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Vorschau auf Pfingstsonntag

Liebe „Lichtblickerinnen“ und „Lcihtblicker“,

endlich ist es soweit! Wir sind nicht mehr nur auf das Internet angewiesen, sondern können uns auch „in echt“ treffen. Am Pfingstsonntag wird es insgesamt drei Gelegenheiten geben, miteinander Gottesdienst zu feiern:

a) ab 10 Uhr live auf dem Zimmerplatz in Lorsbach. Wir haben nachgemessen: Wenn wir die Abstands- und Hygieneregeln einhalten, finden dort ca. 65 Personen Platz. Stühle und Bänke stellen wir bereit. Personen, die in einem Haushalt leben, können natürlich enger beieinander sitzen oder stehen, alle anderen müssen den Abstand einhalten. Bläser werden uns musikalisch erfreuen – auch wenn wir leider nicht singen dürfen!

b) per Live-Übertragung ins Internet. Die methodistische Gemeinde in Lorsbach überträgt ihre Gottesdienste schon seit einiger Zeit auf der Plattform „Zoom“ ins Internet. Da wir den Pfingstgottesdienst gemeinsam feiern, wird es diese Möglichkeit auch am Sonntag geben. Wer die Zugangsdaten dafür haben möchte, soll bitte bis spätestens Sonntag um 9 Uhr eine Mail an m.haeckel@evkirchelorsbach.de schreiben.

c) als „Lorsbacher Lichtblick“. Auch am Sonntag werden wir die Inhalte unseres gemeinsamen Gottesdienstes als „Lichtblick“ aufarbeiten. Dort kann man sich dann alles im eigenen Tempo betrachten – als Wiederholung oder ganz unabhängig vom Geschehen auf dem Zimmerplatz.

Viele Grüße und bis Sonntag!
Ihre Evangelsiche und Evangelisch-methodistische Kirche in Lorsbach


Exaudi | Sonntag, 24. Mai 2020

Ein „Lichtblick“ von Corinna Häckel

Präludium aus dem Dresdener Stadtteil Loschwitz – an der Orgel: Kantor Tobias Braun

Am Anfang dieses „Lichtblicks“ soll heute mal ein positiver Aspekt der Corona-Zeit stehen: Haben Sie die Wochen der Pandemie auch genutzt, um sich auf neue Wege zu begeben? Neue Routen zu erkunden? Zum Beispiel, weil die Entschleunigung durch abgesagte Verpflichtungen Platz für ausgedehntere Spaziergänge oder Wanderungen ermöglicht hat?

Wir wohnen jetzt schon einige Jahre hier in Lorsbach und ich muss sagen: Ich habe meine Umgebung in den letzten Wochen zum Teil noch einmal ganz neu kennen gelernt. Habe mich auf neue Pfade begeben und teilweise herrliche Entdeckungen gemacht. Bin aber auch manchmal in Sackgassen gelandet und konnte nicht immer alle Hindernisse (wie zum Beispiel umgestürzte Bäume) mit Leichtigkeit überwinden. Dabei habe ich viele Richtungs-Entscheidungen getroffen. Wobei natürlich klar war, dass keine allzu gravierenden Folgen zu befürchten waren, wenn ich einmal ungünstig abgebogen bin.

Am Donnerstag haben wir Christi Himmelfahrt gefeiert. Für die Jünger war das nicht wirklich ein Feiertag, wie wir im Beitrag unserer Pfarrerin lesen konnten. Jesus war in den Himmel zurückgekehrt und ging nun nicht mehr sichtbar voran. Sie konnten nicht mehr einfach hinterherlaufen. Ich frage mich immer mal wieder, wie sich das damals für die Freunde Jesu angefühlt haben muss. Sie waren es doch über Jahre gewohnt gewesen, Jesus einfach zu folgen. Ihm blind zu vertrauen. Seine Wegbegleiter zu sein. Mit Christi Himmelfahrt war das radikal anders geworden.

Jetzt hieß es an Wegkreuzungen selbst die Richtung zu wählen und eigentverantwortlich loszugehen. Ich stelle mir vor, dass das Sorgen und Ängste ausgelöst hat. Andererseits haben sich dadurch vieleicht auch neue Perspektiven ergeben. Möglicherweise war es für den einen oder anderen sogar motivierend, im persönlich passenden Tempo Schritte in eine selbst gewählte Richtung gehen zu können.

Auf meinem Lebensweg kenne ich diese unterschiedlichen Phasen:  Momente, in denen ich froh bin, dass der Weg klar ist und ich das Ziel vor Augen habe. Dann wiederum Momente, in denen ich mich orientierungslos umblicke und den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe.

Der heutige Sonntag „Exaudi domine vocem meam“ – „Herr höre meine Stimme“ (Psalm 27, 7) erinnert uns genau an diese schwierige Lage der Apostel damals nach Himmelfahrt. Er nimmt uns hinein in den Hilferuf der zurückgelassenen Freunde Jesu. Denen es vielleicht sogar nicht einmal mehr nach rufen zumute war. Diesen Gedanken greift Pastor Jonathan Overlach aus der Evangelischen Kirchengemeinde Bennigsen-Lüdersen (Niedersachsen) in einem kurzen Video auf, das er aktuell für seine Gemeinde gedreht hat:

Vielleicht reicht manchmal tatsächlich auch ein schlichtes Seufzen. Wie tröstlich und erleichternd.

Wir Menschen bewegen uns ja momentan weltweit alle auf unsicheren Pfaden. Weder Wissenschaftler noch Politiker können uns sagen, wo die Reise hingehen wird.

In dem Psalm, aus dem der Name des heutigen Sonntags stammt, heißt es an anderer Stelle: „Herr, weise mir deinen Weg“ (Psalm 27, 11). Und da kommt mir in den Sinn, dass Jesus seinen Jüngern ja sogar gesagt hat: „Ich bin der Weg“ (Johannes 14, 6). Das nimmt uns die Entscheidung, hier oder da hin zu gehen, natürlich nicht ab. Aber wenn wir versuchen, mit ihm in Kontakt zu bleiben, dann können unsere Wege vielleicht gesegnet sein unabhängig davon, ob wir links- oder rechtsherum gegangen sind. Ein Seufzer nach oben, bevor wir losgehen, ist auf jeden Fall bestimmt kein Fehler…

Lange vor seiner Himmelfahrt hatte Jesus die Jünger in einer schwierigen Situation schon einmal gefragt, ob sie lieber ohne ihn durchs Leben gehen wollen. Damals hatte Petrus geantwortet: „Herr, wohin sonst sollten wir gehen?“ (Johannes 6, 68). Und diese Frage nach der Alternative stellt sich natürlich auch für uns heute noch:

Exaudi | Gebet

Jesus Christus, Gott im Himmel und auf Erden,
wir bitten dich um dein Erscheinen,
wo du zu fehlen scheinst,
bei denen, deren Lebensperspektiven bedroht sind,
bei denen, die kalt und leer geworden sind
und verschlossen in ihren engen Kreisen,
bei denen, die nur noch weg wollen und nicht wissen wohin.
Wir rufen: Herr, erbarme dich.

Jesus Christus, Gott zwischen Himmel und Erde,
wir bitten dich um dein Erscheinen,
wo du dich zu entziehen scheinst,
bei denen, die Angst haben vor der Zukunft,
bei denen, die nicht glauben können an deinen Weg mit uns,
bei denen, die Reichtum oder Rasse, technisches Vermögen
oder den vermeintlich unentwegten Fortschritt an deine Stelle setzen.
Wir rufen: Herr, erbarme dich.

Jesus Christus, Gott im Himmel und auf Erden,
wir bitten dich um dein Erscheinen,
wo du fern zu sein scheinst,
in unserer Verworrenheit,
die wir das Nächste, deine Nähe nicht sehen,
die wir nicht spüren können,
wie du dich unentwegt nach uns sehnst und uns suchst.
Wir rufen: Herr, erbarme dich.

Nach dem Wochengebet der VELKD

Exaudi | Nachspiel

Der schon zitierte Psalm schließt mit der Aufforderung „Hoffe auf den Herrn. Sei stark und dein Herz fasse Mut – ja, hoffe auf den Herrn!“ (Psalm 27, 14). Dazu soll das folgende Video einen Beitrag leisten.

Ausgangspunkt der Produktion war, dass der Fernsehjournalist, Autor und Liedermacher Martin Buchholz zu Beginn der Corona-Zeit ein kleines Lied ins Internet stellte – und eine Einladung, dabei mitzumachen. Inzwischen ist ein schillerndes musikalisches Lichtermeer daraus geworden! 19 famose Musiker*innen singen und spielen mit ihm: „Zünde eine Kerze an! Dein Licht der Hoffnung! Heute soll es leuchten für die Welt!“

Vielleicht setzen Sie diese Worte ja in die Tat um und zünden tatsächlich eine Kerze an, bevor Sie den Play-Button drücken.


