ängste und Sorgen hinein in seine „Für-Sorge“ für uns. Das könnte uns doch einen Versuch wert sein.

Micha Häckel

* Wer die Geschichte nachlesen will, kann das in 1. Samuel 24, 1-23 tun (einfach auf die Bibelstelle klicken). Es stellt sich nämlich heraus, dass Saul nur in die Höhle gekommen ist, um seine Notdurft zu verrichten (umschrieben mit der Formulierung „um seine Füße zu decken“). Davids Begleiter sehen die Chance, den Spieß umzudrehen. Aber David entscheidet sich anders…
Wer den kompletten Psalm nachlesen will, kann das hier tun.

Für … Sorge | Lied

Für … Sorge | Gebet

Ratlos sind wir, Gott, angesichts der schwierigen globalen Herausforderungen
– und wir bringen unsere Ratlosigkeit vor dich.

In Sorge um die Menschen weltweit sind wir, weil wir uns durch die rasante Ausbreitung des Virus bedroht fühlen
– und wir bringen unsere Sorge vor dich.

Bedrückt sind wir, wenn wir an all die denken, die sich in der Quarantäne alleingelassen fühlen
– und wir bringen ihre Einsamkeit vor dich.

In Angst sind wir um die Menschen, die in den Krankenhäusern ums Überleben kämpfen
– und wir bringen die Verzweiflung aller Angehörigen vor dich.

Dankbar sind wir für alle Menschen, die sich unermüdlich im medizinischen Bereich und im Bereich der Lebensmittelversorgung für das Allgemeinwohl einsetzen
– und wir bringen unseren Dank für sie vor dich.

Mitten hinein in unsere Angst schenkst du uns das Leben.
Du schenkst uns Gemeinschaft und die Fürsorge unserer Freunde und Nachbarn.
Du schenkst uns Inspiration, Freundlichkeit und Mut.
Du schenkst uns deine Fürsorge für uns, den Glauben, die Liebe und die Hoffnung.
Dir vertrauen wir uns an – heute und morgen und an jedem neuen Tag.

Amen

Nach einer von der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands auf velkd.de veröffentlichten Idee.

Für … Sorge | Lied

Nochmal ein Beitrag aus Dresden, diesmal aber vokal.

Sonntag, 22. März 2020

Ein Satz aus dem Predigttext für den aktuellen Sonntag (22. März) war 2016 die ökumenische „Jahreslosung“. In den folgenden Beiträgen finden Sie Gedanken, Gebete und Lieder dazu. So können Sie bei sich zuhause einen eigenen Mini-Gottesdienst feiern.

Mutter-Trost | Lied

Ein Lied von Arne Kopfermann

Mutter-Trost | Gedanken

Natürlich: Nicht alle Mütter trösten gleich oder gleich gut. Nicht alle Kinder – egal, ob kleine oder inzwischen erwachsene – haben nur gute Erfahrungen mit ihren Müttern. Trotzdem schwingen im Bild der tröstenden Mutter bestimmt für viele von uns positive Gedanken mit. Für den einen dieser, für die andere jener. Suchen Sie sich doch einfach einen oder mehrere aus:

Unsere Mutter kennt uns sehr gut, sie hat uns aufgezogen und aufwachsen sehen, sie kennt unseren Charakter +++ Sie weiß, was uns gut tut und was wir gerne mögen +++ Sie weiß oft, was wir gerade brauchen +++ Sie hat uns versorgt und und tut das möglicherweise immer noch +++ Sie hat oft für uns vorausgedacht +++ Sie hatte schon oft das kleine Extra für uns, eine kleine Überraschung , die über das Notwendige oder das Vereinbarte hinaus ging +++ Sie hat uns vielleicht auch vor manchem bewahrt, möglicherweise sogar ohne dass wir es gemerkt haben +++

Bestimmt haben Sie noch weitere eigene Erfahrungen oder Erinnnerungen. Denken Sie doch mal einen Moment darüber nach …

Wie kann das nun praktisch werden, dass wir Gottes Mutter-Trost erfahren? Gerade in diesen Zeiten, in denen wir uns Sorgen machen um unsere Gesundheit oder unser wirtschaftliches Überleben. In denen wir vielleicht auch schon den einen oder anderen Nackenschlag einstecken mussten. Es gibt eine naheliegende Chance: Wir können überhaupt erst einmal versuchen, uns von ihm trösten zu lassen. Indem wir nicht trotzig weglaufen, nicht in der Ecke schmollen und nicht im Selbstmitleid versinken. Indem wir auch nicht einfach weitermachen mit Weitermachen. Indem wir uns auch nicht vom nächstbesten Unterhaltungsangebot ablenken lassen.

Wenn wir daran glauben, dass Gott nicht nur irgendeine Denkfigur ist, sondern dass es ihn wirklich gibt – nur eben so, dass wir ihn in unseren Dimensionen nicht erfassen können -, dann könnten wir ihm doch einfach einen Moment Zeit schenken. Ein paar Minuten. Vielleicht kommt uns etwas in den Sinn. Ein Gedanke, ein Lied, ein Text aus der Bibel oder anderswoher? Vielleicht kommt auch ein Anruf von einem lieben Menschen dazwischen?

Lassen wir uns doch einmal darauf ein. Denn eins steht fest: Trost kann einem nicht aufgezwungen werden – man muss sich schon trösten lassen.

Micha Häckel

Mutter-Trost | Gebet

Lass dir erzählen, Gott, wie es uns geht.
In diesen Tagen.
Wo alles so anders ist.
So durcheinander.
Wo die Sonne lacht – und wir die Freude vergessen.
Wo die Natur neues Leben hervorbringt – und wir in Ängsten sind.

Tröste uns, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Alten in den Pflegeheimen,
die wir nicht mehr besuchen dürfen wie sonst.
Und den Kranken,
die meist ohne ihre Lieben in den Krankenhäusern sind.
Allen Menschen, die in ihren Wohnungen bleiben müssen
und die Einsamkeit fürchten.

Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Kindern, die die Sorge der Erwachsenen spüren.
Den Jugendlichen, für die Ruhe halten so schwer ist.
Den Eltern, die jetzt so viele Lösungen finden müssen.
Allen Menschen, die um ihre Existenz fürchten.

Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Menschen, die sowieso schon am Ende ihrer Kräfte sind.
In den Flüchtlingslagern in Griechenland und anderswo.
In den griechisch-türkischen Grenzgebieten.
Und lass dir erzählen von den vielen Menschen,
dort und hier,
die helfen und nicht müde werden.

Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Gott, schütte sanft deinen Trost über uns aus.
Der uns umhüllt.
Und Segen dazu.
Der uns immun macht
gegen die Panik.
Sage zu unserem ängstlichen Herzen:
„Beruhige dich.“
Sprich zu unserer verzagten Seele:
„Ja, die Gefahr ist da. Aber ich bin bei dir.“

Und noch dazu und allem zum Trotz:
Gib uns die Freude wieder.
An der Sonne.
An der aufbrechenden Natur.
An den Menschen, die wir lieben.
An dir, du Gott des Lebens.
Damit wir mutig durch diese Zeit gehen.

Amen

Doris Joachim, Referentin für Gottesdienst
publiziert auf www.ekhn.de
(externer Link)

Mutter-Trost | Lied

Der Klassiker von Paul Gerhardt