Christi Himmelfahrt | Donnerstag, 21. Mai 2020

Ein „Lichtblick“ von Pfarrerin Kerstin Heinrich

Wenn der Kindergarten schon wieder für alle geöffnet wäre, dann hätten wir dort vielleicht auch zusammen über den heutigen Feiertag nachgedacht. Weil das aber in Lorsbach und an vielen Orten leider nicht möglich ist, haben kreative Menschen kleine Filme erstellt, zum Beispiel in der Evangelischen Kirchengemeinde Bottrop:

Jesus aber sprach zu den Aposteln: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen.“ (Apostelgeschichte 1, 8-9)

Mit diesen Worten wird in der Apostelgeschichte beschrieben, was wir am heutigen Tag feiern. Mit der Himmelfahrt endet die Zeit nach Ostern, die der auferstandene Jesus mit seinen Jüngern und Jüngerinnen in Jerusalem verbrachte. Die Geschichte der Apostel und der Kirche beginnt.

Auf Bildern wird die Vorstellung von der Reise Christi in den Himmel oft sehr naiv dargestellt: Christus, der über den Köpfen der fassungslos dreinblickenden Jünger schwebt, schon halb in den Wolken eingetaucht.

Doch mit dieser Vorstellung, dass Jesus in den Himmel aufgefahren ist, können viele in unserer Zeit nichts mehr anfangen. Und ich denke: Von Beginn an diente dieses Bild dazu, die Nähe Jesu zu Gott und sein Herausgehobensein bildlich zu beschreiben.

Himmelfahrt – das ist und bedeutete auch von Beginn an Ende und Neubeginn, Abschied und Aufbruch, Verlust und Leere und neuer Raum für den Geist. Für die Apostel endete mit der Himmelfahrt die gemeinsame Zeit mit Jesus, in der sie ihn hören, erleben und berühren konnten. Insofern ist die Himmelfahrt auch ein Moment der Ernüchterung und des Schmerzes. Und des Abschiedes.

Doch nachdem Jesus vor ihren Augen in den Himmel gefahren ist, machen sich die Jüngerinnen und Jünger auf in die Welt, so wie er es ihnen aufgetragen hatte. Jesus hat ihnen versprochen, dass er ihnen die Kraft geben wird, die sie für den neuen Weg brauchen. „Die Kraft des Heiligen Geistes“ sagt Jesus ihnen zu. So werden sie Dinge tun, die sie sich bisher nicht zugetraut haben. Sie werden Kräfte zur Versöhnung finden, auf Menschen zugehen können, auch wenn sie ihnen ablehnend gegenüberstehen, sie werden sogar mit der Kraft des Heiligen Geistes Menschen heilen.

Jesus lässt die Jüngerinnen und Jünger nicht ohne Orientierung zurück. Seine „Fußspuren“ bleiben ihnen und auch uns – bis heute. An den Spuren, die er hinterlassen hat, können wir uns ausrichten. So wie er die Menschenfreundlichkeit und Liebe Gottes gelebt hat, so wie er sich auf die Seite der Schwachen und Ausgegrenzten gestellt hat, so wie er Wiesenblumen und Spatzen als Zeichen für Gottes Fürsorge zu seinen Geschöpfen deutete, das kann uns die Richtung weisen. Vielleicht erscheinen uns seine Spuren manchmal ein paar Nummern zu groß. Das mag sein. Aber die Richtung bleibt uns, auch wenn wir sie mit kleineren Schritten gehen. 

Doch mit der Himmelfahrt gilt auch bis heute: Christus ist nicht einfach verfügbar, sondern wir müssen immer wieder nach ihm Ausschau halten, ihn suchen, auf ihn warten, müssen Ängste und Zweifel überwinden und dürre Wüstenzeiten aushalten. Und dennoch den Mut aufbringen, zu glauben und zu bekennen, dass er immer wieder zu uns kommt in seinem Wort.

Himmelfahrt ist nicht Auffahrt ins Weltall – dort wäre Jesus wirklich sehr weit weg. Himmelfahrt bedeutet im Gegenteil, dass Jesus nun überall zu finden ist – nicht mehr nur in Israel, bei seinen Freunden und Freundinnen, sondern auf der ganzen Welt. Der „Himmel“ liegt nicht, wie manchmal missverstanden wird, im Himmel, sondern in unserer Welt und in unserem Leben. Das Himmelreich, von dem Jesus immer wieder gesprochen hat, ist dort zu spüren, ist dann mitten unter uns, wenn Kranken geholfen wird, wenn Menschen liebevoll miteinander umgehen, wenn Frieden herrscht und Gerechtigkeit. Dann erfahren wir den „Himmel auf Erden“.

Himmelfahrt ist dann, wenn die Gesetze der Schwerkraft, die scheinbar unverrückbaren Realitäten der Welt auch einmal außer Kraft gesetzt werden. Wenn wir unverhofft Gott begegnen auf den Plätzen und Straßen unseres Lebens. Wenn der Glanz des Himmels ins Leben scheint. Himmelfahrt ist dann, wenn der Himmel aufreißt! Momente voller Glück.

So lassen Sie uns heute, an Christi Himmelfahrt, unsere Hoffnungen, unsere Sehnsüchte, unsere Gebete in den Himmel und in die Welt schicken.

Dazu finden Sie heute Gasluftballons (biologisch abbaubare übrigens) im Pfarrhof. Kommen Sie vorbei, nehmen Sie sich einen Ballon mit nach Hause und ergänzen Sie auf der Karte Ihre Gedanken, Gebete und guten Wünsche für die Welt. Um 19.30 Uhr, zum Glockengeläut unserer Kirche, können Sie Ihren Ballon dann von zuhause aus steigen lassen – und sich an den von Lorsbach aufsteigenden Ballons erfreuen. Vielleicht erlebt der- oder diejenige, die Ihren Ballon findet und die Karte liest, einen „himmlischen“ Augenblick, einen Moment des Glücks, weil das Gelesene ihm oder ihr gut tut und Mut macht.


Schlüssel und Riegel | Sonntag, 17. Mai 2020

Ein „Lichtblick“ von Micha Häckel

Guten Morgen! Haben Sie gut geschlafen? Oder lesen Sie diesen „Lichtblick“ gerade mittags oder abends? Wie auch immer – in diesen Tagen kann einem ja schon so manches den Schlaf rauben: Wie lange wird uns dieses Virus noch in Atem halten? Lockern wir zu schnell oder zu langsam? Wann kommt die Leichtigkeit zurück? Die Unbeschwertheit? Das ganz normale Leben – oder das, was wir bisher dafür gehalten haben?

Der Liedermacher, Autor und Aktionskünstler Arno Backhaus hat folgenden Rat für schlaflose Nächte:

Und damit sind wir beim Thema des heutigen Sonntags. Er trägt den Namen „Rogate“, was übersetzt „Betet!“ bedeutet. Ein Tag also, der zum Gebet auffordert. Direkt, schnörkellos und unmissverständlich. Als wenn das so einfach wäre.

Martin Luther hat geschrieben: „Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott“. Ebenfalls recht einfach und klar – und dann bei genauerem Überlegen doch ziemlich kompliziert. Ein Gespräch. Ein Gespräch zwischen meinem Herzen (Was sagt mein Herz eigentlich? Was will es? Das ist mir vielleicht manchmal gar nicht so klar…) und Gott (Wie kann ich ihn ansprechen? Wird er sich mit meinen Anliegen beschäftigen? Hört er mich überhaupt?). Gar nicht so einfach. Wie kann beten gelingen?

Im Predigttext für den heutigen Sonntag findet sich ein Hinweis, den Jesus in seiner berühmten „Bergpredigt“ gegeben hat: „Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.“ (Matthäus 6,6). Es scheint also zu helfen, wenn man sich Zeit nimmt und einen Raum schafft, um sich zu konzentrieren. Konzentrieren heißt ja: seine Aufmerksamkeit vollständig auf etwas oder jemanden ausrichten. Fürs Beten ist es hilfreich, zur Ruhe zu kommen und still zu werden.

Und wenn man erst einmal „In der Stille angekommen“ ist, dann kann beten ganz vielfältig aussehen. Im folgenden Lied singt der Liedermacher, Journalist und Theologe Christoph Zehendner davon.

Die Welt mit Gottes Augen sehen. So ganz und gar geht das natürlich nicht. Aber im Gebet kann ich Gott zumindest die Chance zu geben, mir die Welt einmal – teilweise – aus seiner Perspektive zu zeigen. Ich kann versuchen zu formulieren, wie ich die Dinge sehe. Und dann kommt mir vielleicht in den Sinn, wie man die Dinge auch noch betrachten könnte. Anders. Mit Gottes Augen eben. Und so gewinne ich möglicherweise einen anderen Blick. Auf mich. Auf die Menschen, die mir nahe sind. Auf die Menschen, mit denen ich Schwierigkeiten habe…

Der große Pazifist und Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi empfiehlt, diesen Perspektiv-Check zweimal täglich durchzuführen:

Kann ein morgendliches Gebet das Schlüsselerlebnis für den Tag sein? Wir können es ja einmal ausprobieren. Ein abendliches Gebet kann auf jeden Fall helfen, auf gesunde Weise mit dem Tag abzuschließen. Und den Sorgen einen Riegel vorzuschieben. Wer weiß, vielleicht fördert es sogar die Schlafqualität. Und wenn nicht: „Zähl keine Schafe, sprich mit dem Hirten…“

Im Predigttext für den heutigen Sonntag findet sich auch das Vaterunser. Das Gebet, das Jesus zu beten empfiehlt. Hören wir noch einmal Christoph Zehendner mit seiner Version dieses Gebets.

Schlüssel und Riegel | Gebet

Vater unser.
Du bist unser Vater,
dir verdanken wir unser Leben.
Dir sagen wir,
worauf wir hoffen,
wonach wir uns sehen,
wovor wir uns fürchten.

Geheiligt werde dein Name.
Wir hoffen darauf,
dass deine Liebe die Welt verwandelt.
Verwandle uns,
damit wir deine Liebe zeigen.

Dein Reich komme.
Wir sehnen uns danach,
dass Gerechtigkeit und Frieden sich ausbreiten.
Schaffe deinem Frieden Raum.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Wir fürchten uns davor,
dass Leid und Krankheit kein Ende haben.
Heile die Kranken und behüte die Leidenden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.
Nicht nur uns,
auch denen, die verzweifelt nach Hilfe rufen,
die vor den Trümmern ihres Lebens stehen
und die sich vor der Zukunft fürchten.
Du bist die Quelle des Lebens,
verbanne den Hunger.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Öffne unsere harten Herzen für die Vergebung.
Öffne die Fäuste der Gewalttäter für die Sanftmut.
Lenke unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Führe uns nicht in Versuchung.
Dein Wort ist das Leben.
Du kannst unsere Herzen verschließen vor Neid, Gier und Hochmut.
Halte uns ab von Hass und Gewalttätigkeit.
Bewahre uns vor den falschen Wegen!

Erlöse uns von dem Bösen
Öffne unsere Augen,
damit wir das Böse hinter seinen Verkleidungen erkennen.
Lass uns dem Bösen widerstehen und
befreie alle, die in der Gewalt des Bösen gefangen sind.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Du rufst uns beim Namen.
Du siehst uns –
wo wir auch sind,
am Küchentisch, in der Kirchenbank, in unseren Kammern.
Bei dir schweigen Angst und Schmerz. Auf dich hoffen wir heute und alle Tage.
In Jesu Namen vertrauen wir uns dir an.

Amen.

Nach dem Wochengebet der VELKD

Schlüssel und Riegel | Nachspiel

Das Nachspiel kommt heute aus dem Blechbläser-Homeoffice der Deutschen Radio-Philharmonie Saarbrücken/Kaiserslautern.


Kantate | Sonntag, 10. Mai 2020

Ein „Lichtblick“ von Pfarrerin Kerstin Heinrich

„Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön,
dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn …“

Wahrscheinlich kennen Sie dieses Lied von Paul Gerhardt. Es ist wie gemacht für den heutigen Sonntag, der den Namen „Kantate“ trägt. Mit diesem Wort beginnt in der lateinischen Fassung der 98. Psalm: “Cantate Domino canticum novum.” Zu Deutsch: „Singt dem Herrn ein neues Lied.“

An den Kantate-Sonntagen geht es in den evangelischen Kirchen immer um den Gesang zum Lob Gottes und um die Wertschätzung der Kirchenmusik überhaupt. Vielerorts, so auch schon bei uns in Lorsbach, wird der Sonntag Kantate gerne als musikalisch besonders gestalteter Gottesdienst begangen. Das ist in diesem Jahr nun leider nicht möglich. Es wäre zwar unter strengen Vorgaben erlaubt, einen Gottesdienst in der Kirche zu feiern, doch trotz Mindestabstand und Maskenpflicht ist und bleibt das Singen in unseren Gottesdiensten vorerst verboten – und damit ein so wichtiger, für viele von uns so zentraler Teil des Gottesdienstes. Denn das Singen ist doch eine Quelle der Kraft und schenkt einen besonderen Zugang zu Gott auch und gerade in schweren Zeiten!

In schweren Zeiten ist auch das Lied von Paul Gerhardt entstanden. Er schrieb den Text 1653. Das war gerade mal fünf Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg. Ganze Landstriche waren verwüstet und entvölkert worden. Die Pest hatte Unzählige das Leben gekostet. In Paul Gerhardts erster Gemeinde in Mittenwald hatten nur 250 von 1000 Gemeindegliedern die Pest überlebt. Und Paul Gerhardt musste auch viele persönliche Schicksalsschläge verkraften. Vier Kinder starben früh. Der Jüngste war sechs, als seine Frau starb.

Natürlich stürzten diese Erlebnisse auch einen gläubigen Menschen wie Paul Gerhardt in Anfechtungen und Zweifel. Doch Kraft zog er immer wieder aus dem Singen. Seine Lieder zeugen davon, wie er durch das Singen, das Lob Gottes, seine Seele und sicher auch seine trüben Gedanken „aus dem Sumpf“ ziehen konnte. Und so lässt er nicht nach, seine Seele zum Singen aufzufordern: „Wohlauf und singe schön!“

Paul Gerhardts Lieder haben vielen Menschen Kraft gegeben – er gehört über Konfessionsgrenzen hinweg zu den bekanntesten Liederdichtern. Bis heute suchen Menschen mit seinen Liedern, die wie Gebete sind, Halt bei Gott. Ein Beispiel dafür ist auch Dietrich Bonhoeffer. Er lernte während seiner Haft Lieder von Paul Gerhardt auswendig!

Die Lieder von Paul Gerhardt haben eine ungeheure Spannweite, vom persönlichen Erleben bis in die Ewigkeit bei Gott. Sie enden fast alle im Himmel. Seine Lieder können vom ständigen Kreisen um sich selbst, vom Weltschmerz und von der Selbstbemitleidung heilen, weil sie Gottes Liebe und Güte vermitteln. Insofern können sie uns auch in den heutigen, für viele schwer zu ertragenden Coronazeiten gut tun. Wenn man ihre Texte mitsingt, dann wendet sich der Blick von der eigenen Sorge und Angst hin zu Gott, zu einem weiten Horizont. Das hilft, sich nicht von der Gegenwart gefangen nehmen zu lassen, sondern über sie hinaus zu schauen.

Vielleicht spüren sie etwas davon, wenn Sie Paul Gerhardts wohl bekanntestes Lied: „Geh aus mein Herz und suche Freud“ einmal laut mitsingen – zu Hause ist das ja erlaubt. (Schlagen Sie vor dem nächsten Klick den Text auf! Haben Sie ein Gesangbuch zuhause? Es ist die Nr. 503)

Singen ist übrigens gute biblische Tradition. Im Alten und auch im Neuen Testament singen Menschen in besonders schönen, aber auch in besonders schweren Zeiten. Gerade dann also, wenn sie ganz tiefe Erlebnisse hatten: Freude, Angst, Trauer oder die Erfahrung der Befreiung aus großer Not. 

Denken Sie an das Magnificat, das Maria singt, nachdem sie die Geburt Jesu angekündigt bekam. Nach der Durchquerung des Schilfmeers nimmt Mirjam die Pauke in die Hand und singt mit allen Frauen ein Lied. Die Psalmen sind Lieder, gesungen mit großer Freude und Hoffnung, gesungen aber auch in großem Unglück, in Not und in Trauer. Oder denken sie an all die Gospels und Spirituals, die die Afroamerikaner in ihrer Unterdrückung und Sklaverei gedichtet und gesungen haben.

Singen kann Weltflucht sein. Es kann uns aber auch helfen, der Wirklichkeit gerade nicht auszuweichen, sondern uns mir ihr auseinanderzusetzen. Singen kann uns helfen, unsere Gefühle –sei es Angst, Trauer oder Freude – in Worte zu fassen und in eine Melodie zu kleiden.

Singen kann uns auch helfen, Träume und Sehnsüchte wachzuhalten, die über das Jetzt und Hier hinausgehen: der Traum von Freiheit (wie es bei den Sklaven war), der Traum von Liebe (um den es in sehr vielen Liedern geht), der Traum vom Frieden.

Lieder helfen uns, mit unserer hellen und dunklen Seite zu leben. Sie helfen uns auch, mit Gott zu sprechen, mit ihm zu ringen, ihm zu klagen und ihm zu danken. Sie helfen uns, uns selbst nicht auszuweichen, sondern singend neue Wege ins Leben zu suchen.

Also: Lassen Sie uns den heutigen Sonntag zum Anlass nehmen, wieder einmal zu singen. Zuhause, auf einem Spaziergang oder unter der Dusche. Oder – wenn Sie mögen – gemeinsam! Heute, Sonntagabend, beim Glockengeläut um 19.30 Uhr – wenn auch jede/r am eigenen Ort und leider nicht in unserer schönen Kirche. Hier sind Text und Noten:

Text: Fritz Baltruweit / Barbara Hustedt – alle Rechte beim tvd-Verlag, Düsseldorf

Und hier ist, wie es sich anhört:

Kantate | Gebet

Guter Gott,

wir bitten dich für alle Menschen, denen es schwerfällt, dein Lied zu singen,
weil sie bedrückt sind von Sorgen um sich, ihre Lieben, die Welt,
weil die gegenwärtige Krise ihre Existenz bedroht,
weil sie am Ende sind mit ihren Kräften.

Gib ihnen Menschen an ihre Seite, die mit ihnen einstimmen in ihre Klage,
die aber auch helfen, das Lied deiner Liebe wieder in ihnen zum Klingen bringen.

Wir bitten dich für alle, die nur noch die eigenen Melodien in ihrem Kopf haben,
die egoistisch und eng geworden sind,
weil Macht oder Vermögen ihnen den Blick verstellt
für die Not, in der andere Menschen leben.

Schenke ihnen ein Lied, das ihren Blick und ihr Herz weitet
und das sie erkennen lässt, dass denen, denen viel anvertraut ist,
auch viel Verantwortung zugetraut wird.

Wir danken dir für alle Momente, in denen wir erfahren durften, dass das Singen deines Lobes durchatmen lässt und befreit – zu neuer Hoffnung, zu neuem Vertrauen, zu neuem Leben.

Wir bitten dich für uns alle: Lass uns immer wieder das Lied deiner Liebe hören und singen.

Amen

Kantate | Nachspiel

Heute gibt es drei Nachspiel-Angebote zur Auswahl: Eine Jazz-Fassung von „Du meine Seele singe“, ein grooviges Klaviersolo über „Geh aus mein Herz“ und – aus einer ganz anderen Epoche, aber für den heutigen Sonntag auch sehr passend – die Motette „Singet dem Herrn“ von Johann Sebastian Bach.


Dran-bleiben | Sonntag, 3. Mai 2020

Ein „Lichtblick“ von Andrea Sangmeister-Behr

Er benutzt starke Bilder, Jesus, der große Erzähler von Gleichnissen. Es sind Bilder voller Leben und Fülle. Voller Kraft und Dynamik, besonders wenn er im Johannes-Evangelium über sich selbst und den Vater im Himmel spricht. Bilder, die über Jahrhunderte ohne große Erklärung verstanden werden: der Hirte, das Brot, das Licht, der Weg, die Tür, das Leben. Jedes Bild gefüllt mit Symbolik und Erinnerungen. Auch das Bild, das uns heute begegnet, ist zeitlos lebendig.

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.
Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg;
und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. […]
Bleibt in mir und ich in euch.
Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht;
denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Johannes 15, 1-5

Weinstock und Reben – da blitzt selbst jetzt im Frühling schon die Herbstsonne durch die reifen Trauben. Man möchte nach ihnen greifen und probieren, ob sie denn schon die saftige Süße erreicht haben.

Das Bild vom Weinstock, das uns Jesus zeigt, lädt fast zum Nichtstun ein, fordert uns geradezu dazu auf: Wie die Reben auf den Weinstock angewiesen sind, so bekommen seine Jünger, so bekommen wir die Lebenskraft von ihm. Nur aus dieser Verbindung heraus wachsen und reifen Früchte. Vorausgesetzt, wir „bleiben“.  Wir bleiben in ihm, wir bleiben an ihm – und Jesus an uns, so eng verbunden wie Weinstock und Rebe. Die Rebe muss den Lebenssaft nur fließen lassen und schon blüht alles auf, wächst, gedeiht, reift und trägt saftige Früchte. „Ohne mich könnt ihr nichts tun!“ Das ist ein Stück Befreiung.

Wenn wir die Poren öffnen und die Herzen nicht verschließen, dann keimt, was keimen soll. Dann wächst, was Kraft bekommt zum Wachsen. Nehmen wir uns selbst den Druck, gute Früchte produzieren zu müssen, den Erwartungen zu genügen oder dem eigenen Perfektionsdurck. Eigentlich einfach und doch manchmal schwer: Dranbleiben am Weinstock, der Kraftquelle, ist gefragt – es geht um Beziehung und um Vertrauen.

Auf der anderen Seite sehen wir uns auch mit dem Rebmesser konfrontiert. Gerade uns Lorsbachern ist es ja gut bekannt. Aus welcher Richtung wir uns auch nähern, am Ortseingang im Lorsbacher Wappen können wir es entdecken. Es stammt aus der Zeit, als hier noch Weinbau betrieben wurde – ein wichtiges Werkzeug für den Winzer.

Denn es gibt sie ja auch, die dürren Zweige und die faulen Früchte – am Weinstock und in unserem Leben. Erlebnisse, die uns bedrücken und die uns das Licht und die Luft zum Atmen nehmen. Schlechte Erfahrungen, die uns Angst machen, die uns am Aufblühen hindern. Enttäuschungen, die uns davon abhalten, Saft und Kraft in Beziehungen zu investieren. Und vielleicht auch unsere eigenen Unzulänglichkeiten oder Überheblichkeiten: dass wir mehr sein wollen als nur die Rebe, die aus sich heraus nichts tun kann.

Können wir den Winzer an uns heranlassen, um diese Last, die wir mit uns tragen, zurück zu schneiden? Wehren wir uns nicht, wenn enttäuschte Erwartungen, wenn Resignation und das Gefühl, kraft- und erfolglos zu sein, gekappt werden! Und auch dann nicht, wenn vielleicht unser Ego mal ein wenig zurecht geschnitten wird. Damit wir wieder aufatmen können. Damit der Strom des Lebens wieder fließen kann.

Vielleicht ist gerade diese Zeit, wo so viele andere Beziehungen auf Eis gelegt sind, eine gute Gelegenheit, diese besondere Verbindung neu zu entdecken und zu pflegen. Ihm einmal von uns erzählen, wie einem alten Freund oder einer vertrauten Freundin. Oder ihm vielleicht sogar mal einen Brief zu schreiben … und auf Antworten zu hoffen, wie umgekehrt auch der Winzer auf einen guten Wein.

Der Text ist angelehnt an eine Lesepredigt von Bert Hitzegrad auf www.evangelisch.de

Ein junger Organist bei der Arbeit, ein frisches Vorspiel und ein altes Kirchenlied, dessen erste Strophe sich auch auf das heutige Thema bezieht:

Dran-bleiben | Gebet

Jesus,
du bist der Weinstock.
Wir wollen in dir bleiben.
Die Kraft von dir empfangen.
Aus deiner Wurzel leben.
Aufnehmen und weiterreichen,
was du uns gibst.
Frucht bringen.
Ohne dich können wir nichts tun.
Erbarme dich!

Jesus,
du gibst die Kraft.
Aus dir strömt sie.
Gib sie denen,
die müde sind,
die erschöpft sind,
die sich aufreiben in der Sorge für andere,
deren Mut aufgebraucht ist,
die sich fürchten vor dem, was kommt.
Du bist die Wurzel, die sie versorgt.
Erbarme dich!

Jesus,
du bist die Liebe.
Du bleibst.
Bleib bei den Trauernden
und bei den Kranken
und bei den Kraftlosen.
Ohne dich können wir nichts tun.
Du bist der Weinstock.
Erbarme dich
heute und alle Tage, die kommen.

Amen

Nach dem Wochengebet der VELKD

Dran-bleiben | Nachspiel


Psalm 23 | Sonntag, 26. April 2020

Ein „Lichtblick“ von Liane Theile (Prädikantin in Ausbildung)

Täglich neue Erkenntnisse, Meinungen, wissenschaftliche und politische Auseinandersetzungen in den Medien: Das Leben ist zur Zeit sehr verwirrend und bringt große Unsicherheiten mit sich. Wir blicken manchmal nicht mehr ganz durch. Gerade jetzt brauchen wir jemanden, an dem wir uns orientieren und anlehnen können.

Ist es da nicht wohltuend, dass der 23. Psalm ( „Der gute Hirte“ ) am zweiten Sonntag nach Ostern wie eine Einladung für uns ist? Eine Einladung, dem Gott, der wie ein Hirte für uns Menschen sorgen will, zu vertrauen? Er ist der bekannteste und berühmteste Psalm; viele von uns haben ihn auswendig gelernt und tief verinnerlicht.

Auf www.evangelisch.de gibt es den Podcast „Ohrenweide“. Anlässlich der Corona-Krise hat der Schauspieler, Radio- und Hörbuchsprecher Helge Heynold dafür in seinem eigens eingerichteten improvisierten Dachkammerstudio verschiedene Texte als „Hörgeschenke“ eingelesen, so auch den 23. Psalm:

Wenn wir verunsichert sind in unserem Leben, dann sehnen wir uns oft nach Ordnung, nach Struktur, nach Geborgenheit und vielleicht auch nach so etwas wie einer Leitfigur. Und da gibt es derzeit einige, die sich als Leitfiguren anbieten, die meinen zu wissen, wie alles weitergeht. Aber werden sie die Probleme lösen können? Wie lange wird das noch dauern? Und vor allem: Wie können wir es schaffen, bis dahin durchzuhalten?

In Psalm 23 bietet sich uns der gute Hirte an. Er hat vielleicht nicht immer die schnelle Lösung oder die passende Antwort parat, aber die liebevoll führende Hand und die wärmende Nähe. Er verhindert nicht immer, dass wir durch finstere Täler gehen, aber er geht mit. Er ist so der Hirte unserer Seele.

Dieses Bild „ Christus als guter Hirte“ malte Lucas Cranach der Jüngere um 1540. Die Darstellung bezieht sich auf die Bibelstelle aus Lukas 15, wo Jesus sagt: „Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.“

Wir verstehen: Einem Hirten ist kein Schaf gleichgültig, keines will er verlieren. Das gefundene Schaf legt er auf seine Schultern, um es heim zu tragen.

Das ist es auch, was wir ersehnen, gerade jetzt in diesen Zeiten, in denen wir uns manchmal ausgeschlossen, einsam und verloren fühlen. Wir möchten in der Gemeinschaft bleiben, trotz verordneter Kontaktsperren. Wir möchten spüren, weiterhin dazuzugehören in unseren Familien- und Freundeskreisen, obwohl wir uns wochenlang nicht persönlich treffen können. Wir möchten getragen sein, wie auf dem Bild, nicht mutlos alleine durchs Leben gehen.

Den Mut nicht zu verlieren, ist in diesen Tagen nicht immer einfach. Hören wir doch täglich die neuen Zahlen der an Covid-19 Erkrankten und daran Sterbenden weltweit. Aber der gute Hirte ist nicht nur auf idyllischen Auen und an sprudelnden Bächen mit uns unterwegs, er geht uns auch nach in die Täler unserer Mutlosigkeit und unserer Einsamkeit. Gott löst die Bedrängnisse unseres Lebens nicht einfach in Luft auf, aber er lässt uns auch nicht alleine mit ihnen.

Der 23. Psalm hat schon vielen Generationen das Tor zum Gebet geöffnet. er kann sowohl für die schönen als auch für die schweren Momente im Leben hilfreich sein, für die man selbst meist keine rechten Worte findet.

Die Liedermacherin und Theologin Sefora Nelson hat den Psalm auf ihre Weise vertont:

Psalm 23 | Gebet

Du guter Hirte, Jesus Christus.
Sind wir wie irrende Schafe?
Wir sehnen uns danach,
den Weg zu kennen.
Du weißt ihn.
Zeig uns den Weg.
Zeig ihn denen,
die uns regieren,
die über uns bestimmen,
die unser Wohl wollen.
Du guter Hirte,
suchst du uns?
Bringe uns auf den richtigen Weg.
Erbarme dich.

Du guter Hirte, Jesus Christus.
Wir sind gefangen in unserer Sorge.
Du siehst die Ängste der Welt.
Schau auf die Menschen,
die keinen Ausweg sehen –
auf der Flucht,
in Lagern,
im Krieg.
Schau auf die Menschen,
die kein Zuhause haben,
wo sie Schutz finden.
Und schau auf die,
für die der Schutzraum zur Gefahr wird.
Du guter Hirte,
suchst du sie?
Steh ihnen bei und trage sie auf deinen Schultern.
Erbarme dich.

Du guter Hirte, Jesus Christus.
Siehst du den Glauben?
Siehst du die Hoffnung?
Unsere Nachbarn im Ramadan.
Unsere Geschwister in der Ferne.
Unsere Gemeinde, deine Kirche.
Dir vertrauen wir,
denn du bist bei uns,
bei dir wird uns nichts mangeln.
Tröstest du uns?
Bereite uns den Tisch und bleib bei uns.
Erbarme dich,
heute und alle Tage.
Amen.

Quelle: Wochengebet der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands VELKD

Psalm 23 | Nachspiel

In diesem Beitrag der Handglockenchöre Gotha, Gera, Aschaffenburg und Seesen, aufgenommen vom 8.-11. April, klingt die Osterfreude noch ein wenig nach:


Zweifel-los? | Sonntag, 19. April 2020

Viele Musikerinnen und Musiker produzieren in diesen Tagen Einzelbeiträge in heimischen Wohnzimmern, die dann zu einer Gemeinschaftsproduktion zusammengeschnitten werden. Der MDR-Rundfunkchor hat sich – passend zum fast schon sommerlichen Wetter – das Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ vorgenommen.

Eine Corona-Produktion des MDR-Rundfunkchors Leipzig vom 3. April 2020

Im Text unter dem Video wird auf einen interessanten Umstand hingewiesen: Als der Theologe Paul Gerhardt dieses Lied 1653 dichtete, waren die Folgen des Dreißigjährigen Kriegs noch überall zu spüren – und Pest und Pocken kosteten viele Menschen das Leben…

Ein weiteres Fundstück aus dem Internet soll den heutigen „Lichtblick“ eröffnen:

Die Geschichte vom göttlichen Kind in der Futterkrippe stellt uns ja schon vor einige gedankliche Herausforderungen: Engel sprechen mit Hirten auf einem Feld? Ein Vater, der doch nicht der Vater ist? Drei Könige, die sich auf eine wochenlange Reise machen, nur um einem Neugeborenen edle Geschenke zu bringen?

Aber Ostern setzt noch eins drauf: Jesus steht von den Toten auf? Nach dem qualvollen Tod am Kreuz und zwei Tagen im Grab wandelt er wieder quicklebendig durch die Weltgeschichte? Das kann doch nicht sein. Die, die das erzählen, die bilden sich doch was ein. Die wollen das einfach gerne glauben. Mit der Realität, wie wir sie kennen, kann das nichts zu tun haben.

Genau so denkt auch Thomas. Einer von den zwölf Jüngern. Einer, der miterlebt hat, dass Jesus manchmal Dinge getan hat, die sich niemand erklären konnte. Wer war dieser Thomas? In der Bibel wird nur an wenigen Stellen über ihn berichtet. Und es gibt zwei Gedenktage für ihn:

Thomas wird also einerseits als Mann beschrieben, der keine halben Sachen macht. Der nicht halbherzig ist, sondern der bereit ist, aufs Ganze zu gehen und notfalls sogar das eigene Leben aufs Spiel zu setzen. Andererseits ist Thomas als „Zweifler“ in die Geschichte eingegangen, zuweilen wird er auch als der „ungläubige Thomas“ bezeichnet. Und das hat mit dem Evangelium zu tun, das für den heutigen Sonntag vorgeschlagen ist und das wir in Johnnes 20, 24-29 finden (Klick auf die Bibelstelle führt zum Text).

Caravaggio, der große italienische Maler des Frühbarock (1571-1610), hat die hier beschriebene Szene in einem seiner berühmtesten Bilder eingefangen:

Der „Ungläubige Thomas“ von Michelangelo Merisi da Caravaggio (heute im Schloss Sanssouci in Potsdam)

In einem Beitrag des Deutschlandfunks heißt es dazu:

Tief, unerträglich tief, ist der rechte Zeigefinger in die Seitenwunde eingedrungen. Sein Druck hat den Wundrand hochgeschoben und lidförmig aufgewölbt. Kein Blut fließt, kein Sekret tritt aus, totenblass das offene Fleisch, in dessen Inneres Thomas mit dreistem Finger vorgedrungen ist. […] Thomas sticht mit dem Zeigefinger weit hinein in die Wunde. […]

Im scharfen Kontrast dazu die Haltung Jesu. Er hat nicht nur bereitwillig seine Seitenwunde bloßgelegt, mit seiner Linken hält er zudem Thomas‘ Handgelenk umfasst und führt dessen Hand sanft, aber bestimmt an seine Wunde. Den Kopf hat Jesus nach unten geneigt und blickt auf das Geschehen. Ergebenheit, Nachsicht und Geduld sprechen aus seinen Zügen. Mit aufgerissenen Augen und steil hochgezogenen Stirnfalten hingegen Thomas. Weit nach vorne gebeugt, beobachtet er angestrengt, wie sein rechter Zeigefinger in Jesu Seitenwunde eindringt. […] Als suche sich der Ungläubige über das bloße Berühren hinaus, einen Weg hin zu dem zu bahnen, der tief in diesem sterblichen Fleisch verborgen sein soll, um so das Wunder des Glaubens zu erfahren.

Und obwohl das Johannesevangelium eigentlich gar nicht explizit berichtet, dass Thomas Jesus wirklich berührt hat, vermitteln sich in diesem Bild doch die beiden Welten, die sich hier begegnen, auf höchst eindrucksvolle Weise genau so, wie sie auch in der Bibel beschrieben sind:

Thomas ist im Grunde gar nicht „ungläubig“, aber er ist eben auch nicht leichtgläubig. Er macht es sich mit dem Glauben nicht leicht. Er will der Sache auf den Grund gehen, will den Finger in die Wunde legen. Er ist eben nicht zweifel-los: Kann das wirklich sein? Sind die anderen vielleicht alle verrückt? Sehen sie vielleicht nur Gespenster? Ich muss ihm selbst begegnen, ihn persönlich treffen. Dann werde ich es vielleicht glauben können.

Und Jesus sagt quasi: Du musst nicht über jeden Zweifel erhaben sein. Du darfst mit deinem Zweifel zu mir kommen. Ich begegne dir gerne genau so, wie du es brauchst. Noch bevor du ein Wort gesagt hast, weiß ich schon, was du gerne möchtest: „Reiche deinen Finger her…“ Jesus lässt uns an unserem Zweifel nicht verzweifeln. Wer nicht glauben kann, darf fühlen.

Bin ich erst dann wirklich gläubig, wenn ich alle Zweifel los bin? Nein! Ich bin auf einem guten Weg, wenn ich mich mit meinen Zweifeln auf den Weg zu Jesus mache. Und vielleicht könnte die Jahreslosung 2020 ein guter Beginn für mein Gebet sein: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben…“ (Markus 9, 24).

Zweifel-los? | Gebet

Guter Gott,

manchmal nagt der Zweifel in uns,
ob wir dir auch so begegnen können, wie Thomas es gatan hat,
ob es sich überhaupt lohnt, mit dir zu reden,
ob wir wirklich auf dich und deine Hilfe hoffen sollen.
Wir kommen mit unserem Zweifel zu dir.
Wir wollen glauben.
Hilf unserem Unglauben.

Manchmal nagt der Zweifel in uns,
ob du uns auch so nah an dich heranlässt, wie du es mit Thomas getan hast,
ob wir gut genug sind,
ob wir unser Leben richtig investieren.
Wir kommen mit unserem Zweifel zu dir.
Wir wollen glauben.
Hilf unserem Unglauben.

Manchmal nagt der Zweifel in uns,
ob wir es schaffen, die Corona-Krise zu meistern,
ob die es schaffen, die so viel schlechtere Voraussetzungen haben als wir,
ob die Welt, in der wir leben, vielleicht insgesamt aus den Fugen gerät.

Sei du bei denen, an die niemand denkt.
Stärke die, die sich für andere einsetzen und lass sie gesund bleiben.
Und lass sie und uns alle nicht verzweifeln.

Amen


Ostersonntag, 12. April 2020

Das Grab ist leer. Er ist auferstanden!
Wie würde sich diese Nachricht heute verbreiten?

Übersetzung: „Vor langer Zeit haben sie sich ungefähr so gefühlt, als es passierte. Und heute sollten wir uns eigentlich ähnlich fühlen. Denn was es für sie bedeutet hat, bedeutet es auch für uns.“

Auch wenn in diesem Jahr keine Gottesdienste zu Ostern gefeiert werden dürfen, ist eines gewiss: Ostern fällt nicht aus! Die Botschaft von Ostern tut uns in diesem Jahr sogar besonders gut. Denn Ostern bedeutet: Aus Trauer wird Freude, aus Angst wird Mut, aus Verzweiflung wird Hoffnung.

Nach einem kurzen Orgelvorspiel (gespielt von Niklas Lederer) greift Pfarrerin Kerstin Heinrich diese Gedanken in ihrer Predigt auf:

Gebet

Barmherziger Gott, du schenkst uns immer wieder neue Hoffnung. Licht in der Dunkelheit. Du zeigst uns neue Wege, wenn wir meinen, in eine Sackgasse geraten zu sein.

Wir bitten heute besonders für die Menschen, die so verzweifelt und traurig sind, dass sie dein Hoffnungslicht nicht erkennen können.
Wir bitten dich: Schenke neues Leben.

Wir bitten dich für die Kranken. Gib ihnen Kraft. Hilf ihnen, Schmerzen und Ungewissheit zu bestehen. Lass sie Wege sehen, die sie gehen können.
Wir bitten dich: Schenke neues Leben.

Wir bitten dich für die Traurigen. Für die, in denen es so dunkel geworden ist, dass sie kein Licht am Ende des Tunnels mehr sehen. Gehe du an ihrer Seite, rühre sie an mit deiner Liebe.
Wir bitten dich: Schenke neues Leben.

Menschen sind bedroht von Krieg. Ihre Wohnungen werden zerstört, Land wird verwüstet. Gott stärke die Kräfte des Friedens. Lass mich das, was ich vermag, dazu beitragen.
Wir bitten dich: Schenke neues Leben.

Gott, du zeigst uns immer wieder Wege, die wir gehen können. Hilf, dass wir sie auch erkennen, dass wir die Kraft zum Aufbruch in uns spüren und erkennen: Du hast uns viel mit auf den Weg gegeben. Lass uns deine Liebe weitertragen und so selbst zu Wegweisern zu werden für andere.
Wir bitten dich: Schenke neues Leben.

Nachspiel

Das Nachspiel kommt heute von dem Kölner Pianisten Timo Böcking und seinen Freunden. Über dem Gospel-Groove des Klaviers erzählen die Sängerinnen und Sänger: „Hör zu! Du wirst nicht glauben, was wir heute morgen gesehen haben, als wir zum Grab von Jesus gegangen sind. Keine Steine mehr, die waren weg. Nur ein Engel war da, der hat uns gesagt: Erinnert euch! Der Sohn Gottes ist auferstanden… Jesus ist auferstanden von den Toten – genau wie er gesagt hat…“

Im Mittelteil wird der Song dann zu einem Gebet: „Es tut mir leid, Gott, dass ich dir wieder einmal nicht vertraut habe, obwohl du mir doch versprochen hast, dass alle deine Worte wahr werden. Hilf mir, Gott, deine Worte immer in meinen Gedanken zu behalten, damit ich nie im Dunkeln tappe, selbst wenn ich blind bin. Danke für das größte Geschenk, das du mir jemals gemacht hast: dass du mir dein Leben und deine Liebe gegeben hast, um mich frei zu machen.“


Vorschau auf den Ostersonntag

Am Ostersonntag werden um 10 Uhr die Glocken unserer Kirche läuten. Wenn Sie das hören, dann lohnt es sich, die Fenster weit aufzumachen, denn anschließend werden vom Kirchturm aus Trompetenklänge durch Lorsbach schallen. Heiko Herrmann, Anton Lauer und Rebekka Herrmann werden den Oster-Hymnus „Christ ist erstanden“ (EG 99) und das Lied „Wir wollen alle fröhlich sein“ (EG 100) spielen. Wer mitsingen will, findet die Texte weiter unten in diesem Beitrag.

Im Anschluss finden Sie noch ein paar Impressionen aus unserer Kirche, die uns freundlicherweise die Lorsbacher Fotografin Sabine Kristan (www.sabinekristan.de) zur Verfügung gestellt hat – herzlichen Dank! Und ein genauso herzlicher Dank geht an dieser Stelle wieder einmal an die „Rosenzauberin“ Linda Fischer, die das ganze Jahr über dafür sorgt, dass immer ein schöner, frischer Blumengruß auf unserem Altar steht!

Christ ist erstanden / von der Marter alle / des solln wir alle froh sein / Christ will unser Trost sein / Kyrieleis / Wär er nicht erstanden / so wär die Welt vergangen / seit dass er erstanden ist / so lobn wir den Vater Jesu Christ‘ / Kyrieleis / Halleluja, Halleluja, Halleluja / Des sollen wir alle froh sein / Christ will unser Trost sein / Kyrieleis.

1) Wir wollen alle fröhlich sein / in dieser österlichen Zeit / denn unser Heil hat Gott bereit‘. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja / gelobt sei Christus, Marien Sohn.

2) Es ist erstanden Jesus Christ / der an dem Kreuz gestorben ist / ihm sei Lob, Ehr zu aller Frist. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja / gelobt sei Christus, Marien Sohn.

3) Er hat zerstört der Höllen Pfort / die Seinen all herausgeführt / und uns erlöst vom ewgen Tod. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja / gelobt sei Christus, Marien Sohn.


Karfreitag, 10. April 2020

Unzählige Passions-Aufführungen hätte es wohl auch in diesem Jahr wieder gegeben. Alle sind wegen des Corona-Virus abgesagt worden – auch die geistliche Abendmusik, die der Ökumenische Chor heute in der Lorsbacher Kirche aufgeführt hätte.

Der zweite Teil der „Johannes-Passion“ von Johann Sebastian Bach wird mit dem folgenden Choral eröffnet, der einen Kurz-Überblick über das Passions-Geschehen gibt: Christus, der uns selig macht / kein Bös hat begangen / der ward für uns in der Nacht / als ein Dieb gefangen / geführt vor gottlose Leut / und fälschlich verklaget / verlacht, verhöhnt und verspeit / wie denn die Schrift saget.

Nun ist Johann Sebastian Bach ohne Zweifel einer der bedeutendsten Komponisten, der je gelebt hat. Aber stehen uns diese altertümlichen Texte heute nicht manchmal eher im Weg, wenn wir uns mit der Passions-Geschichte beschäftigen wollen? Wie können wir 2020 den Karfreitag begehen? Darüber hat sich unsere Pfarrerin Kerstin Heinrich Gedanken gemacht – und diese Gedanken hat sie in eine Video-Predigt verpackt. Niklas Lederer hat diese Predigt in der Lorsbacher Kirche gefilmt und als Vorspann und Nachklapp jeweils mit einem selbst eingespielten Orgelstück versehen.

Karfreitag | Gebet

Seht, welch ein Mensch!

Über dich, Christus, hat man das gesagt.
Als du dagestanden bist.
Zum Tode verurteilt.
Mit Dornenkrone auf dem Kopf.
Wehrlos. Verspottet. Geschlagen.

Seht, welch ein Mensch!

Manchmal, da wünschte ich,
du würdest aufstehen.
Allmächtig gegen das Virus, gegen die Kriege,
gegen den Egoismus.
So bist du nicht.
Du stellst Dich nicht über uns.
Du stellst Dich neben uns.

Seht, welch ein Mensch!

Ich sehe dich. Und fühl mich nah.
Ich weiß nicht, wie das kommt.
Mehr Gefühl als Gedanke.
Eine Rührung, die tröstet.
Und stärkt. Und in Bewegung bringt.
Die verbinden kann – trotz Abstandsregeln.

Seht, welch ein Mensch!
Seht, welch ein Gott!

Du bist uns nah, du Mensch, du Gott.
Du bist bei jedem Menschenkind.
Auf den Intensivstationen, in Italien, in Spanien, bei uns.
In einsamen Wohnungen.
Auf der Straße bei Menschen ohne Hoffnung.
Bei allen, die in Angst sind und in Sorge.
Bring ihnen die Liebe mit.
Und Menschen, die sie stärken:
Die die Kranken pflegen.
Die uns mit Lebensmitteln versorgen.
Die nach Medikamenten forschen.
Die uns regieren und Lösungen suchen.
Die Zuversicht verbreiten.
Und so viele andere, die sich einsetzen.
Erschöpft und doch voller Kraft.

Seht welche Menschen!

Bleib du bei ihnen.
Bleib du bei uns, du Mensch, du Gott.
Berühre und bewege uns. Umhülle uns mit deiner Liebe.
Damit wir mutig durch diese Zeit kommen.

Amen

Text: Doris Joachim, Referentin für Gottesdienst
© Zentrum Verkündigung der EKHN
In Zeiten des Coronavirus – 26. März 2020

Karfreitag | Lied


Palmsonntag, 5. April 2020

Das Vorspiel kommt heute von „Genesis Brass“, einem Ensemble von Blechbläsern aus verschiedenen Berliner Orchestern.

Christinnen und Christen in aller Welt erinnern sich an Palmsonntag an Jesus‘ triumphalen Einzug in Jerusalem. Einen Bericht davon finden wir in Johannes 12, 12-19 (ein Klick auf den Link führt zum Bibeltext). Von den Menschen in der Stadt wird Jesus als König empfangen. Sie breiten ihre Kleider vor ihm auf dem Boden aus und begrüßen ihn mit Palmzweigen. Nur das Reittier, das er sich ausgesucht hat, passt nicht so ganz zum königlichen Bild. Ein Kirchenfenster erzählt davon:

Warum feiern die Menschen Jesus? Sie haben mitbekommen, dass er ein besonderer Mann ist. Vielleicht sogar der Messias, den viele erwarten. Man erzählt sich, dass er einen Toten wieder zum Leben erweckt habe. Wenn dieser Mann die Herrschaft übernehmen würde, dann würden bestimmt bessere Zeiten anbrechen. Vielleicht könnte man sogar die römischen Besatzer aus dem Land verjagen…

Die aufgewühlt-revolutionäre Stimmung in Jerusalem haben sich die Macher des Films „Die Bibel – Jesus“ (1999 in der ARD erstausgestrahlt) so vorgestellt:

Doch wir wissen, dass Jesus all diese revolutionären Hoffnungen enttäuscht. Es geht auf Karfreitag zu, auf den Tod am Kreuz, dem Hinrichtungsinstrument der römischen Besatzungsmacht.

Bei der Gerichtsverhandlung bringt Pilatus, der Statthalter des römischen Kaisers in der Provinz Judäa, das Thema noch einmal auf den Tisch. Er fragt Jesus direkt: „Bist du der König der Juden?“ Und Jesus antwortet: „Das Reich, dessen König ich bin, ist nicht von dieser Welt.“ (Die ganze interessante Verhandlung ist nachzulesen in Johannes 18).

Mit dieser Antwort kann Pilatus nicht so richtig etwas anfangen. Und auch wir tun uns ja oft schwer mit diesem Thema. Die Sache mit Jesus und dem Glauben an ihn, sie scheint oft so weit jenseits unserer Realitäten zu sein.

Und selbst den Jüngern, die ja täglich mit Jesus gelebt haben, ging es immer wieder so. Sie haben beispielsweise auch der Wahl des Reittiers beim Einzug in Jerusalem zunächst keine Bedeutung zugemessen. Dabei ist es doch verwunderlich, dass der vermeintliche König Jesus nicht auf einem Schlachtross oder einem Streitwagen in die Stadt einzieht, sondern auf einem Esel, dem Lasttier der einfachen Händler. Erst im Nachhinein, als Jesus schon nicht mehr bei ihnen ist, dämmert den Jüngern, dass die Wahl dieses Tiers der Erfüllung einer alten Prophezeiung diente: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel.“ (Sacharia 9, 9)

Wahrscheinlich bleibt uns einfach nichts anderes übrig, als die Spannung auszuhalten, dass wir es mit einem König zu tun haben, dessen Reich „nicht von dieser Welt“ ist. Wir können aber darauf vertrauen, dass er als „Gerechter“ und als „Helfer“ sich unseren Bitten um Hilfe und Gerechtigkeit nicht verschließen wird. Mehr noch, er sagt uns sogar zu: „Euer Vater im Himmel weiß, was ihr braucht. Sucht zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere dazugegeben.“ (Matthäus 6, 33)

Also doch ein Grund, mit einzustimmen in eines der Königs-Lieder aus dem Evangelischen Gesangbuch (Nr. 327):

1) Wunderbarer König, / Herrscher von uns allen, / laß dir unser Lob gefallen.
Deine Vatergüte / hast du lassen fließen, / ob wir schon dich oft verließen.
Hilf uns noch, / stärk uns doch; / laß die Zunge singen, / laß die Stimme klingen.

2) Himmel, lobe prächtig / deines Schöpfers Taten / mehr als aller Menschen Staaten.
Großes Licht der Sonne, / schieße deine Strahlen, / die das große Rund bemalen.
Lobet gern, / Mond und Stern, / seid bereit, zu ehren / einen solchen Herren.

3) O du meine Seele, / singe fröhlich, singe, / singe deine Glaubenslieder;
was den Odem holet, / jauchze, preise, klinge; / wirf dich in den Staub darnieder.
Er ist Gott / Zebaoth, / er nur ist zu loben / hier und ewig droben.

Text und Melodie: Joachim Neander 1680

Palmsonntag | Gebet

Guter Gott,

wir wünschen uns, dass deine königliche Macht öfter sichtbar wird und dem Unheil in der Welt etwas entgegensetzt:

– dem Corona-Virus, das so viele Menschen gesundheitlich und wirtschaftlich an ihre Grenzen bringt
– dem Hass von Menschen auf andere Menschen, der zu Terror und Gewalt führt
– der Zerstörung unserer Umwelt durch rücksichtslose Ausbeutung und Konsum

Wir bitten dich um deine Hilfe für uns und unsere Lieben, vor allem aber auch für die, die in ganz anderen Verhältnissen leben als wir:

– in Flüchtlingslagern und Favelas
– in Staaten, die keine Meinungsfreiheit zulassen, sondern die Menschen dazu zwingen, die Regierungspropaganda zu glauben
– in Gebieten, die keine Versorgung mit sauberem Trinkwasser oder anderen lebensnotwendigen Grundlagen haben

Guter Gott, du Gerechter, verhilf du ihnen zu ihrem Recht.

Und lass uns handeln, wo wir etwas zu deinem Reich und deiner Gerechtigkeit beitragen können.

Amen

Palmsonntag | Nachspiel


Sonntag, 29. März 2020

Abgeschottet, eingeigelt – und nur eines im Sinn: dass „es“ hoffentlich irgendwann vorbei ist. Der heutige „Lorsbacher Lichtblick“ beschäftigt sich mit der Tageslosung für den heutigen Sonntag: Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad. (Psalm 142, 4)

Für … Sorge | Orgelvorspiel

Ein „Orgelgruß“ aus der (leider auch leeren) Dresdner Frauenkirche vom 22. März 2020

Für … Sorge | Gedanken

Ängste sind ja leider ziemlich zuverlässige Begleiter in diesen Tagen. Immer wieder beschleichen sie uns. Ab und zu überfallen sie uns. Hin und wieder können wir sie verdrängen, dann verlieren sie ihre bedrohliche Dominanz. Doch manchmal verstricken wir uns auch immer tiefer in sie hinein, verlieren uns in ihnen wie in einem Labyrinth.

Angst hat auch der Autor des Psalm-Verses, David, der spätere König. Er ist in großer Bedrängnis. Auf der Flucht vor Saul, seinem Verfolger, ist er in einer Höhle untergetaucht. Und nun steht Saul plötzlich im Eingang ebendieser Höhle. David sitzt in einer Falle.*

Was tut David in dieser Situation? Er ruft sich ins Gedächtnis, dass er einen Verbündeten hat. Einen, der über den Dingen steht, außerhalb des Systems. Er macht sich bewusst: Gott weiß, in welcher Situation ich bin. Er weiß, wie ich dort hingekommen bin. Und er weiß vielleicht auch, wie ich wieder herauskomme. „Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad“. Gott kennt mein Bewegungsprofil, er hat mich auf seinem Radar.

Und weil das so ist, kann ich einen Notruf senden, kann meine Ängste fassen und formulieren, beim Schopf packen und aussprechen. Im neuen Testament finden wir sogar eine direkte Aufforderung dazu: „Alle eure Sorge werft auf ihn …“. Hier sind also nicht unbedingt wohlformulierte Gebete gefragt. Ich kann Gott ganz einfach und direkt mit meinen Sorgen und Ängsten konfrontieren. Und der Vers geht noch weiter: „… denn er sorgt für euch“ (1. Petrus 5,7). Gott hat versprochen, unsere Gebete zu hören. Und er nimmt unsere Ängste und Sorgen hinein in seine „Für-Sorge“ für uns. Das könnte uns doch einen Versuch wert sein.

Micha Häckel

* Wer die Geschichte nachlesen will, kann das in 1. Samuel 24, 1-23 tun (einfach auf die Bibelstelle klicken). Es stellt sich nämlich heraus, dass Saul nur in die Höhle gekommen ist, um seine Notdurft zu verrichten (umschrieben mit der Formulierung „um seine Füße zu decken“). Davids Begleiter sehen die Chance, den Spieß umzudrehen. Aber David entscheidet sich anders…
Wer den kompletten Psalm nachlesen will, kann das hier tun.

Für … Sorge | Lied

Für … Sorge | Gebet

Ratlos sind wir, Gott, angesichts der schwierigen globalen Herausforderungen
– und wir bringen unsere Ratlosigkeit vor dich.

In Sorge um die Menschen weltweit sind wir, weil wir uns durch die rasante Ausbreitung des Virus bedroht fühlen
– und wir bringen unsere Sorge vor dich.

Bedrückt sind wir, wenn wir an all die denken, die sich in der Quarantäne alleingelassen fühlen
– und wir bringen ihre Einsamkeit vor dich.

In Angst sind wir um die Menschen, die in den Krankenhäusern ums Überleben kämpfen
– und wir bringen die Verzweiflung aller Angehörigen vor dich.

Dankbar sind wir für alle Menschen, die sich unermüdlich im medizinischen Bereich und im Bereich der Lebensmittelversorgung für das Allgemeinwohl einsetzen
– und wir bringen unseren Dank für sie vor dich.

Mitten hinein in unsere Angst schenkst du uns das Leben.
Du schenkst uns Gemeinschaft und die Fürsorge unserer Freunde und Nachbarn.
Du schenkst uns Inspiration, Freundlichkeit und Mut.
Du schenkst uns deine Fürsorge für uns, den Glauben, die Liebe und die Hoffnung.
Dir vertrauen wir uns an – heute und morgen und an jedem neuen Tag.

Amen

Nach einer von der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands auf velkd.de veröffentlichten Idee.

Für … Sorge | Lied

Nochmal ein Beitrag aus Dresden, diesmal aber vokal.

Sonntag, 22. März 2020

Ein Satz aus dem Predigttext für den aktuellen Sonntag (22. März) war 2016 die ökumenische „Jahreslosung“. In den folgenden Beiträgen finden Sie Gedanken, Gebete und Lieder dazu. So können Sie bei sich zuhause einen eigenen Mini-Gottesdienst feiern.

Mutter-Trost | Lied

Ein Lied von Arne Kopfermann

Mutter-Trost | Gedanken

Natürlich: Nicht alle Mütter trösten gleich oder gleich gut. Nicht alle Kinder – egal, ob kleine oder inzwischen erwachsene – haben nur gute Erfahrungen mit ihren Müttern. Trotzdem schwingen im Bild der tröstenden Mutter bestimmt für viele von uns positive Gedanken mit. Für den einen dieser, für die andere jener. Suchen Sie sich doch einfach einen oder mehrere aus:

Unsere Mutter kennt uns sehr gut, sie hat uns aufgezogen und aufwachsen sehen, sie kennt unseren Charakter +++ Sie weiß, was uns gut tut und was wir gerne mögen +++ Sie weiß oft, was wir gerade brauchen +++ Sie hat uns versorgt und und tut das möglicherweise immer noch +++ Sie hat oft für uns vorausgedacht +++ Sie hatte schon oft das kleine Extra für uns, eine kleine Überraschung , die über das Notwendige oder das Vereinbarte hinaus ging +++ Sie hat uns vielleicht auch vor manchem bewahrt, möglicherweise sogar ohne dass wir es gemerkt haben +++

Bestimmt haben Sie noch weitere eigene Erfahrungen oder Erinnnerungen. Denken Sie doch mal einen Moment darüber nach …

Wie kann das nun praktisch werden, dass wir Gottes Mutter-Trost erfahren? Gerade in diesen Zeiten, in denen wir uns Sorgen machen um unsere Gesundheit oder unser wirtschaftliches Überleben. In denen wir vielleicht auch schon den einen oder anderen Nackenschlag einstecken mussten. Es gibt eine naheliegende Chance: Wir können überhaupt erst einmal versuchen, uns von ihm trösten zu lassen. Indem wir nicht trotzig weglaufen, nicht in der Ecke schmollen und nicht im Selbstmitleid versinken. Indem wir auch nicht einfach weitermachen mit Weitermachen. Indem wir uns auch nicht vom nächstbesten Unterhaltungsangebot ablenken lassen.

Wenn wir daran glauben, dass Gott nicht nur irgendeine Denkfigur ist, sondern dass es ihn wirklich gibt – nur eben so, dass wir ihn in unseren Dimensionen nicht erfassen können -, dann könnten wir ihm doch einfach einen Moment Zeit schenken. Ein paar Minuten. Vielleicht kommt uns etwas in den Sinn. Ein Gedanke, ein Lied, ein Text aus der Bibel oder anderswoher? Vielleicht kommt auch ein Anruf von einem lieben Menschen dazwischen?

Lassen wir uns doch einmal darauf ein. Denn eins steht fest: Trost kann einem nicht aufgezwungen werden – man muss sich schon trösten lassen.

Micha Häckel

Mutter-Trost | Gebet

Lass dir erzählen, Gott, wie es uns geht.
In diesen Tagen.
Wo alles so anders ist.
So durcheinander.
Wo die Sonne lacht – und wir die Freude vergessen.
Wo die Natur neues Leben hervorbringt – und wir in Ängsten sind.

Tröste uns, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Alten in den Pflegeheimen,
die wir nicht mehr besuchen dürfen wie sonst.
Und den Kranken,
die meist ohne ihre Lieben in den Krankenhäusern sind.
Allen Menschen, die in ihren Wohnungen bleiben müssen
und die Einsamkeit fürchten.

Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Kindern, die die Sorge der Erwachsenen spüren.
Den Jugendlichen, für die Ruhe halten so schwer ist.
Den Eltern, die jetzt so viele Lösungen finden müssen.
Allen Menschen, die um ihre Existenz fürchten.

Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Lass dir erzählen, Gott, wie es deinen Menschen geht.
Den Menschen, die sowieso schon am Ende ihrer Kräfte sind.
In den Flüchtlingslagern in Griechenland und anderswo.
In den griechisch-türkischen Grenzgebieten.
Und lass dir erzählen von den vielen Menschen,
dort und hier,
die helfen und nicht müde werden.

Tröste sie, wie eine Mutter tröstet.

Gott, schütte sanft deinen Trost über uns aus.
Der uns umhüllt.
Und Segen dazu.
Der uns immun macht
gegen die Panik.
Sage zu unserem ängstlichen Herzen:
„Beruhige dich.“
Sprich zu unserer verzagten Seele:
„Ja, die Gefahr ist da. Aber ich bin bei dir.“

Und noch dazu und allem zum Trotz:
Gib uns die Freude wieder.
An der Sonne.
An der aufbrechenden Natur.
An den Menschen, die wir lieben.
An dir, du Gott des Lebens.
Damit wir mutig durch diese Zeit gehen.

Amen

Doris Joachim, Referentin für Gottesdienst
publiziert auf www.ekhn.de
(externer Link)

Mutter-Trost | Lied

Der Klassiker von Paul Gerhardt